Margret bricht auf zu neuen Horizonten
Donnerstag, den 29. Januar 2009Dinosauriersterben bei e-fellows.net: Nach Thomas Graf verlässt uns Ende des Monats nun auch unsere Key-Account-Leiterin Margret. Doch bevor wir alle ganz melancholisch werden, haben wir lieber die Gelegenheit genutzt, um noch ein paar spannende Geschichten aus grauen Vorzeiten aus ihr herauszukitzeln. Zum Beispiel die, wie McKinsey-Chef Jürgen Kluge einmal fast die Zusammenarbeit mit e-fellows.net beendete. Der Grund? Ein Restaurant mit zweifelhafter Vergangenheit…
Jetzt erzähl doch mal, Margret: Wann hast du bei e-fellows.net angefangen?
Angefangen habe ich am 2. November 2000, in dem Jahr, in dem e-fellows.net zum ersten Mal als eigenständige Firma agierte. Damals wurden die beiden Geschäftsführer an Bord geholt, die dann angefangen haben, alle Teams aufzubauen. Ich habe mich beworben für die Leitung des Marketings und die Stelle bekommen.
Und was hast du vorher gemacht?
Vorher war ich bei der HypoVereinsbank in der zentralen Kommunikation und im Marketing. Bei meinem letzten Projekt sollte ich den Internetauftritt der Bank überarbeiten. Dabei habe ich meine Liebe zum Internet entdeckt. Es war ja die erste Internet-Boomphase, an allen Ecken wurde gegründet. Viele Internetportale fand ich vom Thema her nicht so spannend. Doch die Idee von e-fellows.net fand ich klasse: Gute Leute durch eine Art Stipendium zu fördern, auf eine innovative und moderne Art – das fand ich toll. Und dass man uns Mitarbeiter nicht geködert hat, indem man versprochen hat: Bei uns in der Firma werdet ihr alle Internetmillionäre. Es war von Anfang an klar, dass es nicht um Geld geht, sondern um die Idee.
Wie war die erste Zeit?
Sehr lustig. Es war einfach cool, für ein Internetunternehmen zu arbeiten. Die meisten Internetunternehmen hatten einen Tischkicker oder so etwas, wir hatten einen Punchingball. Die Leute, die am Anfang dabei waren, waren alle zwischen 25 und 35 und gut drauf. Wir haben viel gelacht.
Wir haben auch viel gearbeitet. Auch mal umsonst, weil wir die falschen Sachen gemacht haben. Wir dachten zu dem Zeitpunkt, man muss alles ausprobieren. Eine Zeitlang kam jeden Monat eine andere Delegation – aus Kanada, aus Brasilien, aus Belgien – und hat gefragt, ob wir e-fellows.net nicht dort aufziehen wollen. Wir haben internationale Expansionskonzepte geschrieben, die dann zum Glück nicht realisiert worden sind. Das war so eine Phase, wo wir dachten: Anything goes.
Wie groß war e-fellows.net damals?
An die 20 waren wir, so wie heute. e-fellows.net hat sich ziemlich verändert in der Zeit. Am Anfang stand die Idee, gute Leute übers Internet "zu sammeln und zu binden". Ich sollte das Marketing und die Stipendiatenbindung übernehmen. Mein Hauptauftrag war, dafür zu sorgen, dass der Stipendiatenpool wächst – von knapp 1.000 auf 10.000. Wir haben uns damals stark auf die Studenten konzentriert, spannende Angebote gemacht, viel Marketing, waren an jeder Uni präsent. Das hat sehr gut geklappt. Schwieriger ist es, Unternehmen zu gewinnen, aber das ist genauso wichtig. Anfangs gab es gar kein Key Account Management, also keine Kundenbetreuung. Das haben wir dann ganz schnell eingerichtet.
Wann bist du dann in dieses Key Account Management gewechselt?
Ich war bis Mitte 2004 im Marketing. Dann bekam ich meine Tochter. Also habe ich Elternzeit genommen und bin nach drei Monaten wieder in Teilzeit eingestiegen. Das Marketing-Team hatte ich an Thomas abgegeben und sollte eigentlich einzelne Projekte betreuen. Dann wurde eine Kollegin im Key Account krank, und ich habe die Vertretung übernommen. Daraus wurde dann ein Dauerbrenner. Nachdem Anja, die damalige Key–Account-Leiterin, 2006 weggegangen war, habe ich die Leitung übernommen.
Was waren deine Highlights bei e-fellows.net?
Ein persönliches Highlight war diese legendäre Berlin-Party zum 1. Geburtstag von e-fellows.net. Das war total toll, weil wir in unglaublich kurzer Zeit eine echt große Veranstaltung auf die Beine gestellt haben und auch sehr kreativ sein konnten. Es gab eine Rallye mit Aufgaben und Teams und abends eine große Party mit Preisverleihung. Wir hatten tolle Leute in der Jury: Giovanni di Lorenzo, der jetzt Chefredakteur der Zeit ist, und Jürgen Kluge, den McKinsey-Chef Deutschland. Die Stipendiaten, die dabei waren, haben ein Super-Engagement gezeigt. Wir haben die Nächte vorher durchgearbeitet, weil so viel gemacht werden musste, aber es war einfach ein tolles Erlebnis.
Auch spannend finde ich, in Teilzeit zu arbeiten. Wie schafft man das, seiner Familie Genüge zu tun und trotzdem noch einen spannenden, anspruchsvollen Job zu machen? Das erhöht die Komplexität deutlich. Stolz bin ich auf die "Erfindung" des Power Breakfast, unserer Frühstücksveranstaltung für Studentinnen. Davon gab es bisher über 50 – bei mindestens 20 war ich selbst dabei. Es ist nie langweilig. Jedes Mal erfahre ich wieder was Neues von den "Power-Frauen", die wir zu Gast haben.

