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Militärbienen? Darüber kann man schreiben?

Nerd [© lassedesignen - Fotolia.com]

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Die meisten Studenten sind froh, wenn sie sich wenigstens selbst für das Thema ihrer Abschlussarbeit interessieren. Wir stellen vier Studenten vor, die sich für ihre Abschlussarbeit etwas ganz Besonderes überlegt haben – es geht um Flohsoldaten, Supermans Mama und eine Arbeit über Milch, in der es eigentlich nicht um Milch geht.

Titel der Arbeit: "Das Image von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren im Comic"

Ich habe die coolsten Kollegen der Welt, nur leider weiß das keiner. Auf Partys haben die Leute immer überrascht reagiert, wenn ich erzählt habe, wo ich arbeite. Bibliothekare sind in der Vorstellung der meisten Menschen humorlose Mauerblümchen. Mit meiner Bachelorarbeit wollte ich herausfinden, ob es Ausnahmen von diesem Image gibt. Und ich fand sie in Comics! Ein Glücksfall, weil ich mich so mit etwas befassen konnte, was mich seit meiner Jugend begeistert.

Auf Krypton zum Beispiel, Supermans Heimatplaneten, sind Bibliothekare hoch angesehen. Lara Lor-Van, Supermans biologische Mutter, pflegt das Datenbanksystem auf Krypton. Es beinhaltet das gesamte Wissen des Planeten. Die Bibliothekarin Barbara Gordon kämpft als Batgirl mit Batman gegen das Verbrechen in der fiktiven Stadt Gotham. Supermans Mutter und Batgirl sind beide Bibliothekarinnen. Genau wie ich.

Ich fand heraus, dass Bibliothekare im Comic eine Schlüsselrolle als Vermittler einnehmen: Sie wissen Rat, geben Auskunft und weisen den anderen Helden den Weg. Gleichzeitig lässt sich an ihnen erkennen, wie sich unsere Arbeit entwickelt. Batgirl zum Beispiel hat als traditionelle Bibliothekarin in einer Bücherhalle begonnen, und wandelt sich im Laufe der Jahre zu einer ortsunabhängigen IT-Expertin mit Hackertendenzen. Sie wird zur führenden Informationsquelle; nichts, was sie nicht herausfinden, kein Problem, das sie nicht lösen könnte.

Genau wie die echten Bibliothekare. Im Internetzeitalter braucht es Spezialisten, die den Unterschied kennen zwischen irgendetwas und das Richtige finden. Und das können wir. Es wird Zeit, dass sich meine Branche von dem angestaubten Image befreit. In den USA stehen Superhelden deshalb schon im Mittelpunkt von Imagekampagnen der Bibliotheken.

Ann Eichelbaum, 31, Bibliotheksmanagement

Titel der Arbeit: "Über den Flohzirkus zur synthetisierten Kakerlake. Eine kulturhistorische sowie programmatische Analyse der Insektendressur"

Im Zirkus sind Flöhe Soldaten. Es scheint, als würden sie tatsächlich fechten, reiten und exerzieren. Dafür müssen sie wie Rekruten diszipliniert werden: Um ihnen das Wegspringen abzutrainieren, verbringen sie vor ihrem ersten Auftritt Tage in engen Dosen. Wollen sie wegspringen, stoßen sie gegen den Deckel. Nach ein paar Tagen gewöhnen sie sich das Springen sich ab. Beim Militär läuft es ähnlich: Die Rekruten werden trainiert, im Gleichschritt zu marschieren, Schießbefehle auszuführen. Die Kaserne verlassen sie nur selten.

Flohzirkusse gibt es kaum noch. Schuld ist der Staubsauger: Um 1900 sorgte diese Erfindung dafür, dass es immer weniger Menschenflöhe gab. Und seitdem auch immer weniger Flohzirkusse. Insekten werden aber weiterhin dressiert. Das US-Militär treibt seit Jahren den Einsatz von Insekten als Soldaten voran: Honigbienen sollen Minen aufspüren und Kakerlaken als ferngesteuerte Spione dienen. Dazu werden mit Kameras oder Mikrofonen ausgestattete Minicomputer an die Nerven des Tieres angebracht, wodurch sie aus der Ferne per Funk gesteuert werden können.

Insekten haben mich schon immer fasziniert. Sie sind die zahlenmäßig größte Tierart, sie haben einen riesigen Einfluss auf die Ökosysteme – und sie sind trotzdem meistens unsichtbar. Das galt auch lange für die Forschung über sie.

Meine Arbeit ist Teil einer neuen Strömung, die "Animal Studies" heißt. Es geht darum, sich dem Verhältnis zwischen Mensch und Tier neu anzunähern – und zwar indem man das Tier stärker berücksichtigt. Das war nicht immer üblich. Lange betrachtete die Wissenschaft alles vom Menschen ausgehend: Das Tier ist in der Philosophie das Gegenstück zum sprechenden, organisierten Menschen, der sich seiner selbst bewusst ist. Dabei ist die Trennung zwischen uns und den Tieren gar nicht so klar, wie viele glauben. Den scheinbaren Gegensatz hinterfragen die Animal Studies. Ich habe dafür einen Teilbereich der Tierdressur untersucht und gezeigt, dass Flöhe wie Menschen gedrillt werden.

Fiona Faßler, 29, Kulturwissenschaft

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