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Wie schnell muss ich sein?

Spät Zeitdruck Zeitmanagement Stress (Quelle: freeimages.com, Avolore)

Quelle: freeimages.com, Avolore

Lernen, lieben, arbeiten: Ständig soll man sich beeilen. Wie schnell die anderen sind – und wann es sich lohnt, langsam zu sein.

Tick, Abenteuer erleben! Tack, Studium schaffen! Tick, Traumberuf suchen! Tack, die große Liebe finden! Tick, tack, bloß nichts verpassen und schnell genug sein. Was da läuft, ist die Uhr in unserem Kopf. Die amerikanische Psychologin Bernice Neugarten hat sie entdeckt: Ihre Theorie der "social clock" beschreibt das Gefühl, es gebe für jedes Lebensereignis einen passenden Moment. Im Studium, im Leben, im Job.

Zwischen dem 18. und dem 30. Geburtstag tickt die Uhr besonders laut. Soll ich ein Praktikum machen, ins Ausland gehen, eine feste Beziehung eingehen? Von jeder Entscheidung scheint das ganze Leben abzuhängen, die nächsten 50, 60, 70 Jahre!

Werde ich frei sein, erfolgreich, glücklich?

Wir haben eine To-do-Liste für den perfekten Lebenslauf recherchiert – und sagen, wann es sich lohnt, langsam zu sein.

18: Erwachsen werden

Darum geht’s: Drei, zwei, eins: 18! Endlich wählen, legal Wodka trinken und allein Auto fahren! (Okay, vielleicht nicht in dieser Reihenfolge ...) Ab sofort können Eltern einem nicht mehr in Entscheidungen reinreden. Das ist befreiend. Nicht ganz so befreiend: Von Volljährigen wird erwartet, dass sie selbst erwachsen sind. Und das bedeutet: immer vernünftig sein.

Muss ich wirklich? Nein. Ein bisschen Zeit lassen kann man sich schon noch mit der Ernsthaftigkeit. Das ist wissenschaftlich bewiesen: Eine Forscherin der Pittsburgh School of Medicine hat die Gehirne von Teenagern und Erwachsenen verglichen. Das typische Teeniehirn ist demnach risikofreudig, das von Erwachsenen sucht nach Verlässlichkeit und Stabilität. Die meisten Teenagerhirne werden aber nicht mit 18 schlagartig vernünftig, sondern erst mit etwa 25. Das ist nicht nur eine gute Ausrede, sondern auch Glück: Junge Gehirne sind flexibler als alte und können sich an unbekannte Situationen besser anpassen. Studium, Auslandsjahr, Berufseinstieg: Was könnte man in dieser Zeit besser gebrauchen als ein abenteuerlustiges Teeniehirn?

19: Welt retten

Darum geht’s: Vorlesen im Altenheim, Fußballtraining im Problembezirk oder Schildkröten pflegen in Costa Rica – nach der Schule nimmt sich fast jeder dritte Abiturient eine Auszeit. Wer nicht backpacken möchte, engagiert sich in der Regel sozial – und leistet vor dem Studienstart seinen Beitrag, die Welt ein bisschen besser zu machen.

Muss ich wirklich? Einen besseren Zeitpunkt für einen Freiwilligendienst gibt es später nicht mehr. Nur wenige können es sich leisten, zwischen Studium und Berufseinstieg ein Jahr lang etwas ganz anderes zu machen. Später wird es tendenziell noch komplizierter: Auszeiten im Job (sogenannte Sabbaticals) sind möglich, aber der Chef muss zustimmen. Trotzdem: Wer nach der Schule lieber gleich an die Uni will, kann auch später noch die Welt verbessern. Laut einer Umfrage des Deutschen Zentrums für Altersfragen engagieren sich Deutsche im Schnitt erst mit 24 Jahren zum ersten Mal sozial. Und wer sich im Studium oder danach für ein Projekt bewirbt, kann seine Fähigkeiten gezielter einbringen. (Fast) fertige Ingenieure, Ärzte oder Lehrer können sich oft nützlicher machen als ungelernte Helfer, auch wenn sie keine zwölf Monate bleiben.

20: Studium starten

Darum geht’s: Ein Jahr Pause nach dem Abi: geht klar. Aber spätestens dann zieht es die meisten an die Uni. Das ergab eine Umfrage des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW). Vier von fünf Abiturienten wollen sofort studieren, nur einer plant erst mal eine Ausbildung.

