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Gut gesetzt mit LaTeX

Setzkasten Drucker Layout [Quelle: Pixabay.com, Autor: wilhei]

Quelle: Pixabay.com, wilhei

Vor allem Naturwissenschaftler stehen drauf: LaTeX. Denn das Satzprogramm lässt große Brüche, lange Gleichungen und chemische Strukturformeln bestechend gut aussehen.

Die Idee zu dem Programm hatte Donald E. Knuth Anfang der 70er Jahre. Der Informatiker schrieb gerade an seinem Buch "The Art of Computer Programming". Er war mit den damaligen Satzsystemen unzufrieden und entwickelte deshalb ein eigenes Programm. Er nannte es TeX (gesprochen "Tech"). Leslie Lamport schenkte dem TeX das "La". Er schrieb LaTeX - ein Computerprogramm, das auf TeX aufbaut. Es vereinfacht TeX, indem es auf vorgefertigte Layouts zurückgreift.

Gutenberg spielen

LaTeX ist heute wahrscheinlich die gängigste Methode, um mit TeX zu arbeiten. Der Grundgedanke ist immer noch der gleiche, den Johannes Gutenberg vor über 500 Jahren hatte: Der Autor kümmert sich um den Inhalt des Texts. Ein Gestalter überlegt, wie er aussehen soll und der Setzer macht aus diesen Anweisungen den fertigen Druck. Schreibt man seine Uni-Hausarbeit in LaTeX, ist man selbst der Autor, das Design übernimmt LaTeX und TeX setzt das Ganze um. Im Gegensatz zum menschlichen Designer ist LaTeX "nur" ein Programm. Es erkennt nicht automatisch, wann man ein Kapitel beginnt, eine Überschrift schreibt oder eine Formel zeichnen möchte. Deswegen muss man dem Satzsystem mit Befehlen sagen, was es aus seinem Text machen soll.

You don't see what you get - but it's nice

Deswegen ist LaTeX kein so genanntes WYSIWYG-Programm ("What you see is what you get"). Im Gegensatz zu Word sieht man den Text, den man gerade tippt, nicht so, wie er am Ende im Layout aussieht. Um in dem Satzsystem bequem schreiben zu können, braucht man nicht nur das Programm selbst, sondern auch einen Editor. Im Editor arbeitet man am Inhalt und der logischen Struktur seiner Arbeit. Man muss sich nicht gleichzeitig auf das Aussehen des Texts konzentrieren, denn das übernimmt LaTeX. Gängige Editoren sind zum Beispiel das TeXnicCenter, der TeXmaker oder der LEd (LaTeX Editor). Mit einem Mausklick im kompiliert LaTeX den Quelltext, den man im Editor geschrieben hat und spuckt ihn als PDF aus.

Der LEd-Editor - Vorschaufenster inklusive

Setzen wie ein Profi

Bekanntlich machen ja Kleider Leute. Das gilt im Prinzip auch für Haus- und Abschlussarbeiten. Natürlich ist es am wichtigsten, dass der Inhalt richtig und der Text gut geschrieben ist. Aber die Gestaltung schraubt die Note vielleicht doch noch um das eine oder andere Zehntel nach oben. Die PDF-Dateien, die LaTeX generiert, sehen schlicht, einheitlich und professionell aus. Das erleichtert den Lesefluss des Korrektors. So lenken ihn keine hässlichen Zeilenumbrüche oder falsch formatierten Überschriften ab.

Formatfehler ausgeschlossen

Im Gegensatz zu Word schleichen sich in LaTeX keine falschen Formatvorlagen ein, und doppelte Leerzeichen sind unmöglich, weil das Programm mehrere Leerstellen immer als eine interpretiert. Man muss sich überhaupt keine Gedanken darüber machen, in welchen Verhältnis die Schriftgrößen von Fließtext und Überschrift stehen sollen, denn das weiß das Satzsystem schon. Im LaTeX-PDF finden sich keine falschen Seitenzahlen im Inhaltsverzeichnis. Denn das erstellt das Programm automatisch aus der logischen Struktur des Quelltexts – mit nur einem Befehl. Und auch Fußnoten und ein Literaturverzeichnis mit Verweisen darauf sind recht einfach zu erstellen.

Präambel - nicht nur was fürs Grundgesetz

Ganz wie von Zauberhand arbeitet LaTeX allerdings nicht. Man muss dem Programm die richtigen Anweisungen geben, damit man eine gut aussehende Arbeit in den Händen halten kann. Am Anfang eines jeden Quelltexts steht deswegen eine so genannte Präambel, die dem Satzsystem die grundlegenden Dinge für das Dokument sagt. Welche Art Dokument will man anlegen? Aufsatz, Brief oder Buch? Man legt hier zum Beispiel auch Papier- und Schriftgröße und Schriftart fest oder teilt LaTeX mit, dass man den mathematischen und chemischen Formelsatz braucht.

