Zwei neue Community-Moderatoren stellen sich vor

18. Oktober 2010
Christine

Letztes Jahr haben wir euch unsere drei Community-Moderatoren Christina, Jacqueline und Tarek vorgestellt. Jetzt haben sie mit Katrin Urschel und Sven Truckenbrodt Verstärkung bekommen. Der ein oder andere wird die beiden schon als aktive Community-Nutzer kennen. Wer sie sind und warum ihnen die Community am Herzen liegt, erzählen sie euch selber:

Ritter Sven "Eisenfaust" Truckenbrodt im Feldzug gegen anonyme Beleidigungen und mangelnden Zusammenhalt – nebenbei Student der Biomedizin, Humanmedizin, Kulturwissenschaften und Psychologie. Oder kurz: Der erste multitaskingfähige Mann.

Sven Truckenbrodt

"Ich stamme aus einem winzigen Kuhkaff, das aber durch seine Nähe zu Coburg mit der Fränkischen Krone wenigstens schön gelegen ist. Zum Studium bin ich in Franken geblieben, weil es das, was ich studieren wollte (Biomedizin), einfach so gut wie nirgendwo gab und die Uni in Würzburg einen sehr guten Ruf in dieser Fachrichtung hat.

Ich hatte keine wirkliche Vorstellung vom Unileben und Studieren, da ich in meiner näheren Verwandtschaft der Erste bin, der sich an eine Uni gewagt hat. Und obwohl mir Biomedizin nach wie vor sehr gefällt, hab ich schnell mein Interesse an anderen Fächern entdeckt und nach und nach zusätzlich mit dem Studium der Humanmedizin, Kulturwissenschaften und zuletzt Psychologie begonnen. Ob das alles mal in separate Abschlüsse mündet, weiß ich noch nicht, aber zwei oder drei dürften es insgesamt schon gern sein.

In meiner Freizeit (von der ich immer noch genug habe, auch wenn mir das nie jemand glaubt) gehe ich der japanischen Kampfkunst Jodo und seit neuestem auch Aikido nach.  Sonst bin ich ein großer Filmfan, gehe deswegen gern in Sneaks, spiele Schach und bin allgemein ein großer Freund von jeder Art von Strategiespielen.

Zu e-fellows.net bin ich gekommen, weil mir das Stipendium zusammen mit dem Abiturzeugnis überreicht wurde. Während meines Zivildienstes hab ich mich kaum damit beschäftigt, aber im ersten Semester an der Uni schnell die Community schätzen gelernt. Ein Schlüsselerlebnis war, dass ich auf eine saukomplizierte Frage, die in der Physikvorlesung direkt vorher nicht mal mein Prof so aus dem Stehgreif beantworten konnte, von den e-fellows innerhalb einer guten halben Stunde schon ein halbes Dutzend hochqualifizierter und schlüssiger Antworten bekommen habe, die mir als Laien das Ganze sogar verständlich machen konnten. Spätestens ab da war mir klar: Das muss das Paradies sein. So viele auf unterschiedlichen Gebieten versierte Menschen findet man – da bin ich mir sicher – in keiner anderen Community im Internet und auch außerhalb wohl nicht. Da Wissen für mich das vielleicht größte Gut überhaupt ist, fand ich das mehr als faszinierend.

Leider hat diese tolle Community auch ihre Schattenseiten – aber die hat ja selbst das Paradies. Die größten Schattenseiten sind in meinen Augen die zunehmende Anonymität (was sich nicht nur im Missbrauch der Anonymitätsfunktion ausdrückt) und die daraus erwachsenden Probleme in Sachen Umgangston und gegenseitigem Respekt. Man könnte auch sagen: Mangelnder Zusammenhalt ist das Problem. Denn eine Gemeinschaft ist nur so lange stark und gesund, wie sie zusammenhält. Ich möchte, dass unsere Gemeinschaft stark bleibt, und deswegen bin ich jetzt Moderator.

Zunächst müssen alle Mitglieder der Community vor anonymen und nichtanonymen Angriffen geschützt werden. Das ist eine Selbstverständlichkeit und meiner Auffassung nach nur die Basisaufgabe der Moderatoren. Viel wichtiger ist, dass wir den Zusammenhalt wahren und stärken. Wenn sich alle in der Community als Mitglieder begreifen, also nicht als Anonyme (ob sie jetzt als solche schreiben oder unter Klarnamen), dann kommt die Wertschätzung für die Anderen und deren Wohl automatisch, und diese Community wird noch besser.

