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Die Noten-Lüge

Zeugnis (© Marco2811 - Fotolia.com)

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Noten entscheiden über Masterplätze und Jobs. Sie sollen Leistungen vergleichbar machen – tatsächlich sind sie ungerecht. Kann es anders gehen?

Manchmal nimmt Kai Jennissen, 23, mitten in einer Klausur seinen Stift und streicht alles durch, was er geschrieben hat. "Ich fühle mich dann eigentlich gut vorbereitet", sagt er, "bis ich merke, dass es doch nicht für eine gute Note reicht." Kais Lösung in solchen Fällen: Klausurabbruch. Dann kann er die Prüfung im nächsten Semester noch einmal machen. Kai lernt viel für sein Bachelorstudium in Volkswirtschaftslehre an der Uni Bonn. Er ist ein guter Student und rechnet damit, dass er seinen Bachelor mit einem Zweierschnitt abschließen wird. Ob das für den erhofften Masterplatz an der Uni Zürich reicht, ist unsicher. Kais Note entscheidet über seine Zukunft. Aber sagt sie überhaupt etwas aus?

Noten sind dafür gedacht, dass man an ihnen ablesen kann, wie gut man ist. Dafür, dass man sich mit den Kommilitonen vergleichen kann. Sie sollen Professoren und Arbeitgebern helfen, die Leistung eines Studenten einzuschätzen. Das Problem ist: Genau das funktioniert nicht. Noten erwecken zwar den Anschein, man könnte sie untereinander vergleichen. Aber sie hängen eben nicht nur von der Leistung ab. Es gibt Fächer, in denen es sehr viel leichter ist, ein gutes Zeugnis zu bekommen, als in anderen. Psychologiestudenten sind im Schnitt "sehr gut", Wirtschaftswissenschaftler und Maschinenbauer dagegen oft nur "befriedigend". Das hat eine Studie des Wissenschaftsrats ergeben, eine Expertenrunde, die Politiker in Fragen von Forschung und Lehre berät. Die Macher der Studie haben Abschlussnoten aus dem Jahr 2010 ausgewertet. Eines der Ergebnisse: In allen Fächern gibt es unterschiedliche Maßstäbe. "Gut" bedeutet nicht überall dasselbe.

Kai Jennissen kann das egal sein. Er wird um seinen Masterplatz in Zürich nicht mit Psychologen mit Einserschnitt konkurrieren, sondern mit anderen Wirtschaftswissenschaftlern. Doch auch innerhalb eines Faches sind Noten nicht besonders aussagekräftig. Dass es Professoren gibt, die strenger bewerten als andere, weiß jeder. Hinzu kommt, dass es auch ganze Fachbereiche gibt, an denen es einfacher ist, gute Noten zu bekommen, als an anderen. Diese Vermutung legt jedenfalls die Studie des Wissenschaftsrats nahe.

Ein Beispiel: In BWL liegt der Notenschnitt der Bachelorstudenten in Deutschland bei 2,3. Die besten Abschlüsse machen die Studenten der Frankfurt School, durchschnittlich schließen sie mit 1,7 ab. Die Frankfurt School ist eine private Hochschule, dort sind die Noten häufig besser. Aber auch an der TU München, einer staatlichen Uni, liegt der Schnitt noch bei 1,9. An der TU Clausthal hingegen bei 2,8. Das ist fast eine ganze Note schlechter.

Sind die Studenten in Clausthal dümmer als die in Frankfurt und München? "Unwahrscheinlich", sagt Werner Mellis. Mellis arbeitet an keiner dieser Unis, aber er kommt aus demselben Fach. Er ist Professor für Wirtschaftsinformatik und Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Uni Köln. "Das Niveau ist einfach unterschiedlich hoch", sagt er. Sprechen schlechte Noten also für ein anspruchsvolleres Studium? So einfach sei das nicht, meint Mellis. Die Studenten seiner Fakultät schließen gut ab, sie haben einen Schnitt von 2,0. Und Köln gilt seit einer Auszeichnung durch die Exzellenzinitiative als eine "Elite-Uni".

Anderes Beispiel: Sport. Kann es sein, dass die Studenten in Hamburg sportlicher als andere sind? Zumindest die Zahlen deuten darauf hin. Ein Sportstudent schließt sein Studium in Hamburg im Schnitt mit der Note 1,4 ab, in Bochum bloß mit einer 2,3.

