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Auf Wiedersehen!

Goodbye (Quelle: freeimages.com, Autor: kirsche222)

Quelle: freeimages.com, kirsche222

Ich kann es selbst kaum glauben, aber morgen ist mein letzter Tag bei e-fellows.net. Nach sechs Jahren und vier Monaten ist jetzt alles aus. Und so sehr ich mich drauf freue, bald etwas anderes zu machen - der Laden wird mir fehlen. Werden mir künftige Arbeitgeber erlauben, den faschistischen Führungsstil mit Terminator-Arm durchzusetzen und Kehrwochendienste zu verteilen?

Erst neulich hab ich die Highlights aus fünf Jahren Community vorgestellt. Laaangweilig, wenn man bedenkt, was hier sonst so abgeht. Die tatsächlichen Highlights spielten sich (meist) hinter den Kulissen ab. Ich hab mal in den Archiven nach Bildern gegraben und zu fast jedem Punkt ein paar passende Fotos gefunden (einfach auf die Links klicken).

1. Team-Motivation

Als Führungskraft muss man schauen, dass die Leute motiviert bleiben und einen steten Anreiz zu Höchstleistungen haben. Der "faschistische Führungsstil" trägt hierzu in besonderem Maße bei. Abgesehen davon haben wir in den letzten Jahren viele weitere Motivations-Maßnahmen mit Erfolg eingeführt:

  • Terminator-Arm: Zwei der wichtigsten Prinzipien des faschistischen Führungsstils sind Willkürlichkeit und inkonsequente Bestrafung. Begehen Kollegen Fehler - schwerwiegend oder nicht, spielt keine Rolle - müssen sie körperlich gezüchtigt werden. Seit einem Jahr gibt es dafür den "Terminator-Arm", eine gewaltige Armverlängerung. Da die Kollegen vom motivierenden Effekt schnell überzeugt waren, züchtigen sie sich damit nun auch hin und wieder selbst untereinander. In den richtigen Umgang mit dem Arm wurde meine Nachfolgerin Christine übrigens bereits erfolgreich eingeführt.
  • Vor der Einführung des Terminator-Armssahen Züchtigungsmaßnahmen übrigens noch so aus - oder so, wenn die Vorgesetzten gezüchtigt wurden. Manchmal wurden sogar Praktikanten züchtigend tätig (nach gerechter Zurechtweisung), dann kam ich aber meist mit einem blauen Auge davon. Manchmal wurde ich auch im Kühlschrank eingesperrt.   
  • Erniedrigung: Hochmut kommt vor dem Fall. Daher muss man die Kollegen möglichst kleinhalten, um den Aufstiegstrieb zu erhalten. Das geht zum Beispiel, indem man den gemeinsamen Personalordner "Sklavenbereich" nennt.
  • Suit Down Day: Dank dem ersten "Suit Down Day" (Stilhafte-Kleidung-Tag) erlebte ich unseren fast zwei Meter großen Marketing-Leiter in equadorianischer Volkstracht. An dem Tag war wie geplant auch der Deutschland-Recruiting-Chef von McKinsey zu Besuch (in üblicher Amtstracht).
  • Marskrug: Eine respektlose Praktikantin, die wir "Jungstar" nannten, stahl den Krug auftragsgemäß vom Oktoberfest. Der Marskrug wird seither mit Mars und anderen Süßigkeiten befüllt und hat uns beim Relaunch fett gemacht, weil uns unser Chef so viel Schokolade gekauft hatte, dass wir am Schluss sogar freiwillig welche davon an die anderen, eigentlich verfeindeten Teams abgegeben haben.   
  • Käpselekrone: Eine Erfindung des schwäbischen Jungstars. Wer Glanzleistungen zeigt, darf sich eine Stude lang die Käpsele-Krone aufsetzen.
  • Intelligenzpreise: Vor der Käpselekrone gab es "Intelegenspreise". Sie sahen aus wie Papierbecher vom Kaffeeladen "Meyer-Beck" um die Eck (dort hatte ich in zähen Verhandlungen einen Zehn-Prozent-Rabatt für uns rausgehandelt), auf die Becher malte uns Frau Barista (dort hießen alle so, ist halt ein Familienbetrieb) immer wieder Tiere. Wer dann etwas besonders Intelligentes von sich gegeben hatte, der bekam einen dieser Becher mit intelligenter Widmung. Melanies Selbstbewusstsein (sie hatte lange die meisten Preise) ist dadurch noch weiter gestiegen. Leider hab ich jetzt auf die Schnelle kein Foto aufgetrieben.  
  • Volksmusikständchen und Pionierlieder zum Geburtstag: Es erklangen "Weißblau klingt's am schönsten", "Caro-Landkaffee", die Oldenburg-Hymne, "Wenn Sabse früh zur Arbeit geht" etc. Musik gibt neuen Schwung und lindert den Schmerz des Älterwerdens.
  • Teammotto: "Wir geben immer 90 Prozent!" prangt an unserer Tür, und wir fühlen uns diesem Prinzip zu 90 Prozent verpflichtet!
  • Regelmäßige Zigarettenrationen der Marke "Nazionale" aus Italien: Als unser Geschäftsführer drei Wochen in Urlaub war, haben wir in seinem Zimmer uns ein Raucherzimmer eingerichtet. Aus meinem Sardinien-Urlaub habe ich dann auch dazu passende Aschenbecher mitgebracht. (Elende Lügner behaupten, dass hier nur Nichtraucher arbeiten würden.)  
  • Besuch berühmter Persönlichkeiten: Zum Beispiel Jassir Arafat
  • Soziale Routinedienste wie die "Kehrwoche", um die Verpflichtung fürs Allgemeinwohl hochzuhalten: Das Kehrwochenschild wandert jede Woche auf einen anderen Bildschirm. Wer Kehrwoche hat, muss einen bislang undefinierten sozialen Dienst ausführen.
  • Identifikationssymbole als Wandbemalung: Andere stellen sich langweilige Fotos von ihren Kindern auf den Schreibtisch. Wir hängen süße Tierposter, Hundekotbeutelspender, Gangster-Rapper, Schumiflagge, Aschenbecher mit Zigaretten und Werbeplakate für die Ausbildung zum Facharbeiter für Fleischerzeugnisse an die Wand - man muss sich mit den Symbolen seiner Umgebung schließlich identifizieren können.
  • Bürohund: Sogar der Tierschutzbund propagiert den Bürohund als Stresslinderer und Teamzusammenschweißer. Da normale Hunde oft unangenehm riechen, haben wir beschlossen, unsere Praktikantin Eva zum ersten e-fellows.net-Bürohund zu ernennen.

