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Mit mächtigen Mantras gegen den Bachelorblues

Seit Anbeginn der Zeiten summen die Mönche vom Berg der bösen Bachelorarbeit (bei Bologna) ihre mächtigen Mantras. Lausche ihrem Klang. Sie werden dir das Leben – und vor allem das Schreiben – entscheidend erleichtern. Großes Buddha-Ehrenwort.

"Benotet wird das Baby, nicht die Geburt"

Abschlussarbeiten heißen so, weil man mit dem Leben abschließt, während man sie bearbeitet. Für die meisten Studenten schmeckt die Phase der Bachelorarbeit wie lecker Torturtorte mit gratis Selbstzweifeln. Begleitet von dem dringlichen Wunsch, lieber als Schiffschaukelschubser in Swasiland zu schwitzen, als noch eine Zeile niederzuschreiben.

Das Dumme dran: Dein Betreuer wird der fertigen Arbeit nicht ansehen, wie sehr du darunter gelitten hast. Er wird nur sehen, was du auch zu Papier gebracht hast. Er wird nicht sehen, was du noch-schreiben-wolltest-wenn-nur-mehr-Zeit-gewesen-wäre. Er wird nur sehen, was du auch zu Papier gebracht hast. Deine guten Absichten und dein reines Herz wird er verkennen. Er wird zum dritten Mal nur sehen, was du auch zu Papier gebracht hast. Und Papier kennt keinen Schmerz, deinen schon gar nicht.

Also tu dir und deiner Umwelt einen Gefallen: Wenn Prokrastination, Selbstzweifel und Haareraufen deine Arbeit um kein Komma voranbringen (weil kein Gutacher sie deiner Arbeit je ansehen wird), dann spar sie dir – und uns – doch bitte gleich.

Wiederhole jetzt fünfmal summend:

"Eigene Ideen gehen vorüber"

Meditiere über den folgenden Satz: Bei Anfängerarbeiten kommt es nicht auf eigene Ideen an. Nicht. Eigene. Ideen. Geprüft wird ausschließlich, ob du das wissenschaftliche Handwerk beherrschst. Das heißt: korrekte Quellenrecherche, korrektes Zitieren, korrektes Literaturverzeichnis, korrekte Formalia, korrekte Gliederung, korrektes Deutsch. Alles korrekt?

Du sollst mit deiner Abschlussarbeit nachweisen, das du im Studium gelernt hast, die Gedanken anerkannter Fachkollegen zu verstehen, nachzuvollziehen und in sinnvoller Reihenfolge wiederzugeben. Und das ist, unter uns Betbrüdern, eine Aufgabe, an der noch mancher Professor scheitert.

In den Leitfäden vieler Unis heißt es deshalb nicht umsonst: "Eigene Stellungnahmen sind erwünscht, aber erst nach der wissenschaftlichen Bearbeitung des Themas." (Beispiel: Uni Stuttgart) Auf gut Deutsch: Selberdenken ist Schlagsahne, aber erst mal muss der Kuchen heil aus dem Ofen. Schreib also vor allem über und mit den Ideen anderer. Versammle sie, arrangiere sie neu und bring deine Arbeit auf diese Weise zum Glänzen. Selbst dein Gutachter wird dir dankbar sein, Buddha-Ehrenwort.

Wer einen originellen Beitrag zu einem Forschungsfeld leisten will, muss dieses Feld ausgezeichnet überblicken. Das setzt 1000 Stunden Lektüre voraus, nicht 100. Eigene Geistesblitze sind vermeidbare Risiken, die du Fortgeschrittenen überlassen darfst.

Schrieb nicht schon Kafka: "'Es ist möglich', sagt der Türhüter, 'jetzt aber nicht'"? Doch, das schrieb er.

Summe deshalb fünfmal:

"Lakaien sind Lasten"

In anderen Winkeln des Internets wirst du lesen, dass du auf jeden Fall ein Programm zur Literaturverwaltung heranziehen solltest, wenn du mit der Bachelorarbeit beginnst. Überraschung: Das ist Unsinn. Eine Anfängerarbeit, die mit weniger als 50 Quellen auskommt, benötigt keine Softwareunterstützung. Einzige Ausnahme: Du bist schon sehr gut mit dem Programm vertraut, das du verwenden willst.

In allen anderen Fällen hilft dir diese simple Kosten-Nutzen-Rechnung: Um beispielsweise die Literaturverwaltung Citavi so kennenzulernen und anzupassen, dass du sie während der Arbeit produktiv einsetzen kannst, benötigst du mehrere Tage. Wenn du jetzt berechnest, dass du für deine Abschlussarbeit vielleicht 40 Arbeitstage zur Verfügung hast, wirst du überrascht feststellen: Die Zeit, die dir Citavi (oder eine andere Literaturverwaltung) einsparen kann, hast du bereits im Vorfeld ausgegeben – und vermutlich sogar draufgezahlt. Statt schneller voranzukommen, hast du in Wirklichkeit (mit einem spannenden Spielzeug) prokrastiniert.

Gleiches gilt für Mindmapping-Tools, Gantt-Chart-Software oder elektronische Zettelkästen (Verzetteln kommt von Zettelkasten). Alles, was du brauchst, um Gedanken festzuhalten, zu gliedern und zu sortieren, sind die zwei ältesten Tools der wissenschaftlichen Welt: pen and paper.

Für die Arbeit am Computer benötigst du übrigens genau zwei Text-Dokumente. Eines links, das nach den Vorgaben des Lehrstuhls formatiert ist, und in dem du deine Arbeit verfasst. Und eines rechts, in dem du deine Quellen in einer alphabetischen Liste anordnest und außerdem Exzerpte, Notizen sowie eigene Ideen festhältst. Ganz Clevere positionieren die zwei Word-Dokumente auf dem Bildschirm nebeneinander. Und behalten so Material (rechts) und "Reinschrift" (links) immer gemeinsam im Blick:

Und jetzt fünfmal:

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Kommentar (1)

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  1. Anonym

    ...oder man benutzt LaTeX und hat Textverarbeitung, Literaturverzeichnis, Referenzen, Gliederung und was man sonst noch braucht, alles in einem. ;-)

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