Machtfantasie meets Diplomatie – die Community-Moderatoren
Donnerstag, den 29. Oktober 2009Vielleicht ist es einigen von euch schon aufgefallen: Seit Kurzem haben sich drei
e-fellows.net-Stipendiaten in Moderatoren verwandelt. Sie kümmern sich um das Wohlbefinden der e-fellows in der Community. Wer aber sind die Tapferen im Supermann-Kostüm? Und was macht sie zu guten Moderatoren?
Jacqueline kämpft mit ihrem Kühlschrank um die Weltherrschaft – zum Glück kann sie Karate.
Jacqueline ist frischgebackene Medizinstudentin. Wenn sie nicht gerade im Ersti-Chaos versinkt oder ihre Karate-Techniken an Freunden ausprobiert, wandert sie gerne. Eine gute Gelegenheit, der ICE-Trasse vor dem Studentenwohnheim zu entkommen. Auch den Kühlschrank kann sie dann kurz vergessen. Der macht nach ihren eigenen Angaben "alle zehn Minuten panzerartige Geräusche" und wird wohl bald die Weltherrschaft an sich reißen. Vielleicht kann Jacqueline den Lärm mit ihrem Saxophon übertönen? Denn Jazz ist ihre Leidenschaft, auch wenn ihre musikalische Karriere im örtlichen Musikverein mit Polka und Schlager anfing. Jetzt sucht sie in Ulm eine neue Combo zum abendlichen Jammen. Seit Kurzem bemüht sie sich auch in der Community um einen guten Ton.
Atmosphärischer Mod mit Hang zum Unbequemen
Jacqueline hatte den Eindruck, dass in der e-fellows.net community die Stimmung schlechter wurde. Das fand sie schade und bot sie sich als Moderatorin an. Sie will, dass sich alle wohlfühlen und dass die interessanten Fragen nicht unter Qualitäts- und Anonym-Diskussionen verschwinden. "Netzwerken macht Spaß", findet Jacqueline "besonders in einer so tollen Community". Sich selber beschreibt sie als unbequem. Sie scheut keine Diskussion und will, dass andere sich verantwortlich fühlen für ihre Postings. Dabei ist es ihr aber wichtig, die Dinge nicht so eng zu sehen – Zensur kann sie nicht ausstehen.
Nicht meckern, aktiv werden
Jacqueline wünscht sich, dass alle unzufriedenen Community-Mitglieder aktiv werden und sich nicht an kleinen Streitereien aufhalten. Aber sie glaubt, dass das bald von alleine geschieht, weil sich die Community den wirklich spannenden Fragen zuwendet. Bis dahin erklärt sie gerne, warum manchmal Postings gelöscht werden müssen.
Hoffen wir, dass Jacqueline so aktiv bleibt, auch wenn sie in Zukunft alle Knochen im menschlichen Körper auswendig lernen muss. Doch es sieht gut aus: "Ich find's echt klasse, wie ein Zusammenschluss aus so vielen unterschiedlichen Leuten trotz allem so gut funktionieren kann! Ich hoffe, dass das so bleibt und ich freu mich auf weitere nervenaufreibende, kontroverse und lustige Postings und Diskussionen!"
Tarek ist ein Verfechter der Logik und packt für e-fellows.net sein diplomatisches Geschick aus
Er schwingt Degen und Florett, auch wenn er nicht hoch zu Ross, sondern auf dem Mountainbike durch die Wälder rast. Von seinem winzigen Heimatdorf im Fichtelgebirge verschlug es Tarek nach Erlangen, wo er sich auf das Studium der Logik spezialisierte. Gerade programmiert er intelligente Roboter für seine Diplomarbeit. Wenn er den Abschluss in der Tasche hat, siedelt Tarek um nach Amsterdam für seine Promotion. Obwohl er meint, er stoße manchmal einige Leute vor den Kopf, stellt er der e-fellows.net community gerne sein diplomatisches Geschickt zur Verfügung. Das hat er mitgebracht von seinem Praktikum beim EU-Parlament in Brüssel.
Ein zwinkernder Moderator zwischen Göttern und Nutzern
Da er wegen seines geplanten Umzugs das Amt des City-Group-Leiters Erlangen abgeben müsse, brauche er eine andere Position, um seine "Weltmachtfantasien" zu befriedigen, sagt Tarek mit einem Augenzwinkern. "Ein bisschen Humor schadet nie", findet er, "auch der Community nicht." Trotzdem störten ihn irgendwann einige unkonstruktiven Postings. Darum begann Tarek die Diskussion über die Qualität der Beiträge in der Community. Plötzlich las Tarek dann den Vorschlag Moderatoren einzusetzen – und entdeckte seinen Namen in einem Posting. Da konnte er nicht mehr nein sagen.
Seitdem ist Tarek Moderator und will eine Verbindung darstellen zwischen den e-fellows.net-Mitarbeitern (den "Göttern") und den Stipendiaten. Sein "unersättlicher Wissensdurst"
treibt ihn dazu, immer fleißig mitzudiskutieren, obwohl er fast den ganzen Tag in der Uni für seine Diplomprüfung lernt. Zum Glück hat ein Tag 24 Stunden – und wenn das nicht reicht, nimmt Tarek gerne noch die Nacht dazu.
Keine Angst vor Differenzen
"Die e-fellows.net community ist super", sagt Tarek, "besonders weil man auch unterschiedliche Standpunkte diskutieren kann. Vielleicht schreibt mal jemand etwas Unüberlegtes, aber die Emotionen kochen selten über." Er findet, dass seitdem die Moderatoren aktiv sind und Hinweise zum Ton posten, die Stimmung viel besser geworden ist.
"Na geht doch", freut sich Tarek und fügt hinzu:" 'Jedes Ich ist Persönlichkeit, folglich geistige Individualität' (Jean Paul). 'Persönlichkeiten, nicht Prinzipien, bewegen die Welt' (Oscar Wilde). Deshalb ist es genau die geistige Individualität, die uns in die Lage versetzt, etwas zu bewegen. Diese Individualität sollten wir stets an anderen achten. Gerade auch in Online-Communitys."