Mit anderen Worten: Welche Note am Ende des Studiums auf dem Zeugnis steht, hängt auch davon ab, wo man studiert. Das ist unfair. "Noten sind in gewisser Weise nie wirklich gerecht", gibt selbst Horst Hippler zu. Hippler ist Präsident der Hochschulrektorenkonferenz und damit der wichtigste Vertreter der Hochschulen in Deutschland.

Sollte man die Noten also einfach nicht so ernst nehmen? "Es ist unsere Pflicht, Noten vergleichbar zu machen. Sie entscheiden schließlich über Lebenschancen", sagt Wolfgang Marquardt, der Vorsitzende des Wissenschaftsrats. Genau das ist so paradox: Noten sind zwar nicht besonders aussagekräftig, aber sie bestimmen trotzdem über die Vergabe der Masterplätze und, neben Assessment-Centern und Vorstellungsgesprächen, auch über den ersten Job. Deshalb haben Studenten wie Kai Jennissen Angst, dass ihre Noten nicht gut genug sind und sie ihre Ziele deshalb nicht erreichen können.

Das Problem beginnt vor dem Studium. Schon Schulnoten sind nicht vergleichbar. Zwar gibt es mittlerweile in fast allen Bundesländern eine zentrale Abiturprüfung. Aber die Abi-Note erlaubt, streng genommen, nur den Vergleich zu anderen Schulen im selben Bundesland, weil jedes Land in seinem Zentral-Abi andere Anforderungen stellt. Ein Schüler aus Baden-Württemberg und ein Schüler aus Bayern haben also unterschiedliche Chancen, die Zulassungsnote zu erreichen, wenn sie sich auf einen Studienplatz bewerben.

An der Uni ist es genauso. In Deutschland haben alle Bundesländer ihre eigenen Hochschulgesetze. Diese Gesetze geben unter anderem den Aufbau eines Studiengangs und die Zahl der Prüfungen vor, die für den Abschluss nötig sind. Die Universitäten müssen sich daran halten. In ihren eigenen Prüfungsordnungen können sie dann zum Beispiel festlegen, in welcher Form eine Prüfung stattfindet, ob als Essay, Multiple-Choice-Test, Hausarbeit oder Referat. Und sie entscheiden über die genauen Inhalte eines Studiums, können sich auf bestimmte Themengebiete oder Herangehensweisen spezialisieren. So legen etwa die Politikwissenschaftler der LMU München ihren Schwerpunkt auf Governance-, die der Uni Marburg auf Friedensforschung. Geografisch geht es in München oft um Europa, in Marburg eher um den arabischen Raum. Selbst wenn ein Absolvent aus München und einer aus Marburg die gleiche Abschlussnote bekommen, haben sie trotzdem unterschiedliche Dinge gelernt.

Dennoch ist die Bachelornote an den meisten Unis die Eintrittskarte für den Master. Am Institut für Psychologie an der Uni Bonn zum Beispiel. Für die Masterzulassung zählt ausschließlich die Note. An der Uni Köln war das vor zwei Jahren auch noch so. Bis es dort 2010 zum Eklat kam: 1.741 Studenten hatten sich auf einen der 215 Masterplätze in BWL beworben. Viele Kölner BWLer, die zum Master an ihrer Uni bleiben wollten, bekamen keinen Platz. Ihre Bachelornoten waren schlechter als die von Studenten anderer Unis. Ähnliche Fälle gab es beim Geschichtsmaster an der HU Berlin oder dem BWL-Master an der Uni Hamburg.

Werner Mellis, der Dekan der Kölner Fakultät, hat sich dafür eingesetzt, dass es in Köln heute neben der Bachelornote noch andere Zugangskriterien gibt. Auslandserfahrung etwa, Englischkenntnisse und die Ergebnisse eines Tests, in dem Wirtschaftswissen abgefragt wird. Aber zu 51 Prozent zählt weiter die Bachelornote, das steht so im Hochschulgesetz. Mellis ärgert sich: "Wir wissen doch, wie wenig die Note aussagt!"

