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Unikarriere oder Kinderwunsch?

Baby Mutter Familie [© Monkey Business - fotolia.com]

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Der Nachwuchs in der Wissenschaft hat es schwer: Es gibt nur befristete Stellen. Und zu wenig Professuren. So entscheiden sich gerade Frauen gegen die Uni.

Mitte Februar wurde er veröffentlicht, der dritte "Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs" (BuWiN). Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) schreibt dazu auf seiner Homepage: "Wissenschaftliche Karrieren werden immer attraktiver." Werden sie das?

Die nackten Zahlen deuten zunächst darauf hin: Statt noch rund 82.400 Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern, die im Jahr 2000 hauptberuflich als wissenschaftliches und künstlerisches Personal an Hochschulen beschäftigt waren, sind es im Jahr 2014 fast 145.000, ein Plus von satten 76 Prozent. Das klingt erst einmal gut – allerdings sind viele Stellen nicht einmal auf ein Jahr befristet und die vielen Anschlussverträge peppen die Statistik schlicht auf. Die Arbeitsbedingungen, unter denen der wissenschaftliche Mittelbau arbeitet, sind nach wie vor prekär und zugleich auch alles andere als familienfreundlich. Insgesamt sind 93 Prozent aller Stellen des Personals unterhalb der Professur an Hochschulen befristet. Und insgesamt ist die Zahl der Professuren im selben Zeitraum nur um 21 Prozent gestiegen. Das heißt: Viele Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler müssen nach der Promotion einen Karriereknick hinnehmen, denn Jobs gibt es für sie nicht.

Besonders Frauen sind davon betroffen: Liegt im Jahr 2014 der Frauenanteil bei abgeschlossenen Promotionen noch bei 45 Prozent, so ist er bei den Professuren lediglich bei 22 Prozent. Die Gründe dafür mögen vielfältig sein. Einer ist gewiss die schwierige Vereinbarkeit von Familie und akademischer Karriere – einem Schwerpunkt des dritten Bundesberichts. Es wird vermutet, dass Frauen auch wegen gewünschter oder verwirklichter Familiengründung eher als ihre männlichen Kollegen die Universitäten verlassen. Als Hürden werden die hohen Arbeits- und Mobilitätsanforderungen, das Zusammenfallen von Familiengründungs- und Qualifizierungsphase sowie mangelnde Betreuungsmöglichkeiten gesehen. Bleibt der wissenschaftliche Nachwuchs an der Hochschule, so liegt die endgültige Kinderlosigkeit (unabhängig vom Geschlecht) laut BuWiN mit ca. 45 Prozent höher als bei anderen Hochschulabsolventen (25 Prozent) – obwohl lediglich zwölf Prozent der Kinderlosen angeben, keinen Kinderwunsch zu spüren.

Wann ist also nun der richtige Moment, um sich diesen Kinderwunsch zu erfüllen? Diese Frage steht für viele Frauen, für viele Paare im Raum. So auch für uns im Jahr 2006. Frisch verheiratet, mein Mann selbständig, die eigene Agentur noch im Aufbau. Ich seit einem Jahr wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität mit einer halben Stelle, die Promotion gerade begonnen. Nicht gerade die besten Voraussetzungen, möchte man meinen. Und trotzdem wagten wir es. Ich hatte das Glück, einen Fünfjahresvertrag bekommen zu haben. Dazu kam das Wissen, dass dieser Vertrag um die Laufzeit der Elternzeit verlängert werden würde. Das bot Sicherheit – eine Sicherheit, die vielen Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern allerdings nicht zuteil wird, sind die meisten Verträge in der Regel doch deutlich kürzer.

Die Kita war an die Arbeitszeiten in der Wissenschaft angepasst

Die erste Elternzeit mit Tochter Nr. 1 dauerte 13 Monate und war geprägt durch regelmäßige Termine an der Uni. Zwischen Krabbelgruppentreffen und PEKiP-Kursen lagen Redaktionssitzungen einer größeren Veröffentlichung. Das Baby war meist dabei. Ein Segen war die Zusage eines Platzes in der Betriebskita der Universität zum Ende der Elternzeit. Insgesamt siebeneinhalb Jahre blieben wir dort als Familie, nachdem auch Tochter Nr. 2 im Sommer 2011 einen Platz dort bekam. Die Öffnungszeiten der Betriebskita sind den Arbeitszeiten der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern angepasst und damit deutlich flexibler als die Einrichtungen anderer Träger, die in der Regel gegen 16 Uhr, spätestens 16.30 Uhr schließen.

Das Wissen um die dort gute Betreuung erleichterte uns die Entscheidung, die Promotion durch eine zweite Schwangerschaft und Elternzeit zu unterbrechen – trotz der anfänglichen Zweifel, ob das Thema durch die Auszeit an Aktualität einbüßen würde. Dafür entwickelte ich im Sommer 2009 ein Konzept: Meine qualitative Befragung im Rahmen der Dissertation, die ich bereits im Jahr 2006 durchführte, würde ich nach der zweiten Elternzeit erneut erheben und so eine Langzeitperspektive eröffnen, die nur wenige Dissertationen auf ein Thema ermöglichen können.

Dass ich die Dissertation im Sommer 2015 erfolgreich abschließen konnte, ist zum einen der anhaltenden Freude an der qualitativen Forschung und der bleibenden Faszination am eigenen Thema zu verdanken. Dies ist meines Erachtens eine Grundvoraussetzung, um über die Jahre hinweg nicht das Handtuch zu werfen.

Zum anderen bedarf es für den erfolgreichen Abschluss einer Doktorarbeit eines konsequenten Familienmanagements. Es galt, einen Spagat zu vollziehen zwischen den Bedürfnissen der Kinder, dem eigenen Ehrgeiz, dem beruflichen Druck und den Erwartungen der Gesellschaft, die sich immer noch ganz besonders an Frauen mit Kindern richten.

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