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Consulting, Studenten, Erklärung [© Fotolia.com]

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Studentische Unternehmensberatungen machen großen Consultingfirmen Konkurrenz. Warum hören Konzernchefs auf ihren Rat?

Ihr Text sitzt fast so gut wie das Sakko. Ohne einen einzigen Stotterer referieren die beiden Studenten in den passgenauen Anzügen über Werbeetats und Event-Ideen. So, wie man es von zukünftigen Beratern erwartet.

Die beiden jungen Anzugträger allerdings wollen gar nicht zu McKinsey oder Roland Berger, sie wollen in die Riege der studentischen Berater von Academy Consult in München aufgenommen werden. Damit das klappt, müssen sie ihren studentischen Beraterkollegen ein Marketingkonzept präsentieren, das sie gemeinsam ausgearbeitet haben. Das Thema: Wie kann Academy Consult mehr Informatikstudenten als Berater gewinnen?

Die Jury macht es den beiden Bewerbern nicht leicht: "Können Sie das noch mal genauer erklären?", brummt ein Anzugträger von rechts. Sein Nachbar runzelt bei jeder Marketingidee demonstrativ die Stirn und klopft mit einem Kugelschreiber ungeduldig auf den Konferenztisch. Ganz hinten bimmelt ein lästiger Klingelton vor sich hin. Die Unruhe ist wohlkalkuliert. Die beiden Anwärter sollen im simulierten Berateralltag auf Strapazierfähigkeit und Improvisationstalent getestet werden.

Auch im Konferenzraum sieht es stark nach Consultingbranche aus. Es dominieren Blazer und Hemden. Kapuzenpullis und Sneakers trägt hier keiner. Die Mitglieder vom Münchner Beratungsverein Academy Consult sind zwar alle noch im Studium, beraten aber nebenher schon Führungskräfte – vom klassischen Handwerker bis zum Großkonzern. Zu ihren Kunden zählten der Bayerische Rundfunk und Flixbus. Haben die Studenten einen Auftrag geangelt, bildet sich ein Viererteam, das je nach Bedarf gemeinsam Prozesse optimiert, an Social-Media-Strategien tüftelt oder Daten für eine Marktanalyse recherchiert. Knapp 400 Euro berechnen die Studenten pro Tag für ihre Dienste. Die Profis kosten im Schnitt 1.600 Euro pro Tag und mehr.

Nicht nur in München, in fast allen Universitätsstädten Deutschlands sind in den letzten Jahren sogenannte Junior Enterprises entstanden, wie die studentischen Unternehmensberatungen im Fachjargon heißen. "Der Markt boomt", sagt Lisa Dreyer vom Bundesverband Deutscher Studentischer Unternehmungsberatungen e. V. (BDSU). 32 Beratungen sind dort derzeit Mitglied. Wer sich dem BDSU angeschlossen hat, wird einmal im Jahr auf Qualitätsstandards kontrolliert, aber die Mitgliedschaft ist kein Muss. Insgesamt konkurrieren deutschlandweit um die hundert studentische Beratungen um Aufträge. Unter den Campus-Consultants tummeln sich angehende Wirtschaftswissenschaftler, die fast die Hälfte der beratenden Studenten ausmachen, Kommunikationswissenschaftler, Kunsthistoriker und Physiker.

Sie alle suchen nach Nischen auf einem umkämpften Markt. Nischen, in denen sie Platzhirschen wie Roland Berger, der Boston Consulting Group oder McKinsey nicht ins Gehege kommen, auch weil sie wissen, dass sie mit ihnen ohnehin nicht konkurrieren können. 150.000 Mitarbeiter sind in der Beraterbranche bundesweit beschäftigt, 27 Milliarden Euro setzen die Profis im Jahr um. Dagegen haben die 2.000 Mitglieder des BDSU im Jahr 2013 etwa gerade zwei Millionen Euro erwirtschaftet.

Warum aber lassen sich Unternehmen überhaupt von Studenten beraten? Können sie sich keine Profis leisten?

Markus Viertel, 43, kennt die Branche von beiden Seiten. Als Student war er Mitglied der Beratung JMS an der Universität Augsburg; heute ist er Geschäftsführer eines Dichtungsherstellers in Moers. Unzufrieden mit der Präsentation der konventionellen Vollzeitberater, holte er vor einigen Monaten die studentische Unternehmensberatung VIA aus Dortmund in die Firma. Das Ziel: Die Studenten sollten neue Märkte und Vertriebsmöglichkeiten für die Dichtungssysteme suchen. Dazu mussten sie zunächst ein technisches Verständnis für die Produkte entwickeln. Die Dichtungen werden nicht nur in Ventilatoren und Turbinen verbaut, sondern auch in Zentrifugen und Kompressoren, sie werden in der Chemie-, Öl- und Gasindustrie verwendet, ebenso wie bei der Produktion von Papier oder Lebensmitteln. "Diese Vielseitigkeit machte die Suche nach möglichen Marktpotenzialen sehr komplex", sagt Viertel.

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