Svenja Schulze, die Wissenschaftsministerin von Nordrhein-Westfalen, könnte eine Änderung des Hochschulgesetzes anschieben, damit an den Unis in ihrem Land die Bachelornote eine kleinere Rolle bei den Masterzulassungen spielt. Aber das tut sie nicht. Sie sagt: "Es gibt kein besseres mir bekanntes Mittel, um Leistung zu bewerten." Hochschulfunktionäre, Professoren, Politiker – sie alle scheinen zu wissen, dass Noten nicht fair sind. Aber weil ihnen nichts Besseres einfällt, bleiben sie trotzdem dabei.

Manche Studenten ziehen deshalb vor Gericht. "Die Klagebereitschaft der Studenten steigt", sagt der Kölner Rechtsanwalt Christian Birnbaum. Gerade hat er 20 Fälle auf seinem Schreibtisch, unter anderem sechs Psychologiestudenten, die sich in den Master an der Uni Bonn einklagen wollen. Einer davon ist Robert Sater (Name geändert). Er hatte in Bonn seinen Bachelor gemacht, jetzt will er dort auch den Master anschließen. An dem Tag, an dem die Uni ihre Zulassungen rausschickte, wurde er vom Dauerbrummen seines Handys geweckt. Eine WhatsApp-Meldung nach der anderen: "Ich habe keinen Platz." Robert lief zum Briefkasten. Absage. "Seitdem weiß ich echt nicht weiter", sagt er. Seine Fakultät hatte den Schnitt hochgesetzt: Die 2,3, die auf seinem Abschlusszeugnis stand, reichte nicht – der schlechteste Student, der genommen wurde, hatte eine 1,9.

Robert rief bei Birnbaum an. Vier Monate ist das jetzt her. 600 Euro hat er dem Anwalt bislang überwiesen. Wenn es klappt, wird eine Einigungsgebühr im Verfahren gegen die Uni fällig, insgesamt kommt Robert dann auf 2500 Euro, die ihn die Zulassung zum Master kostet. Wann er erfährt, ob er mit seiner Klage Erfolg hat, weiß auch sein Anwalt nicht. Ohne Master wird Robert nicht als Psychotherapeut arbeiten können.

Es könnte sein, dass Roberts Leistungen zu schlecht sind für einen Masterplatz. Es könnte aber auch sein, dass seine Professoren einfach strenger bewerten als andere. Robert ist davon überzeugt. Er sagt, einer seiner Professoren habe sich vor dem Seminar damit gebrüstet, besonders streng zu bewerten. In einer E-Mail an seine Studenten schrieb der Professor über seine Notenvergabe: "Ich hoffe, alle sind zufrieden. In einigen Fällen weiß ich, dass dies nicht so ist (...) Bitte nicht verzweifeln! Die Klausur war sehr trennscharf – wie immer."

Das ist eher eine Ausnahme, denn die Noten der Studenten in Deutschland werden immer besser. Das geht ebenfalls aus dem Bericht des Wissenschaftsrats hervor. Im Jahr 2011 bekamen im Schnitt 80 Prozent eines Abschlussjahrgangs eine gute oder sehr gute Note. 2000 waren es noch 70 Prozent. Wenn immer mehr Studenten Einsen schreiben, dann ist eine Eins nicht mehr so viel wert. Das ist schlecht für die, die einen der wenigen strengen Profs erwischen. Und für diejenigen, die wirklich sehr gut sind, denn sie fallen nicht mehr auf.

Stefan Kühl, Professor für Soziologie an der Uni Bielefeld, hat eine Theorie, die die Noteninflation erklären könnte. "In vielen Fächern versuchen Dozenten, schlechte Noten zu vermeiden", sagt er. "Denn die führen dazu, dass Studenten in die Sprechstunde kommen, Klausuren noch mal schreiben müssen oder sogar klagen. Das alles ist für Dozenten unangenehm." Kühl spricht von einem "Nichtangriffspakt" zwischen Dozenten und Studenten. Motto: Belästige mich nicht bei meiner Forschung, dann bekommst du von mir eine gute Note. An privaten Hochschulen hätten Professoren zusätzliche Hemmungen, Studenten, die viel Geld für ihr Studium zahlen, schlecht zu bewerten.