Christina spielt Klavier auf dem Flur der Physiker und schwebt dabei auf Wolken
Christina sitzt zwischen Bücher-Bergen und DVD-Stapeln. Unter ihrem Zimmerfenster ziehen Wolken vorbei. "Wenn das Wetter gut ist, kann man bis nach Essen gucken", sagt Christina. Ihr gefällt es gut im 13. Stock des Studentenwohnheims in Bochum, wo sie im ersten Semester Wirtschaftspsychologie studiert. Schade nur, dass ihr Klavier nicht in die WG passt. Deshalb ist sie froh, dass sie das Piano im Physik-Institut gefunden hat. Bald werden dort also Ragtime und Mozart über die Flure klingen. Genauso begeistert wie von Musik ist Christina von der e-fellows.net community. Deswegen will sie 100 Prozent geben und ist Moderatorin geworden.
Demokratie-Fan sucht Kontroverse
Nachdem Christina selber schlechte Erfahrung mit einem unkonstruktiven Beitrag gemacht hatte, wollte sie etwas für die gute Stimmung in der Community tun: "Gerade schüchterne Leute lassen sich von einem blöden Kommentar vielleicht abschrecken. Das wäre doch schade." Die Community sei toll, um seine Meinung neu zu beleuchten. Es ärgert Christina, wenn dieses Potenzial nicht genutzt wird. Sie ist immer auf der Suche nach Kontroversen, will reflektieren und nicht bekehren. Intensive Diskussionen findet sie gut. Die sind ihr Ausgleich, wenn sie von einem anstrengenden Tag nach Hause kommt. "Auf keinen Fall will ich die große Zensorin sein", betont Christina. "Ich bin ein Demokratie-Fan." Sie überlegt lange, wo die Schmerzgrenze liegt, ab der ein Beitrag gelöscht werden sollte. Genau dieser Zwiespalt ist für sie der Reiz am Moderieren.
Wir sind ein Ponyhof
Schlecht findet Christina die Stimmung aber gar nicht. "Ich sehe uns eher als prophylaktische Maßnahme", erklärt sie, "Im Vergleich zu anderen Foren sind wir ein Ponyhof". Sie möchte, dass das so bleibt. Jeder soll die Chance haben, sich zu äußern. Viele unterschätzen das Potenzial der Community, meint Christina: "Man bekommt immer eine Antwort, egal auf welche Frage. Das ist der Wahnsinn!" Bevor sich jemand über ein unpassendes Posting aufrege, schlägt sie vor, solle er sich lieber eine coole Aktion ausdenken, wie man zum Beispiel etwas an der Situation der Dritten Welt verändern könne.
"Nutzt die Chance, dass ihr so ein tolles Forum habt. Wo sonst kann man Leute aus vielen verschiedenen Fachrichtungen so unkompliziert kennenlernen?"



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Wie sind Sie eigentlich zu McKinsey gekommen? 


In der Hemingway-Lounge angekommen, ließen wir uns erschöpft in die Stühle fallen und bestellten allerlei 


Gegen Mitternacht brachen die ersten e-fellows Richtung Hostel oder Disco auf. Die meisten wollten aber lieber die interessanten Gespräche fortsetzen. Gegen zwei Uhr machte sich eine kleine Gruppe noch auf zu einem Nachtspaziergang durch die Stadt. Gegen halb vier kehrte auch ich zu meiner Jugendherberge zurück und ließ die "Obdachlosen" zurück. Was die noch erlebten, bevor sie um 05:30 Uhr ihren Heimweg nach München antraten, müssen sie selbst erzählen.