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Acht Konfliktherde im WG-Alltag

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"Schatz, wir müssen reden" – dieser Satz fällt in WGs nur selten. Zu selten, meint Psychologe Frank-Hagen Hofmann, und plädiert für mehr und bessere Kommunikation in Wohngemeinschaften. In unserem WG-Ratgeber findest du heraus, wie du klassische Konfliktthemen in deiner WG richtig ansprichst, wer dir im Notfall hilft und in welchen Fällen du sogar juristische Schritte einleiten kannst.

Die Wohngemeinschaft ist der Inbegriff des Studentenlebens. Hier lernst du deine ersten Freunde in der neuen Stadt kennen, findest Rückhalt und lernst neue Lebenskonzepte kennen. Noch dazu ist die WG in Zeiten schwindelerregender Mieten oft die einzige Möglichkeit, erschwinglich zu wohnen. Kein Wunder, dass rund 35 Prozent der Studenten sich für eine Wohngemeinschaft entscheiden.

Doch wie immer, wenn Menschen auf engstem Raum zusammenleben, können Probleme entstehen – zwischenmenschliche wie juristische. Zu acht häufigen Konfliktpunkten hat e-fellows.net mit dem Psychologen Frank-Hagen Hofmann von der Psychologischen Beratungsstelle des Studierendenwerks Heidelberg gesprochen und rechtlichen Rat beim Mieterverein München e. V. eingeholt.

Fall 1: Was kann ich tun, wenn mein Mitbewohner unsere Wohnung nicht sauber hält?

Die Teller werden immer nur halbherzig abgespült und dann dreckig wieder in die Schränke gequetscht. Das Verhältnis in unserer WG ist sehr gut, eigentlich schon freundschaftlich. Aber je länger ich das mitmache, desto mehr belastet es mich. Was kann ich dagegen tun?

Dr. Hofmann: Sei offen und konstruktiv. Vor allem solltest du versuchen, Probleme zeitnah anzusprechen. Denn je länger du damit wartest, desto intensiver wird die Reaktion. Außerdem solltest du vermeiden, dem Mitbewohner Vorwürfe zu machen. Das führt zu nichts. Lieber solltest du konkrete Wünsche benennen. Dabei ist wichtig, eine konstruktive Haltung schon in den Formulierungen zu zeigen. In diesem Fall würde ich etwa sagen: "Mir liegt daran, dass wir weiter gut zusammenwohnen können, deswegen möchte ich dich bitten, gründlicher abzuspülen."

Mieterverein: Juristisch gesehen gibt es keinen grundsätzlichen Anspruch auf Sauberkeit. Auch, wenn du mit Freunden zusammenziehst, solltet ihr deshalb unbedingt Regeln für das Zusammenleben selbst aufstellen.

Fall 2: Was kann ich tun, wenn meine Mitbewohner ständig Besuch haben?

Meine Mitbewohnerin hat ständig ihren Freund zu Besuch! Er führt sich auf, als würde er hier wohnen, raucht, isst unsere Sachen und bleibt auch in der WG, wenn sie arbeiten ist. Was kann ich tun?

Dr. Hofmann: Hier ist es wichtig, Grenzen aufzuzeigen und Regeln festzulegen: Was dürfen die Bewohner der WG? Ab wann wohnt jemand dort? Und soll er sich dann auch an den Nebenkosten beteiligen? Das Dilemma: Selbstverständlich darf man Besuch haben und selbstverständlich darf auch der Partner vorbeikommen. Sofern juristisch noch von Besuch die Rede sein kann, bist du in so einer Situation also darauf angewiesen, dass das Gegenüber einsichtig ist.

Mieterverein: Der Partner deiner Mitbewohnerin ist kein Besuch mehr, wenn er länger als sechs bis acht Wochen in deiner WG wohnt. Das ist der offizielle Zeitraum, in dem dein Vermieter Besuch erlauben muss. Danach kann man davon ausgehen, dass der Partner dauerhaft in der WG wohnt. Ab diesem Zeitpunkt kannst du auch verlangen, dass er sich an den verbrauchsabhängigen Kosten beteiligt, wobei das ist in der Regel nur Warmwasser und Strom betrifft. Ansonsten wohnt er ja im Zimmer deiner Mitbewohnerin. Dass er jetzt bei euch wohnt, sollte dann aber auch dem Vermieter mitgeteilt werden.

Fall 3: Wir unternehmen nichts mehr zusammen. Wie lässt sich das WG-Leben wiederbeleben?

Dr. Hofmann: Sprich das ganz offen an. Frag nach, ob das auch der Eindruck der Mitbewohner ist und warum das so geworden ist. Manchmal sind es unausgesprochene Konflikte, manchmal verändern sich aber auch einfach Freundeskreise oder Interessen. Vielleicht hat sich aber auch Routine eingeschlichen und jeder ist sehr mit sich beschäftigt. Dann braucht es vor allem Ideen und Initiative.

Fall 4: Was kann ich tun, wenn mein Mitbewohner zu laut ist?

Mein Mitbewohner hört in der Früh immer laut Musik. Ich habe schon oft mit ihm gesprochen, aber er zeigt sich wenig einsichtig. Was kann ich tun?

Dr. Hofmann: Wenn er auf die bisherigen Bitten, das zu ändern, nicht reagiert hat, bleibt wahrscheinlich nichts Anderes mehr, als den Vermieter einzuschalten. Meistens verbessert eine Intervention "von oben" das Zusammenleben aber nicht, weil sich der Mitbewohner angegriffen fühlt. Wenn man nicht zu einer guten gemeinsamen Lösung gelangen kann, ist ein Auszug leider oft die einzige Möglichkeit.

Mieterverein: Auch in einer WG gelten die Hausordnung samt darin festgelegten Ruhezeiten sowie die gesetzliche Nachtruhe. Wenn alle Mieter vertraglich gleichgestellt sind, gibt es in einer WG darüber hinaus aber keine andere Möglichkeit, als an die gegenseitige Rücksichtnahme zu appellieren. Ruhezeiten sollten deswegen auch intern (sprich unabhängig von der Hausordnung) geregelt werden. Wenn einer deiner Mitbewohner zu laut ist, wende dich erst einmal an den Störer selbst. Erst, wenn das nichts nützt, wende dich an den Vermieter.  

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