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Wo sollen wir wohnen?

Quelle: freeimages.com, Ayla87

In diesen Tagen suchen unzählige Studenten wieder eine Bleibe. Dabei werden sie zu Pionieren für neue Wohnformen.

Am Anfang unserer Geschichte stehen Bilder von Studenten, die zwar schnell einen Platz an der Uni bekommen, aber ewig nach einem Platz zum Wohnen suchen. Die mit anderen Bewerbern in langen Schlangen bei WG-Besichtigungen anstehen. Oder mitten in der Stadt ein Zelt aufschlagen. Es sind Bilder der Not. Man hat sie in den vergangenen Jahren immer wieder gesehen, in Zeitungen, im Fernsehen, im Internet. Zu fast jedem Semesterstart. Wir fragen uns: Woher rührt die Wohnungsnot der Studenten? Wie groß ist die Not dieses Jahr? Und was kann man gegen sie tun?

Unsere Suche nach Antworten beginnt bei den Studentenwerken. Hier folgt die erste Überraschung. In Hamburg sagt man uns: "Nein, von Wohnungsnot würden wir nicht sprechen." Wir fragen in München nach: "Eine wirkliche Not gibt es nicht." Es gebe eine Notunterkunft mit nur 40 Plätzen. Berlin sagt: "Das mit der Not wird stark übertrieben."

Private Studentenwohnheime bieten "Flatrate-Wohnen" an

Auch in den Studentenstädten scheint die Lage angespannt, aber nicht dramatisch. In Heidelberg sind derzeit etwa 20 Notbetten belegt. Die Stadt Göttingen hat vom ersten Oktober an zehn Hotel-Doppelzimmer angemietet, wo Studenten für fünf Euro pro Nacht schlafen können. Man rechne mit einem Ansturm, heißt es am Tag, bevor die Zimmervergabe startet. Drei Tage später teilt das Studentenwerk mit, dass bisher drei Studenten das Angebot in Anspruch genommen hätten. Nach zwei Wochen sind es 23 Studenten.

Gibt es also gar keine studentische Wohnungsnot?

Bei den Studenten von Not zu sprechen ist einerseits übertrieben, gerade angesichts der Flüchtlinge, die nach Deutschland strömen - und dankbar sind für jede Bleibe. Die Studenten sind meist behütet bei ihren Eltern aufgewachsen. Und irgendwo kommen sie dann doch immer unter.

Andererseits wird seit Wochen vor zu wenig Wohnraum gewarnt. In Münster verteilen Studenten Flyer und fragen Passanten: "Haben Sie noch Platz für Studierende?" In Köln verteilen Studenten Brötchentüten vor dem Bahnhof, um für die Privatzimmerbörse zu werben. Und der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks fordert 25.000 weitere Wohnheimplätze, denn: "Das Problem taucht immer zum Wintersemester auf, und es wird wieder auftauchen."

Tatsächlich, das finden wir nach einer ersten Recherche heraus, ist Wohnraum knapp. Es gibt einen Konkurrenzkampf um bestimmte Wohnungen. Daraus schlagen private Anbieter Kapital, und selbst Burschenschaften versuchen davon zu profitieren.

Aber zunächst zu den Ursachen.

Die erste Ursache ist so einfach wie eindrucksvoll. Es gibt immer mehr Studenten. Mittlerweile sind es 2,7 Millionen - das sind 36 Prozent mehr als noch 2007. Die Zahl der Studienanfänger ist seitdem sogar um 50 Prozent gestiegen, auf aktuell rund 500.000.

Die zweite Ursache erklärt Wohnungsmarktforscher Harald Simons. Seit einigen Jahren beobachtet er bei jungen Menschen das, was er als "Schwarmverhalten" beschreibt: Alle wollen in dieselben Städte. Hamburg, Berlin, München und Leipzig sind solche Gravitationspunkte. Auch Heidelberg, Marburg, Ulm oder Göttingen. Doch nicht nur das: Es zieht die jungen Menschen auch in die gleichen Viertel. "Gerade Studenten sind extrem zentrenverliebt", sagt Simons. "Die nehmen lieber 12 Quadratmeter in Berlin-Friedrichshain als 60 in Frankfurt an der Oder." Auf den Quadratmeter gerechnet, sei ihre Zahlungsbereitschaft extrem hoch.

Es gibt also nicht nur immer mehr Studenten. Sie stürzen sich auch immer stärker auf die zentral gelegenen Wohnungen, weil alles um die Ecke sein soll: Uni, Cafés, Bars.

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