Muss ich wirklich? Nicht unbedingt. Es ist womöglich auch gar nicht so klug, sich so schnell wie möglich in ein Studium zu stürzen. Auch das zeigt eine Studie des DZHW: Fast jeder Dritte bricht den Bachelor wieder ab, im Schnitt nach drei Semestern. "Wer mehr Lebenserfahrung hat, kennt seine Talente", sagt der Bildungsforscher Ulrich Heublein. Ob jemand sein Studium schaffe, hänge jedoch nicht vom Alter ab, sondern davon, wie gut man für das Fach gerüstet sei. Die niedrigste Abbruchquote haben Sozialpädagogen. Sehr viele von ihnen sammeln schon vor dem Studium Erfahrungen in dem Bereich. "Das ist wie beim Onlinedating", sagt Heublein, "ob’s wirklich klappt, zeigt sich erst in der Praxis."

21: Im Ausland studieren

Darum geht’s: Ab in den Süden! Oder in den Norden! Jedenfalls: weg von zu Hause. Knapp jeder Dritte studiert für eine Weile im Ausland, das zeigt eine Studie des Deutschen Akademischen Austauschdiensts. Mit dem Erasmus-Stipendium kommt man ab dem dritten Bachelorsemester dorthin, also ungefähr im Alter von 21 Jahren.

Muss ich wirklich? Nein. Auch wer sicher ist, dass er während des Bachelorstudiums ins Ausland will, hat noch etwas Zeit. Nur jeder Zehnte geht im dritten Semester, die meisten warten damit bis zum fünften. Wer gar keine Lust auf ein Auslandssemester im Bachelor hat, kann die Auslandserfahrung einfach auf den Master verschieben – oder es ganz bleiben lassen. Dafür entscheidet sich die Mehrheit der Studenten.

22: Was für die Karriere tun

Darum geht’s: "Wer erfolgreich sein will, sollte am besten im zweiten Studienjahr ein Praktikum machen", sagt die Pressesprecherin des Karrierenetzwerks LinkedIn. Ihr Unternehmen kennt sich ganz gut mit beruflichen Laufbahnen aus, immerhin sind die Lebensläufe von 350 Millionen Menschen auf LinkedIn verzeichnet. Demnach sollte man mit 22 ein Praktikum machen.

Muss ich wirklich? Nein, sagt der Arbeitsmarktforscher Andreas Damelang von der Uni Erlangen. Ein frühes Praktikum sei gut, um herauszufinden, welcher Job einem gefallen könnte und welcher eher nicht. "Aber für die Karriere macht man lieber ein Praktikum am Ende des Studiums", sagt Damelang. So sei man den Chefs noch in Erinnerung, wenn man sich nach dem Abschluss bewirbt.

23: Rumvögeln

Darum geht’s: Mit 23 hatte der Durchschnittsstudent schon mit sechs verschiedenen Menschen Sex. Das fanden Forscher der Uni-Klinik Hamburg-Eppendorf heraus. Laut Spotted, einer Dating-App für Studenten, sind die Nutzer in diesem Alter am aktivsten auf der Suche.

Muss ich wirklich? Einiges spricht dafür, sich im Studium auszuleben. Später im Job haben die meisten Menschen weder die Auswahl an potenziellen Sexpartnern noch die Zeit. Doch die Studie der Hamburger Forscher zeigt auch: Die wilde Studentenzeit ist ein Mythos. Ständig wechselnde One-Night-Stands und Affären sind unter deutschen Studenten eher selten. Und wenn man sich die Auswertung genau anschaut, war längst nicht jeder mit 23 mit sechs Leuten im Bett. Einige hatten mit viel mehr Menschen Sex, andere noch mit keinem. Übrigens: Die große Liebe – oder zumindest eine Beziehung, die viele Jahre hält – finden auch nicht viele im Studium. Laut den Forschern ist das typische Liebesmodell in dieser Zeit die sogenannte serielle Monogamie. Das heißt: mehrere intensive Beziehungen, die aber meist nicht länger dauern als ein Jahr.

24: Mit dem Schlimmsten rechnen

Darum geht’s: Wann brauche ich eine Lebensversicherung? Sollte ich schon längst eine Riesterrente haben oder gibt es die schon gar nicht mehr? Und was passiert eigentlich, wenn mal eingebrochen wird? Solche Fragen verdrängt man im Studium meist erfolgreich. Mit 24 wird es Zeit, sich ihnen zu stellen.

Muss ich wirklich? Ja. Denn mit 25 fliegt man aus der Krankenversicherung der Eltern. Dann muss man sich selbst versichern, da es gesetzlich vorgeschrieben ist, eine Krankenversicherung zu haben. Außerdem sollte man checken, wie lange man noch über die Haftpflichtversicherung der Eltern geschützt ist, und im Zweifelsfall eine eigene abschließen. Danach kann man die fragende Stimme im Hinterkopf aber noch ein bisschen weiter ignorieren. Denn private Rentenversicherungen bringen erst etwas, wenn man genug Geld verdient, um sie auch zu bezahlen. Lebensversicherungen schließen Deutsche im Schnitt sogar erst mit 37 ab. Mit Krankheit, Alter, Tod will sich eigentlich niemand im Studium beschäftigen.

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