2. Was ich sonst noch toll hier fand:

  • dass wir unseren Chef dazu gebracht haben (ein früherer Banker, also sozusagen das personifizierte Übel), zu Sabines Geburtstag lauthals die Internationale zu singen
  • dass wir der Anonymous-Bewegung den Weg bereitet haben. Anonymous erblickte im Juni 2007 das Licht der Welt in der e-fellows.net community. Man erkennt ihn an seinem grünen Hemd und daran, dass er an fast allen Diskussionen beteiligt ist. (nicht, dass ich mich mit Anonymous identifiziere, aber es ist schon beachtlich, was die Community hier ausgelöst hat)  
  • Passend dazu: Die Anonym-Kollektion (inklusive Hunde-"Coat") - immer diese Guy-Fawkes-Masken ist doch langweilig!
  • Anonymous kann auch Kaffee kaufen, Kaffee trinken und aufs Klo gehen (zensiert)
  • Riesenwoscht von Moderatorin Carolin aus Frankreich  
  • dass Praktikanten hier "Respekt ist fürn Arsch" sagen dürfen und darüber gelacht wird
  • der Stil in so manchen Stellenanzeigen und Unternehmenstexten, der uns immer wieder zum Lachen gebracht hat (Boilerplate? Collaterals? Bereichsbereichsbereich...)
  • dass ich beim letzten Bundestreffen wegen zu sportlicher Schuhe aus dem Club geworfen wurde, obwohl ich mich mit den Schuhen von e-fellow Martin reingeschlichen hatte, dann im Klo aus dem Rucksack meine eigenen Schuhe geholt und gewechselt hatte
  • dass ich den Rüschendaum selbst erleben, berühren und fotografieren durfte   
  • dass wir lange vor dem Bürohund einen Vogel mit Gummiknochen im Team hatten (ein "gemeiner Büttner")
  • dass der höchste Rang in der Community "Christoph Daum" heißt und einen Schnauzer trägt  
  • Wolfgang Zenker, das einzige Community-Mitglied, das man in Jura-Hausarbeiten zitieren darf, und alles, was wir aus ihm gemacht haben (Zenkeresque-Tassen usw.)
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Kommentare (5)

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  1. David

    was sucht du bitte im Kühlschrank?

  2. Patrick

    e-fellows ohne Lukas?!? Das muss ich jetzt erst einmal realisieren. Viel Glück und Erfolg in deinem neuen Lebensabschnitt. Die Bundestreffen haben mit dir viel Spaß bereitet. Konkret erinnere ich mich da an einen schönen udn witzigen Diskobesuch... Alles Gute

  3. Ivo

    Lukas, Du alter Haudegen! Machs jut und alles Gute! :-) Darfst/Wirst Du dann als "Alumnuss" (<- dieses liebreizende Wort ist mein Abschiedsgeschenk an Dich! ;-)) eigentlich auch an den e-fellows-Bundestreffen teilnehmen?!

  4. Der gemeine Büttner

    HAHAHAHA!! Oh Mann Lukas... ich kann gar nicht sagen, du wirst uns fehlen, weil ich ja nicht mehr da bin. War schon eine saulustige Zeit! Alles Gute, ich hoffe, dass diese Schweizer nett zu dir sind! (Schreibst du einen Blog über deine Abenteuer? Wenn ja, vergiss nicht, mir die Adresse zu geben.) Lass von dir hören!

  5. Dautele

    Lukas, viel Spaß und Erfolg auch bei deiner neuen Aufgabe! Ich hoffe, du bekommst auch im neuen Job ein paar Praktikanten und Mitarbeiter, die zurechtweisen und belohnen kannst, sonst wäre ein Teil deiner Talente vergeudet... ;) e-fellows wird dich vermissen! Übrigens hab ich noch meinen Intelegenspreis irgendwo; wenn ich ihn finde, mach ich ein Foto!

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