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Wer nicht klagt, der nicht gewinnt

Gesetzestext Jura Anwalt Law Lawyers Urteil [Quelle: Pixabay, succo]

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Mit dem Abi hast du deine Eintrittskarte fürs Studium in der Tasche? Von wegen! Für etwa die Hälfte aller Bachelor-Studiengänge in Deutschland genügt das Zeugnis allein nicht als Hochschulzugangsberechtigung, sondern die Note darauf. Wenn deine Abschlussnote über dem von der Hochschule festgelegten Numerus Clausus (NC) liegt, erhältst du statt deines Wunschstudienplatzes einen Ablehnungsbescheid. Und dann? Du kannst entweder ein oder mehrere Wartesemester einlegen oder deinen Studienplatz einklagen.

Studienplatzklage – wer macht denn sowas?

Vor allem in den medizinischen Studiengängen ist eine Klage keine Seltenheit mehr – Tendenz steigend. So kamen beispielsweise im Wintersemester 2014/15 rund fünf Bewerber auf einen Studienplatz der Humanmedizin. Nachdem sie eine Absage erhalten haben, haben viele von ihnen versucht, sich einzuklagen. Grundsätzlich kann man jedes Studienfach einklagen und je exotischer der angestrebte Studiengang ist, desto größer sind die Erfolgschancen.

Informieren geht über Studieren

Die wichtigste Voraussetzung für eine Klage ist eine Hochschulzugangsberechtigung, also dein Abitur oder Fachabitur. Du solltest dich frühzeitig über Fristen und Formalia informieren, etwa beim Allgemeinen Studentenausschuss (AStA) der Hochschule, bei der du dich einklagen möchtest. Die Vorgaben variieren nämlich je nach Art der Klage und Bundesland und ändern sich von Jahr zu Jahr.

Liebe Uni, du hast dich verrechnet!

Die meisten Studienplatzklagen sind Kapazitätsklagen. Damit lässt du prüfen, ob die Hochschule nicht mehr Plätze anbieten könnte, als sie vor dem Semester berechnet hat. Dafür stellen du oder dein Anwalt zunächst einen Antrag auf außerkapazitäre Zulassung bei der jeweiligen Hochschule, der in den meisten Fällen abgelehnt wird. Nur wer einen solchen Antrag form- und fristgerecht gestellt hat, kann einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung beim zuständigen Verwaltungsgericht einreichen. Spätestens hier solltest du einen Anwalt zur Rate ziehen, da diverse Formalia zu beachten sind. Eine Studienplatzklage kann sich gegen jede bundesdeutsche Universität oder Fachhochschule richten, ausgenommen private Hochschulen. Man kann und sollte sogar mehrere Universitäten verklagen, um die Erfolgschance zu erhöhen.

Das Los entscheidet

Wenn das Verfahren erfolgreich ist, erhalten alle Kläger die neu verfügbaren Studienplätze. Falls es mehr Kläger als freie Plätze gibt, entscheidet in der Regel das Losverfahren. Das ist oft bei den medizinischen Studiengängen sowie in Psychologie der Fall. Nur in wenigen Bundesländern entscheidet deine Abi-Note. Manchmal lassen sich die Hochschulen vorher auf einen Vergleich ein, um den Prozess nicht zu verlieren und keinen Präzedenzfall zu riskieren. Wenn du diesen Vergleich annimmst, ziehst du den Antrag zurück und bekommst deinen Studienplatz.

Was kostet eine Studienplatzklage?

Unabhängig vom Urteil fallen bei einer Studienplatzklage Gerichts- und Anwaltskosten an. Die Höhe der Kosten hängt davon ab, wie viele Unis man verklagt, ob man sich durch einen Anwalt vertreten lässt, ob man gewinnt oder verliert und wie viele Mitkläger man hatte. Die Kosten können nur 50 oder weit über 1.000 Euro betragen. Am teuersten sind Medizin- Studienplatzklagen mit bis zu 10.000 Euro. Auch bei einem Vergleich mit der Hochschule kannst du für gerichtliche und außergerichtlichen Kosten zur Kasse gebeten werden. Nur wer mit seinem Anwalt ein Erfolgshonorar vereinbart und schließlich keinen Platz erhält, muss am Ende nichts zahlen. Übrigens tragen nur sehr wenige Rechtsschutzversicherungen die Kosten für eine Studienplatzklage.

Die Alternativen ausloten

Eine Studienplatzklage kostet nicht nur Mühe, sondern auch Geld und ist daher ein Privileg, das nicht allen offensteht. In manchen Fällen können ein Auslandspraktikum oder ein freiwilliges soziales Jahr die preiswertere Option sein, um die Wartezeit zu überbrücken. Parallel zur laufenden Studienplatzklage, kannst du übrigens ein anderes Fach studieren. Wenn dir diese Fachsemester für dein Wunschstudienfach angerechnet werden, kannst du nach einem erfolglosen ersten Versuch eine Einklage in ein höheres Fachsemester einreichen.

Keine Erfolgsgarantie!

Der Erfolg einer Studienplatzklage hängt von verschiedenen Faktoren ab, die man schwer einschätzen kann, zum Beispiel der Anzahl der Studienplatzklagen. Grundsätzlich sind die Chancen bei bundesweit zulassungsbeschränkten Fächern, zum Beispiel Humanmedizin, geringer als bei örtlich zulassungsbeschränkten wie BWL oder Lehramt.

Wer nicht klagt, bleibt dumm?

Ein Verfahren zur Studienplatzklage dauert in der Regel zwischen acht Wochen und zehn Monaten. Selbst wenn deine Klage Erfolg hat, startest du also verspätet ins Semester. Das kann ziemlich nervenaufreibend sein. Andererseits gilt aber auch: Wer nicht klagt, der nicht gewinnt! Denn ohne Studienplatzklage bleibt dir statt einer Chance nur die Sicherheit, dass du deinen Wunschstudienplatz in diesem Jahr nicht bekommst.

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