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Programmieren studieren

Programmieren Frau Laptop Desktop [Quelle: Unsplash.com, Crew]

Quelle: Unsplash.com, Crew

In Berlin startet die erste Hochschule für Programmierer in Deutschland. Auch wer noch nie mit Informatik zu tun hatte, kann dort studieren. Eine Entwickler-Uni ohne Nerds – kann das funktionieren?

Paulina Steffen hat BWL studiert und parallel Versicherungskauffrau gelernt. Von Informatik hat sie keine Ahnung. Trotzdem wird sie ab diesem Semester an der ersten deutschen Programmierer-Hochschule studieren. Die "Code University" in Berlin will die Softwareentwickler von morgen ausbilden, eine heute schon sehr gefragte Spezies. Dass dafür eine eigene Hochschule geschaffen wird, ist ein Novum in der deutschen Hochschullandschaft – und ein Zeichen, mit welcher Wucht die Digitalisierung um sich greift. Die Schulen hierzulande gelten in diesem Bereich längst als abgehängt. Universitäten und Fachhochschulen lehren eher Informatik, überlassen die Programmiersprachen aber oft den Anwendern zum Selbststudium.

Die neue Hochschule soll anders sein, praxisbezogener. Vorkenntnisse sind für eine Aufnahme nicht zwingend nötig, eher Leidenschaft und eine Affinität zum Knobeln. Paulina Steffen bringt beides mit. Mathe liege ihr, sagt sie – und "irgendwas mit Medien". Für das Programmierer-Studium hat die 22-Jährige ihre Heimatstadt Hannover aufgegeben und ist nach Berlin gezogen. Mit ihrer Stelle in einem großen Versicherungsunternehmen mit 2.000 Mitarbeitern, die sie bis kurz vor Studienbeginn hatte, war Steffen dagegen unzufrieden. "Ich habe den Fehler gemacht und nicht vorher geschaut, ob mir das überhaupt Spaß macht", sagt sie.

Mehr Spaß und Zufriedenheit hofft sie jetzt bei der Code University zu finden. Nach dem Studium dort will sie nicht mehr in einem großen Unternehmen arbeiten. "Zu starr, zu unbeweglich", seien die Konzerne, findet sie. "Wenn du da ein kleines Rädchen bist, dauert es sehr lange, bis sich überhaupt etwas in Bewegung setzt", sagt sie. "Lieber ein Start-up, das kannst du noch mit aufbauen, mit entwickeln." Genau das hat sich die Code University zum Ziel gesetzt. Sie will die Start-up-Gründer der Zukunft, die Mark Zuckerbergs von morgen schaffen. Im Fortschreiten der Digitalisierung sei das wichtig, sagt Thomas Bachem, der Gründer der Hochschule. Auf der Homepage der Berliner wird er nur Tom genannt.

Drei Bachelorstudiengänge

Die Code University ist eine private Fachhochschule, erst in diesem Sommer hat sie ihre Zulassung erhalten. Zum Wintersemester, das in diesen Tagen startet, beginnt nun endlich der Lehrbetrieb. Gelehrt wird in Englisch, und es gibt drei Bachelorstudiengänge: Software Engineering, Interaction Design und Product Management. Bei allen dreien steht das Erlernen von Programmiersprachen im Vordergrund. Nur der Fokus ist jeweils ein anderer. Gemeinsam haben sie, dass in Gruppen und nicht in Hörsälen gelernt wird und der Praxisbezug im Zentrum stehen soll. Masterstudiengänge gibt es erst einmal nicht, obwohl die Nachfrage sehr hoch sei, wie Thomas Bachem versichert. Zunächst wolle er sich auf den Aufbau der Bachelor-Studiengänge konzentrieren. Gratis ist das geballte Programmiererwissen natürlich nicht: 747 Euro je Monat verlangt die Code-University von ihren Studenten, also fast 27.000 Euro für das gesamte Studium. Allerdings bietet die Hochschule ein sogenanntes Generationen-Finanzierungsmodell an: Dabei müssen Absolventen die Studiengebühren nach dem Studium erst dann zurückzahlen, wenn sie über einem festgelegten Gehalt liegen.

Rund zweitausend Bewerbungen sind in Berlin eingegangen. Bewerber müssen zunächst einige Eingangsfragen auf der Homepage beantworten und dann online eine größere Aufgabe bearbeiten. "Wir sollten uns ein Problem von Menschen oder Unternehmen überlegen, das wir durch eine App oder eine Plattform lösen", sagt Paulina Steffen. Die Aufgabenstellung sei ziemlich offen gehalten worden, vier Wochen Zeit hätten die Bewerber für eine Lösung. "Natürlich arbeitet man da keine 24 Stunden pro Tag dran", sagt sie. Sie hat sich eine Plattform überlegt, durch die Menschen eine Fahrgemeinschaft in der Nachbarschaft finden können. Sie habe aber noch nichts programmiert, es sei eher eine Art theoretische Projektarbeit gewesen – auch die auf Englisch. Diejenigen, die den besten Lösungsansatz anbieten, werden anschließend zu einem "Assessment Day" nach Berlin eingeladen. Dort müssen sie dann ein weiteres digitales Problem lösen – und es gibt ein etwa 20 Minuten langes Bewerbungsgespräch. "Das Gespräch war sehr locker", sagt Paulina Steffen. Es sei auch nicht nur um die Code University gegangen. "Ich wurde zum Beispiel gefragt, ob ich mir vorstellen kann, nach Berlin zu ziehen", sagt sie.

Laut Homepage kann jeder, "der es drauf hat", ein Studium an der Privathochschule aufnehmen, eine Studentenobergrenze gibt es offiziell nicht. Und trotzdem sind dem Projekt Grenzen gesetzt. In diesem Semester startet die Hochschule mit rund 75 jungen Männern und Frauen, wie Bachem erzählt. Rund zwei Drittel von ihnen sind zwischen 18 und 22 Jahren alt. Der Rest sei Ende zwanzig und habe "das Thema digitale Produktentwicklung jetzt erst für sich entdeckt". Bachems Ziel lautet so oder so: "Wir wollen raus aus der klassischen Nerd-Ecke." Das werde dadurch bestätigt, dass sich viele "kreative und alternative" Köpfe beworben hätten.

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