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Vergütung im Praktikum: Nie mehr unbezahlte Praktika

Praktikum, Trainee, Berufsstart [© Andres Rodriguez – Fotolia.com]

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Bezahlung ist gerade im Praktikum ein wichtiges Thema. Welche Vergütung im Praktikum angebracht ist, und warum man die Finger von unbezahlten Praktika lassen sollte.

Herbst 2010: Die Öffentlichkeit wundert sich über die "Generation Praktikum", und die Politik echauffiert sich darüber, dass eben jene gut ausgebildeten Akademiker monate- oder gar jahrelang unter dem Stempel eines "Praktikums" für Unternehmen arbeiten, ohne dafür entsprechend bezahlt zu werden – und oft sogar für lau. Da kommt ans Licht, dass Praktikanten auch in 9 von 14 Ministerien keine Bezahlung erhalten. Besonders peinlich: Auch das Ministerium für Arbeit und Soziales ist dabei.

Seither ist viel passiert: Deutschland geht es wirtschaftlich besser, mehr Menschen sind in Lohn und Brot, auch Berufsanfänger. Das Bewusstsein für den Mehrwert von Praktika ist sowohl bei Unternehmen als auch bei Praktikanten gestiegen. Und es wurde jüngst ein Mindestlohn eingeführt, der auch für die meisten Praktikanten gilt. "Es gibt keine Arbeit, die nicht entlohnenswert ist. Es ist unmenschlich, jemanden für sich arbeiten zu lassen und nichts zu bezahlen", sagt Daniel Schütt, Geschäftsführer bei Employour. Er betreut das Informationsportal meinpraktikum.de, das jährlich den Praktikumsreport veröffentlicht.

Vergütung im Praktikum: Das regionale Gefälle ist groß

Der Bericht zeichnet ein sehr positives Bild, vor allem, was die Entwicklung der Praktikumsvergütung angeht: Seit 2009 hat sich das durchschnittliche Praktikantengehalt von 160 auf 402 Euro im Monat mehr als verdoppelt. Natürlich unterscheidet sich das nach Branche und Region. Am meisten verdienen Praktikanten in den Bereichen Telekommunikation, Banken/Finanzwesen, Versicherung und Beratung. Sie bekommen im Schnitt zwischen 550 und 700 Euro im Monat. Bildung, Kultur und Soziales schneiden mit teilweise unter 100 Euro am schlechtesten ab. Auch regional ist das Gefälle groß: Im Osten der Bundesrepublik ist die Entlohnung deutlich schlechter als im Westen, einzige Ausnahme bildet Berlin. Die Stadt mit den besten Gehältern ist übrigens Hamburg.

Kein Wunder, dass Praktikanten in den vergangenen Jahren deutlich zufriedener geworden sind. 78 Prozent der Praktikanten waren 2013 zufrieden mit ihrer Zeit im Unternehmen, immerhin 20 Prozent mehr als noch 2009. Auch Daniel Schütt vermutet, dass hier ein Zusammenhang besteht: Je höher das Gehalt, umso zufriedener der Absolvent. Ab 500 Euro im Monat sind 80 Prozent der Praktikanten zufrieden. Allerdings: Knapp die Hälfte aller Praktika ist immer noch unbezahlt.

Vergütung im Praktikum: Gehalt als Indikator für den Stellenwert im Unternehmen

Ein angemessenes Gehalt vermittle eine gewisse Wertschätzung seitens des Unternehmens, erklärt Schütt. "Wer viel bezahlt, lässt seine Praktikanten nicht nur Kaffee kochen, sondern gibt ihnen Aufgaben im Rahmen ihrer Qualifikation." Hinzu kommt, dass Unternehmen Praktika immer mehr als Instrument nutzen, um junge Talente frühzeitig zu finden und an sich zu binden. Praktikanten sehen ein Praktikum analog dazu immer mehr als Chance, Kontakte zu knüpfen und einen Einstieg in Unternehmen zu finden. Laut Praktikumsreport 2014 sind den meisten Praktikanten demnach Faktoren wie Arbeitsatmosphäre, Betreuung und Lernerfolg auch wichtiger als das Gehalt.

Dennoch können Interessenten an der Praktikumsvergütung einiges ableiten: "Man kann das Gehalt als Indikator sehen, welchen Stellenwert ein Praktikum im Unternehmen hat", erklärt Daniel Schütt. Wenn Unternehmen nichts bezahlen, bedeutet das mitunter eben auch, dass sie dem nicht so große Wichtigkeit beimessen.

Ein Sonderfall können hier Start-ups sein, die ganz besonders von der Mitarbeit von Praktikanten profitieren können. Gerade in der frühen Phase steht die Finanzierung dieser jungen Unternehmen aber oft noch nicht. Gleichzeitig können Praktikanten hier in sehr kurzer Zeit sehr viel lernen und vielfältige Einblicke gewinnen. Schütt warnt trotzdem, sich nicht ausnutzen zu lassen. Denn auch Start-ups wissen den Wert guter Mitarbeiter zu schätzen.

Seit der Einführung des Mindestlohns müssen auch Praktikanten mindestens einen Stundenlohn von 8,50 Euro bekommen – außer es handelt sich um ein Pflichtpraktikum. Das habe bei vielen Unternehmen zunächst für große Verunsicherung gesorgt. "Die wussten nicht, was genau das bedeutet. Aber inzwischen hat sich das unserer Erfahrung nach gelegt", berichtet Schütt.

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