Warum hast du dich entschieden, jetzt das Unternehmen zu wechseln?
e-fellows.net ist ein Super-Unternehmen, aber es ist ein Unternehmen, in dem man nicht alt wird. Ich habe das jetzt acht Jahre gemacht und in der Zeit viel Spannendes miterlebt. Ich denke mir: Wer rastet, der rostet. Es gibt die Gefahr, dass man an den Punkt kommt, wo man sagt: Ach, das kenn ich doch alles schon. So ein Nörgler will ich nicht werden. Es ist besser, jetzt noch mal was Neues auszuprobieren als in fünf Jahren.
Was hat Michael, der Geschäftsführer, gesagt, als er erfahren hat, dass er nun der letzte Dinosaurier bei e-fellows.net ist?
Ich glaube, der fühlt sich in seiner Dinosaurierrolle ganz wohl, er hat ja bekanntlich ein dickes Fell. Na, es ist schon schade, ich kenne ja Michael noch aus den Zeiten bei der HypoVereinsbank, da kommt man sich schon vor wie alte Kampfgefährten. Ich bin ja selber eher ein sentimentaler Mensch und werde jetzt schon ganz traurig, wenn ich daran denke, dass ich bei e-fellows.net aufhöre – obwohl es ja meine eigene Entscheidung ist. Gerade das Key-Account-Team ist ein Superteam, wir haben viel Spaß. Die Vielfältigkeit der Aufgaben, das werde ich bestimmt vermissen.
Wenn du dir e-fellows.net heute anguckst und mit damals vergleichst, was fällt dir am meisten auf?
Wir sind viel zielorientierter geworden. Früher haben wir mehr ausprobiert. Jetzt guckt man: Bringt das Umsatz für e-fellows.net, bringt uns das weiter? Zum Launch von e-fellows.net gab es ein ziemlich großes Marketing-Budget, wie es damals jedes Internet-Start-up hatte. Werbeanzeigen, Road-Shows an Unis – alles war drin. Man hat dann recht schnell mitgekriegt, dass die Sachen, die viel Geld kosten, nicht immer die effizientesten sind. Inzwischen wissen wir, was funktioniert und was nicht. Gut finde ich, dass wir viele neue Produkte in den letzten Jahren entwickelt haben – da gibt es für die Kreativität keine Grenzen.
Heute arbeitet hier ein ganz neues Team, ganz neue Leute. Das finde ich schön, denn jeder neue Mitarbeiter bringt wieder neue Ideen und Impulse rein. Same procedure as every year? Das gibt es nicht bei e-fellows.net. Und die Leute sind jünger geworden – oder ich bin älter geworden.
Auch die Studenten haben sich verändert. 2000 saßen sie teilweise auf einem ziemlich hohen Ross, da war der erste War for Talent, und Studenten wurden von allen Seiten betüddelt. Unsere Stipendiaten heute sind durchgehend nett und angenehm und wissen auch, dass e-fellows.net viel für sie tut.
Gab es ein Erlebnis, dass dir besonders gut im Gedächtnis geblieben ist?
Wir hatten die 10.000. Stipendiatin aufgenommen, eine sehr nette Volkswirtin, das war für uns etwas ganz Besonderes. Das wollten wir feiern. Wir haben also zu einer Art Happy Hour eingeladen mit Stipendiaten und Gesellschaftern. Wir haben diese Veranstaltung in der Villa Flora gemacht, das war ein Restaurant, das neu eröffnet hatte. Da kam auch der Jürgen Kluge, damals der Deutschland-Geschäftsführer von McKinsey. Und wie der Taxifahrer Jürgen Kluge abliefert, kommt der auf uns zu und sagt: "Wo macht ihr denn eure Veranstaltung?" Und wir: "Wieso?" Da meinte er: "Der Taxifahrer hat mir erzählt, die Villa Flora ist ein Puff." Und das war wohl tatsächlich früher für das einschlägige Gewerbe und erst seit einem halben Jahr ein Restaurant. Er wäre beinahe umgedreht und hätte dann nie wieder etwas mit e-fellows.net zu tun haben wollen. Aber es war dann noch ein sehr lustiger und netter Abend.
Hihi.
Ich hatte auch mal eine Anfrage von einem Stipendiaten, der sich über eine Ausschreibung mokiert hat. Da war ein kleiner Rechtschreibfehler drin. Ich fand das etwas übertrieben und wollte es an eine Kollegin weiterleiten. In den Betreff habe ich rein geschrieben: "Diesem Früchtchen dürft ihr antworten." Du ahnst es, natürlich habe ich es nicht an sie weitergeleitet, sondern an den Stipendiaten zurückgeschickt. Ups. Er hat es mit Humor genommen und dann auch ein e-fellows.net T-Shirt geschickt bekommen.
Gibt es was, was du deinen Kollegen noch mitgeben möchtest, die jetzt allein zurechtkommen müssen?
Die brauchen mich ja gar nicht mehr, die machen das alles ganz gut. Immer entspannt bleiben. Alles hat seine lustige Seite. Auch, wenn mal unangenehme Mails kommen. Ich habe in meinem Outlook einen Unterordner "Peinlichkeiten". Da kommen solche Sachen rein. Was ich auch wichtig finde: Ich habe vorher in einem großen Unternehmen gearbeitet, und da arbeitet man ja oft gegeneinander: Wer kann sich am besten profilieren, wer kriegt die besten Projekte, das größte Budget? Bei e-fellows.net arbeiten alle sehr gut zusammen. Das ist auch so ein Erfolgsrezept.