In Jura und Medizin ist das anders. In diesen Fächern ist der Staat der Prüfer, nicht die Uni. So sollen Qualitätsstandards erhalten werden. "Die externe Kontrolle bei den Staatsexamen stellt sicher, dass sich eine laxe Benotungspraxis nicht durchsetzen kann", sagt Stefan Kühl. Bernhard Kempen, der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, findet, dass auch in anderen Fächern Dozenten nicht allein über die Noten entscheiden sollten. "Lehrende sollten den Notenspiegel einem Gremium ihrer Fakultät vorlegen", sagt er. So würde auffallen, wenn bei bestimmten Dozenten die Noten besonders gut oder besonders schlecht ausfielen. Außerdem könnte man die Noten mit denen aus dem Vorjahr vergleichen. "Das Gremium würde bemerken, wenn etwas faul ist", sagt er.

Unternehmen sind in einem ähnlichen Dilemma wie die Auswahlgremien der Universitäten. Sie müssen Bewerber verschiedener Hochschulen und Fächer vergleichen. Doch anders als Unis sind sie nicht durch Gesetze dazu verpflichtet, den Noten dabei die größte Bedeutung beizumessen. "Entscheidend ist für mich das Gesamtbild", sagt Daniel Leufen, der beim Eletronikkonzern Philips für die Suche nach neuen Talenten verantwortlich ist. Die Bedeutung der Note hänge von der jeweiligen Stelle ab. Bei der Deutschen Telekom, Bayer oder BASF heißt es ebenfalls: Gute Noten seien bei einer Bewerbung wichtig, aber nicht alles. Auch Auslandserfahrungen, Praktika oder etwa Softwarekenntnisse können ausschlaggebend sein.

Langfristig suchen auch die Unis nach neuen Methoden, um die guten besser von den schlechten Absolventen zu unterscheiden. Horst Hippler, der Chef der Hochschulrektorenkonferenz, trifft sich dafür regelmäßig mit einer Arbeitsgruppe. Dann diskutiert er mit seinen Kollegen über Ideen wie die von Werner Mellis von der Uni Köln, der neben den Abschlussnoten auch auf soziales Engagement und Auslandserfahrungen schaut.

Längst nicht alle Wissenschaftler halten es für eine gute Idee, die Noten abzuschwächen, indem man solche Zusatzqualifikationen abfragt. "Die soziale Ungerechtigkeit nimmt dann zu", sagt der Soziologe Michael Hartmann von der TU Darmstadt. Kinder von finanziell besser ausgestatteten Eltern würden bevorzugt. "Nur die können sich den Sprachkurs auf Malta und das unbezahlte Praktikum in den USA leisten", sagt er. Unternehmen kann es egal sein, ob ihr Auswahlverfahren unfair ist, solange sie die besten Mitarbeiter bekommen. Bei Universitäten wäre das problematisch. Hartmann findet Noten trotz all ihrer Schwächen gerechter.

 

Eine alte Idee, die Notenvergabe fairer zu machen, ist die Einführung von relativen Noten, sogenannten ECTS-Noten. Sie wurden mit der Bologna-Erklärung im Jahr 1999 eingeführt und richten sich nach einer Bewertungsskala von A bis E. Die besten zehn Prozent eines Jahrgangs oder Kurses bekommen als Abschlussnote ein A, "hervorragend". Die schlechtesten zehn Prozent ein E, "ausreichend". Die Noten B, C und D verteilen sich dazwischen gemäß der Gaußschen Normalverteilung. Noten sollten damit europaweit vergleichbar werden. Die Bundesländer verankerten das neue Notensystem in ihren Hochschulgesetzen, aber die Universitäten hatten Schwierigkeiten, es umzusetzen. Das Hauptproblem: Wenn die Hälfte eines Seminars hervorragende Arbeiten abgibt, kommt man mit der Gaußschen Normalverteilung nicht weiter. Seit 2009 gibt es deshalb einen neuen ECTS-Leitfaden, der das Verfahren vereinfachen soll. Durchgesetzt hat er sich aber noch nicht. Die Folge: Heute weisen Universitäten die Abschlussnoten überall in Deutschland unterschiedlich aus. Einige benutzen Noten wie immer schon, andere schreiben zusätzlich die Buchstaben von A bis E auf die Zeugnisse, wieder andere legen dem Zeugnis einfach einen Notenspiegel des Jahrgangs bei. Der Versuch, die Noten fairer und vergleichbarer zu machen, hat bisher nur für noch mehr Chaos gesorgt.

