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Haste? Brauchste?

iPhone Smartphone Statussymbol [Quelle: Unsplash.com]

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Vom Smartphone mit dem Obststempel bis zum sprachlichen Geschwurbel des Akademikers: Moderne Statussymbole haben viele Gesichter. Anstrengend? Nervig? Notwendig? Ein Streitgespräch.

Mein Dilemma - share.

Wenn mir jemand sagt, dass man das braucht, kann ich nur lachen. Das braucht niemand. Das brauchst nur du.

Der Zweifler

Jedes Jahr aufs Neue wiederholt sich für mich der größte Stumpfsinn des Konsums. Jedes Jahr im Herbst setzen sich Menschenmassen vor einen Shop in der Innenstadt und warten sehnsüchtig auf das neueste Smartphone mit Obststempel. Wenn mir jemand sagt, dass man das braucht, kann ich nur lachen. Das braucht niemand. Das brauchst nur du. Es gibt schnellere Geräte, es gibt bessere Geräte für weniger Geld. Es geht um die Marke. Es geht darum, dass du es auf den Tisch im Café legen kannst und deine Kommilitonen begeistert zu dir rüber schauen. Es ist ein Statussymbol.

Mein erster Reflex ist immer die Suche nach der Schattenseite: Warum reibst du mir das so unter die Nase? Willst du, dass ich sage, wie toll du bist? Oder willst du gar meinen Neid?

In Zeiten von Instagram & Co. ist es noch einfacher geworden, seinen Status auszudrücken: Reise auf die Malediven – share. Italienisches Abendessen – share. Neues Auto – share. Man muss nicht einmal mehr vor die Tür gehen, um sich seine Selbstbestätigung zu holen. Sie kommt per Push-Nachricht in die Hosentasche. Es ist so einfach und verführerisch.

Ich ertappe mich ja selbst dabei: ein schönes Foto auf einer Wanderung – share. Aber wieso? Das Foto gäbe es ja auch, ohne dass ich es teile. Außerdem ist das Erlebnis in meinem Kopf und ich kann mich doch hoffentlich auch so daran erfreuen, ohne die Bestätigung meines digitalen Freundeskreises? Aber irgendwie will ich die Bestätigung auch. Es tut gut, einen Like zu bekommen. Gleichzeitig fühlt es sich falsch an.

Ein Dilemma, wie ich finde. Das einfache plumpe Zurschaustellen von Gegenständen, die mir wichtig sind, verteufle ich und rümpfe die Nase. Dabei habe ich das gleiche Bedürfnis. Und die digitale Welt ermöglicht mir auch noch, ein Obststempel-Handy auf den Cafétisch zu legen – und alles, was ich bekomme, sind die Likes. Nicht die missgünstigen Blicke von Leuten wie mir selbst.

Bekenntnisse einer Statusse

Was ich damit sagen will? In erster Linie, dass ich ein Freund der schönen Dinge bin! Dafür werde ich mich nie entschuldigen.

Die Statusse

Bogner-Bluse, Longchamps-Portemonnaie, Byredo-Parfum: Ich bin die, über die du die Stirn runzelst. Porsche, Staatsoper, Champagner – you name it, I like it. "Snob" wäre eines der schmeichelhafteren Attribute, die dir zu mir einfallen, schlimmer aber und häufiger ist "hohl". Wer sich mit tradierten Statussymbolen schmückt, "hat es nötig", weil ihm "etwas fehlt". Charakter wahrscheinlich.

Aber hinter meinen Statussymbolen ist es nicht hohl. Dahinter stecke ich. Kein besonderer Mensch, aber ein Mensch. "Und was für ein Mensch versteckt sich hinter springenden Gäulen und den Initialien fremder Menschen, CC, LV und Co.?", fragst du – fragst du dich selbst zumindest, mir stellst du diese Frage nicht. Es gibt darauf mehr als eine Antwort.

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