Das erreicht man meiner Meinung nach nicht mit Löschungen, sondern nur mit gerichteter Moderation, die an die jeweilige Situation angepasst ist. Übliche Beruhigungstaktiken helfen auf Dauer nicht weiter, da sie nur die Symptome behandeln, aber nicht die zu Grunde liegende Krankheit. Ich möchte daher einen subtileren Ansatz der Moderation betreiben und strebe eine kontinuierliche Verbesserung des Umgangstons an. Dabei ist geglückte Moderation eine, die man gar nicht bemerkt. Denn nur zu löschen, wenn es bereits brennt, wird auf die Dauer mehr Frust auf allen Seiten verursachen als angepasste Prävention."

Katrin Urschel, der lebende Beweis, dass transatlantische Fernbeziehungen funktionieren, hat gerade ihre Doktorarbeit abgegeben und wartet jetzt darauf, endlich nach Kanada ziehen zu können. Wenn sie nicht gerade im Flugzeug sitzt, ist sie eine echte Heavy-Userin der Community und fühlt sich mit voranschreitendem Alter weise genug, um als Moderatorin die nötige Gelassenheit an den Tag zu legen.

Katrin Urschel "Ich wohne seit über vier Jahren in Galway an der irischen Westküste und genieße die irische Lebensart und meinen Meerblick, wenn ich nicht gerade mal wieder über die hiesige Infrastruktur, die hohen Lebenshaltungskosten oder den von allen Seiten kommenden Regen schimpfe. Meine Leidenschaft gilt dem Tanzen (Ballett, Jazztanz) und ich wünschte, es gäbe mehr Tanzensembles, die dem Galwayer Theater einen Besuch abstatteten.

e-fellows.net begleitet mich seit acht Jahren und ist mein 'Number-one Medium', um mit dem tagespolitischen Geschehen und dem Zeitgeist junger Akademiker in Deutschland in Kontakt zu bleiben. Eine meiner vielen Fernbeziehungen, wenn man so will. In der Community gelte ich als Expertin für Fernbeziehungen schlechthin, denn mein Mann wohnt in Kanada. Nach fast sieben Jahren Beziehung – sechs davon über einen Zeitzonenunterschied von zwischen ein und neun Stunden – haben wir diesen Sommer endlich geheiratet. Doch wir müssen mit dem Zusammenziehen aus visumstechnischen Gründen noch bis Sommer 2011 warten… So lange werde ich noch in Galway an der Universität als wissenschaftliche Assistentin arbeiten.

Nach vier Jahren intensiver Arbeit habe ich gerade meine Ph.D.-Dissertation abgegeben. Jetzt bin ich offiziell weltweit die einzige Expertin dafür, wie sich das ethnische Selbstverständnis von irischen Einwanderern und deren Nachfahren in Kanada im Rahmen der Literaturgeschichte (ca. 1820-2000) verändert hat. Ja, man muss schon ein bisschen verrückt sein, wenn man Professor der Literaturwissenschaft werden will. Ich finde interkulturelle Begegnungen sehr spannend, egal ob sich das auf Kulturen verschiedener Länder oder Subkulturen im eigenen Land bezieht. Aber auch die Wirtschaft ist ein Faktor, der meine Sichtweise stark beeinflusst, und mein interdisziplinärer Hintergrund ist in meiner Doktorarbeit sicher nicht zu übersehen.

Das Interdisziplinäre und Interkulturelle ist es auch, was mich an der Community fasziniert. Ein Gedankenaustausch vieler kreativer und intelligenter Köpfe, der mich oft zum Nachdenken anregt, mich zum Schmunzeln und Lachen bringt. Es ist klar, dass die unterschiedlichen Interessen, fachlichen Hintergründe und Altersunterschiede manchmal ein Konfliktpotenzial darstellen, aber ich bin immer wieder begeistert zu sehen, wie viele Streitereien man mit sachlichen Argumenten zur Zufriedenheit (fast) aller lösen kann. Das gute Diskussionsklima will ich auch als Moderatorin weiter fördern.

Ich verbringe definitiv mehr Zeit mit der Community als mit meiner Familie in Deutschland am Telefon – soviel steht fest. Weil ich schon so lange dabei bin, habe ich viele Veränderungen gesehen und etliche Diskussionen mehrfach mitverfolgt. Das schürt manchmal die Emotionalität, macht mich manchmal sehr gelassen und führt mir aber auch hin und wieder vor Augen, dass ich inzwischen ja doch ganz schön alt bin! Zusammengenommen ist all das sicher ein Vorteil, um vermittelnd in Diskussionen eingreifen zu können."

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