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Kommentare (4)

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  1. Anonym

    Ich glaube das Problem liegt nicht (allein) an den Notenspiegeln, sondern auch an der Konstruktion der Prüfungen per se. Wer Prüfungen konstruiert, in der die Hälfte der Studenten eine sehr gute Note schreiben können, fördert m.E. die Noteninflation. Eigentlich sollten die Prüfungen nun mal so schwer sein, dass die Noten sich natürlich verteilen (wie es soweit ich weiß in vielen Naturwissenschaften oder der Statistik der Fall ist).. Dadurch wären auch die "Auswendig-Lerner" und die "Problemlöser" wieder per Noten trennbar....

  2. Tim

    Interessanter Artikel, aber ...

    bei dem Notenvergleich sollte man auch beachten, ob die genannten Zahlen repräsentativ sind. Ein Beispiel: An der TU München wird keine reine Betriebswirtschaftslehre angeboten. Es gibts verschiedene Abwandlungen wie "TuM-BWL" (Technologie- und Managementorientierte BWL), oder im Master "TuM-WIN". Auffallend ist auch, dass gerade einmal 18 Prüfungsleistungen berücksichtigt wurden. Auffallend wenig für eine staatliche Uni in der Landeshauptstadt Bayerns. Ein klares Indiz dafür, dass diese Zahlen eben nicht repräsentativ sind und mit Vorsicht zu genießen sind. Zum Vergleich: Im Bachelorjahrgang TuM-BWL 2008 haben über 350 Studenten angefangen. Die Abiturnote aller Studienbeginner lag im Schnitt bei ungefähr 1,5. Was ich damit sagen will: Wenn man Noten vergleicht und sich die Mühe macht über die Ungerechtigkeit der Notengebung einen Artikel zu schreiben, dann sollte dieser eben nicht so einseitig verfasst werden. Es kann nämlich durchaus sein, dass das Niveau der Prüfungen und Notengebung zweier Unis vergleichbar ist, die Noten an einer Uni trotzdem deutlich besser ausfallen als an der anderen (Stichwort: Unwort "Eignungsfestellungsverfahren" vor Studienbeginn).

  3. Texus

    Gedächtniskünstler geben den Ton an

    Das Kernproblem ist doch ein ganz anderes. Entscheidet für gute Noten ist heute vor allem eine Fähigkeit: Das Kurzzeitgedächtnis. Dagegen werden Kreativität, soziale Kompetenzen, konzeptionelle Fähigkeiten, Präsentationstechnik oder z. B. mathematisches Verständnis kaum getestet und wenn, dann werden sie nur sehr gering gewichtet. In der Praxis allerdings sind genau diese Fähigkeiten für Arbeitgeber relevant. Folge: eine katastrophale Ressourcenallokation. Wirklich gute Leute gehen u.U. unter und die Gedächtniskünstler verlassen die Hochschulen mit top Noten. Am Ende des Tages profitiert davon aber niemand. Weder die Unternehmen noch die Berufseinsteiger, die sich häufig überfordert fühlen, weil sie plötzlich selbst denken müssen. Die Hochschulen machen es sich hier viel zu leicht. Es sollte deutlich mehr Zeit und Grips in die Ausgestaltung des Notensystems und innovative Prüfungsmethoden fließen als sich immer nur auf der Aussage auszuruhen „das aktuelle System ist alternativlos“.

  4. Paul Schneider

    ECTS-Noten spiegeln zwar den Leistungsstand innerhalb der eigenen Fakultät wider, nicht aber den Leistungsstand gegenüber anderen Universitäten. Wenn man in Mannheim im Aufnahmeverfahren bereits ein Abitur von mindestens 1,5 benötigt, dann allerdings mit einer 2,5 sein BWL-Studium mit ECTS-Note C oder D abschliesst, ist man sehr wahrscheinlich immer noch ein fähigerer Student als jemand, der mit einem Einser-Schnitt und A-Note an einer zulassungsfreien Uni abgeschnitten hat. Genormte Test nach der Form von GRE und GMAT (gerne auch auf Deutsch) könnten Abhilfe schaffen.

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