\textit - mit LaTeX-Befehlen

Genau dieser Formelsatz macht das Programm bei Naturwissenschaftlern so beliebt. Mit LaTeX machen die kompliziertesten Gleichungen und die wildesten Brüche eine gute Figur. Auch Azofarbstoff-Ringe und lange Kohlenwasserstoffmoleküle lassen sich relativ einfach schön darstellen – natürlich auch nur mit den richtigen Befehlen im Quelltext. Der sieht zugegebenermaßen anfangs etwas gewöhnungsbedürftig aus, wenn man WYSIWYG-Programmen wie Word gewohnt ist. In den Fließtext fügen sich die Backslashs, geschweiften und eckigen Klammer sowie die Buchstabenkombinationen der Befehle nahtlos ein. Durch diese Anweisungen weiß LaTeX, wann ein Kapitel beginnt und es eine Überschrift setzen muss oder wann es ein Wort fetten soll. Um zu prüfen, ob man die richtigen Tasten gedrückt hat, kann man sich jederzeit ein PDF ausgeben lassen.

Übung macht den Meister

Wie bei so vielem gilt auch für LaTeX: Mit ein bisschen Übung lernt man das Programm relativ schnell und kann es fast intuitiv bedienen. Wenn man sich in die Befehlswelt von LaTeX hineingefuchst hat, dann sind auch etwas aufwändigere Befehlsstrukturen wie Listen und Tabellen kein unlösbares Problem mehr. Und der Lohn für den Kampf mit dem Quelltext ist schließlich eine optisch bestechende Arbeit.

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Kommentare (7)

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  1. Alex

    wo Licht, da Schatten

    Ich arbeite auch mit Latex, weil es einfach bestechend gut aussieht - muss aber nach einigen Arbeiten damit sagen, dass manche Anpassung an z.B. Formvorgaben der Prof's auch sehr sehr viel Zeit verschlingt...

  2. valentin

    sehr empfehlenswert

    sehr schöner artikel, der die vielen vorteile von LaTex gut darstellt! ich kann zugegeben nicht besonders gut mit Word umgehen aber das arbeiten mit Latex und einem entsprechenden Editor macht einfach Spaß! =) Ich schreibe mitlerweile selbst recht kurze Versuchsprotokolle mit Latex weils sehr viel schneller geht und einfach besser ausssieht! selbst sehr gut gemachte Word dokumente können da optisch, meiner meinung nach, nicht mithalten! zudem läuft latex nahezu fehler frei! sprich kein datenverlust etc.! und mit den entsprechenden plugings für z.B excel (excel2latex) ist selbst das Tabellen erstellen vollkommen mühelos! also nur Mut und viel Spaß mit LaTeX !

  3. Benjamin

    Für Einsteiger: Protext Vorlagen: Die Institute geben Entweder Eckparameter(Schriftgröße,...) an, die man in der Präambel eingibt oder sie stellen ein PAcket online, das man in der Präambel einbindet und so automatisch alle Einstellungen vornimmt. excel2latex (hab ich grad gegooggled) Da Latex opensource ist und es wenig neues unter der Sonne gibt, existieren für beinahe alle Probleme entsprechende Packete zum einbinden. Nur für die Bachelorarbeit lohnt es sich eher nicht. Wenn du nachher noch Master machst oder anderweitig wissenschaftlich publizierst lohnt es sich. Es sieht einfach professionell aus. Du kannst da leicht eine Arbeit schreiben die vom Schriftbild aussieht wie die Bücher in deiner Bib. Und bei großen Arbeiten sind nachträgliche Änderungen, Textumstrukturierung, große Quellverzeichnisse, Querverweise und Referenzen auf Bilder und Tabellen einfach viel stressfreier.

  4. Anonym

    Ein wirklich schöner Artikel. Von diesem Programm habe ich mal gehört, als an unserer Schule Facharbeiten geschrieben wurden. Doch bis heute bin ich bei Word geblieben. Ich stehe nun kurz davor meine Bachelorarbeit zu schreiben. Vielleicht könnte ich das schon miti LaTex machen, aber irgendwie ist die "Angst" zu groß, dass das ganze dann zehn mal so lange dauert. Kann man denn überhaupt einfach Excel-Diagramme einfügen? Bei Office macht man ja einfach copy&paste -> zack ist es in Word

  5. Anonym

    Es gibt übrigens genügend LaTeX-Einführungen im Internet und eine riesige Community (sogut wie jede Frage wurde schonmal gestellt). Es besteht also gar kein Grund, Geld für Einführungsbücher auszugeben: Das Internet ist vollständiger!

  6. Peter M

    Editor Lyx fehlt

    Einer der leichtesten Einstiege in Tex-Welt bietet sicherlich der Latex-Editor LyX, der auf allen Plattformen läuft, mehrsprachig ist und eine aktive Community hat. http://www.lyx.org/

  7. Moritz Wagener

    Eine gute Übersicht über LaTeX, denke viele haben schonmal zumindest mit dem Gedanken gespielt von Word umzusteigen. Interessant wäre es zu erfahren, wie man in LaTeX Formatvorlagen, wie sie ja oft von Fachgebieten bereitgestellt bzw. gefordert werden, einbinden kann.

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