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Warum lohnt sich ein Auslands­­semester?

Auslandssemester Freiheit Ausland [Quelle: Unsplash.com, averie woodard]

Quelle: Unsplash.com, averie woodard

Vier beliebte Gründe und was Experten dazu sagen

Grund 1: Ich will meine Chancen verbessern

Rund 85 Prozent aller Studenten, die sich für einen Erasmus-Austausch entscheiden, wollen dabei ihre Karrierechancen verbessern. Das zeigt eine Studie der Europäischen Kommission. Haben Absolventen mit einem Auslandsaufenthalt tatsächlich bessere Chancen in der Arbeitswelt? Laut der Studie schon. Fast drei Viertel der befragten Arbeitgeber in Europa ziehen Bewerber mit internationalen Erfahrungen vor. Das kann sich auch bei Jobs im Ausland lohnen. "Absolventen, die im Ausland waren, sind später häufiger im internationalen Kontext tätig", sagt Nicolai Netz vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung. Vor allem in internationalen Unternehmen scheint sich das laut dem Hochschulforscher auszuzahlen – durch höhere Gehälter. Ein weiteres Beispiel sind Naturwissenschaftler: Sie promovieren häufig im Ausland. Wer seine berufliche Zukunft etwa in einem koreanischen Physiklabor oder amerikanischen IT-Start-up sieht, dem kann ein Auslandsaufenthalt den gewünschten Push für die Karriere geben. Trotzdem hat eine Zeit im Ausland grundsätzlich keinen Einfluss darauf, ob man nach dem Studium kurzfristig arbeitslos wird. "Ein schneller Berufseinstieg wird dadurch nicht gewährleistet", sagt der Hochschulforscher Netz. Eine Karriere kann auch ohne Auslandssemester klappen: Wen es nicht in die Ferne zieht, der kann sich stattdessen in Deutschland ein Netzwerk aufbauen.

Nicolai Netz, 32, forscht am Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung.

Grund 2: Ich will eine Sprache lernen

Drei Viertel aller Studenten, die eine längere Zeit ins Ausland gehen, wollen in erster Linie eine neue Sprache lernen. Das hat der Deutsche Akademische Austauschdienst in einer Studie herausgefunden. Den meisten gelingt das auch: 71 Prozent der befragten Studenten geben an, die Kenntnisse in der jeweiligen Landessprache während des Aufenthalts tatsächlich vertieft zu haben. Doch Achtung: Wer sich monatelang nur mit anderen Erasmus-Studenten herumtreibt, verlässt sich dabei fast ausschließlich auf sein Survival-Englisch. Das kann zwar Spaß machen und möglicherweise auch den englischen Wortschatz erweitern – aber man neigt dazu, die Sprache des Gastlandes zu vernachlässigen. "Es wäre falsch anzunehmen, dass einen die sprachliche Umgebung allein schon weiterbringt. Man muss schon aktiv daran teilhaben", sagt Gunter Lorenz, Leiter des Sprachenzentrums an der Universität Erlangen-Nürnberg. Eine weitere Falle: sich während der Zeit im Labor vergraben und bloß englische Fachbegriffe lernen. "Je mehr man über eine Sprache schon weiß, umso größer ist der Fortschritt im Land", sagt Lorenz. Man sollte sich ruhig trauen, die Fremdsprache zu benutzen, auch wenn man nicht jedes Wort kennt. Verwechselt man im BWL-Seminar beispielsweise das Wort für Wirtschaftsrecht mit dem Begriff für Hundekot, gibt das zwar Lacher – dafür vergisst man die beiden Wörter nie wieder.

Gunter Lorenz, 54, leitet das Sprachenzentrum an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Grund 3: Ich will meine große Liebe finden

Jeder vierte Student bringt aus seiner Erasmus-Zeit nicht nur Creditpoints und Sprachkenntnisse mit, sondern auch einen neuen Partner. Das zeigt eine Studie der Europäischen Kommission. 27 Prozent der Studenten haben sich der Erasmus Impact Study zufolge während ihres Auslandaufenthaltes nicht nur verliebt, es sind auch langfristige Beziehungen daraus entstanden. So wie bei Jana Rittmeier, die heute Assistenzärztin an der Frauenklinik Nürnberg ist. Die 31-Jährige verbrachte zwei Semester auf Gran Canaria und lernte kurz vor der Rückreise den Spanier Álvaro kennen. Ihre Liebe hielt: Vor drei Jahren zog Álvaro zu ihr nach Deutschland. Im Sommer werden die beiden heiraten. "Man kann im Ausland die große Liebe finden, auch Freunde von mir haben ihre Partner im Erasmus-Semester kennengelernt. Aber das kann man nicht planen", sagt Jana Rittmeier. "Vielleicht passiert das nur, wenn man es nicht erwartet." Erasmus als großes Dating-Programm? Ganz so einfach ist es nicht. Viele Studenten bleiben zu Hause, weil sie sich davor fürchten, dass ihre Beziehung die lange Trennung während eines Auslandsaufenthalts nicht übersteht. Verglichen mit denjenigen, die zu Hause geblieben sind, waren Erasmus-Studenten häufiger Singles, auch das zeigt die Studie der Europäischen Kommission. Und: Einige trennen sich erst während ihres Auslandssemesters von ihrem zu Hause gebliebenen Partner.

Jana Rittmeier, 31, ist Assistenzärztin in Nürnberg. Vor sechs Jahren war sie mit Erasmus auf Gran Canaria.

Grund 4: Ich will einfach nichts verpassen

Abenteuerlust ist seit Jahrhunderten einer der Hauptgründe, warum Leute aus Europa ins Ausland aufbrechen. Heute kommt die Angst hinzu, man könnte etwas verpassen. Postet jemand auf Facebook oder Instagram ein Bild von einem Pool über den Dächern von Los Angeles oder von einer Full-Moon-Party in Thailand, macht das viele neidisch. Die Angst, etwas verpassen zu können, während Freunde und Bekannte die beste Zeit ihres Lebens verbringen, wird als fear of missing out bezeichnet. Kurz: Fomo. "Das hat in den vergangenen Jahren zugenommen", sagt Mubarak Rahamathulla von der australischen Flinders University. Er ist Dozent für Soziale Arbeit und hat sich mit Fomo beschäftigt. "Viele gucken ständig aufs Handy und nutzen soziale Netzwerke, die ihnen das Gefühl geben, weniger zu erleben als andere", sagt Rahamathulla. Aber sollte man ins Ausland gehen, um die eigene Fomo-Anfälligkeit zu kurieren? Lieber nicht. Nur deshalb Stipendienanträge und Auslandsbewerbungen zu schreiben, um später die perfekten Social-Media-Fotos produzieren zu können, wäre ziemlich übertrieben und vermutlich auch nicht erfolgreich. Wobei einem an fremden Orten eine gewisse Rastlosigkeit und ein Erlebnishunger durchaus hilfreich sein können, wie Mubarak Rahamathulla sagt: "Man ist seltener allein und kann sich schneller mit Leuten auf der ganzen Welt anfreunden."

Mubarak Rahamathulla, 55, ist Dozent für Soziale Arbeit an der Flinders University in Australien.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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