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Bin ich auf dem richtigen Weg?

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Quelle: unsplash.com, Abbie Bernet

Viele rutschen nach dem Studium direkt in ihre erste Sinnkrise. Aber wieso? Ich habe mich auf die Suche nach Erklärungen begeben. Antworten bekam ich von Bloggern, Stand-Up-Lebenskünstlern und von einem Psychologen.

Es ist ein komischer Lebensabschnitt, den ich da erreicht habe. Jahrelang drückte ich die Schulbank, hetzte von Vorlesung zu Vorlesung. Den CV ständig im Blick. "An der Uni legst du den Grundstein für ein entspanntes Leben", sagte mein innerer Life Coach. In La Fontaines Fabel war ich die Ameise, die verächtlich auf all die Geige spielenden Grashüpfer herabschaute.

Jetzt ist Winter und ich bin ich dort, wo ich sein wollte. Ein Job, der Spaß macht, nette Kollegen und auch Raum für ein bisschen Freizeit. Selbstverwirklichung hole ich mir im Büro und zu Hause, Freizeit mit Netflix und Freunden. Das muss eigentlich ausreichen.

Trotzdem frage ich mich, ob es den Grashüpfern jetzt wirklich schlechter geht. Bin ich auf dem richtigen Weg?

Was ist eine Quarterlife Crisis?

Ich bin offenbar nicht der Einzige, dem es so geht. In einer Studie britischer Psychologen der Londoner University of Greenwich aus dem Jahr 2011 gaben 86 Prozent der Mittzwanziger an, unter einer Sinnkrise zu leiden. Finanzielle Ängste spielten dabei die größte Rolle (40 Prozent). Viele fühlten sich aber auch zur Familiengründung gedrängt (32 Prozent) oder wünschten sich einen Neuanfang für die Karriere (21 Prozent).

Besonders betroffen sind laut einer Studie des österreichischen Instituts für Höhere Studien die 26- bis 30-Jährigen. In der Studierenden-Sozialerhebung 2009 litten sie häufiger unter Existenzängsten und Leistungsdruck als Jugendliche unter 21 Jahren.

Es sind empirische Nachweise der Quarterlife Crisis – einer verfrühten Sinnkrise ohne Lederjacke und Harley-Davidson. Ihre Opfer sind Mitte 20, gut ausgebildet und stehen am Beginn ihrer Berufslaufbahn. Eigentlich sind das die Gewinner der Gesellschaft. Menschen, denen alle Türen offenstehen.

Ich suche im Netz nach Erklärungsversuchen und finde das Buch "Quarterlife Crisis. The Unique Challenges of Life in Your Twenties" von Alexandra Robbins und Abby Willner. Während die Sinnkrise mit 40 durch ein zu eintöniges und stabiles Leben entsteht, so Robbins, ist es bei der Quarterlife Crisis genau umgekehrt: Fehlende Stabilität und Sicherheit führen zu Selbstzweifeln einer ganzen Generation. Für die Methoden der Hobby-Psychologinnen hagelte es zwar viel Kritik, doch sie schafften es, den Begriff zu etablieren.

Die Quarterlife Crisis beschäftigt heute eine ganze Branche. Zeitschriften, Blog, Vlogs und auch erste Studien befassen sich mit dem Thema. Dabei ist es streitbar: "Luxusproblem", "Trendkrankheit", "modisches Etikett" lautet die mediale Antwort auf Robbins und Willners Neologismus. Zurecht?

Ich telefoniere mit Frank Hofmann von der Psychologischen Beratungsstelle des Studierendenwerks Heidelberg. Er hat bereits mit vielen Studenten gesprochen, für die auf die Uni eine Sinnkrise folgte: "Im Studium setzt du fort, was du in der Schule gelernt hast: lesen, lernen, Klausuren schreiben. Der Übergang in den Beruf ist die erste wirkliche Zäsur – jetzt wirst du nicht mehr geschont." Ich erinnere mich an meinen ersten Krankenkassenbeitrag ohne Studentenrabatt und nicke. "Viele haben das Gefühl, nach dem Studium Weichen fürs Leben stellen zu müssen und bekommen Angst. Sie fühlen sich nicht mehr so flexibel, wie noch im Studium. Es ist ein Schritt ins Ungewisse."

Stecke ich in einer Sinnkrise?

Ich suche nach jemandem, der von seiner Sinnkrise berichtet. Auf YouTube stoße ich auf Adam "Smiley" Poswolsky. Im TED Talk steht der junge Autor in einem sichtbar zu großen Sakko auf der Bühne und erzählt von seiner Quarterlife Crisis. Der Saal ist voll, die Zuschauer beklatschen seine Aussagen. "Brave", lese ich häufig in den Kommentaren. Adam benennt die drei Hauptzutaten (s)einer Sinnkrise: FOMO, Stuck, Hopeless. Er hatte Angst, falsche Entscheidungen zu treffen, denn mit jeder Tür, die er öffnete, schloss er eine andere (Fear Of Missing Out). Es blieb ihm nichts, als dort zu bleiben, wo er war. Und weil er nichts daran ändern konnte, resignierte er. Ein Teufelskreis. Er war unglücklich.

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