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Wie gelingt ein gutes Anschreiben?

Bewerbung, Lebenslauf, Online-Bewerbung, Berufseinstieg [Quelle: tempus corporate, Getty Images]

Quelle: tempus corporate, Getty Images

Keine Floskeln, rät die Professorin Debora Weber-Wulff, und schön pointiert bleiben. Dann klappt das.

Frau Weber-Wulff, wie wichtig ist das Motivationsschreiben bei der Bewerbung auf ein Masterstudium?

Bei uns an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin benoten wir die Bewerber nach einem Punktesystem. Es gibt maximal 39 Punkte. Aber meistens reichen schon acht bis 20 Punkte, um bei uns zugelassen zu werden. Für ein gutes, persönliches Motivationsschreiben gibt es immerhin sechs Punkte.

Das hat ja großen Einfluss.

An vielen Unis entscheidet im Bewerbungsprozess vor allem die Bachelornote über einen Masterplatz. Aber mit einem guten Anschreiben kann man oft richtig aufholen. Bei uns bekommen einige Studenten trotz ihrer mittelmäßigen Note eine Zusage, wenn uns ihr Motivationsschreiben beeindruckt.

Geben Sie mal ein paar Tipps: Wie lang sollte der Text sein?

Maximal eine Seite, mehr kann und will kein Mensch lesen. Ich habe meistens mehr als 50 Bewerbungen auf dem Tisch liegen, da bleibt nicht viel Zeit für sehr ausführliche Texte. Formal sollte es wie ein Anschreiben aufgebaut sein, das ist ja meistens auch nicht länger als eine Seite.

Wie wichtig ist die persönliche Anrede im Anschreiben?

Wenn es an der Uni einen Ansprechpartner gibt, sollte man das Schreiben an ihn persönlich adressieren. An unserer Hochschule bewerten allerdings unterschiedliche Dozenten die Bewerbungen. Die kann man nicht alle beim Namen nennen. Deshalb reicht es aus, "Sehr geehrte Damen und Herren" zu schreiben. Negativ gewertet werden Anreden wie "Sehr geehrte Herren". So etwas lese ich wirklich immer noch. Auch ein "Hallo" kommt überhaupt nicht gut an.

Wie geht es dann weiter? "Hiermit bewerbe ich mich um … "?

Nein, so eine beliebige Phrase sollte man sofort streichen! Wer mich gleich am Anfang langweilt oder dumme Floskeln bringt, bekommt weniger Punkte. Ich muss zugeben, dass wir in der Auswahlkommission nicht besonders gerne Anschreiben lesen. Forschung und Lehre sind anstrengend genug, die Bewerbungen bedeuten für uns noch mehr Arbeit. Da möchte man schnell die Texte lesen und das Wichtigste auf einen Blick erfahren.

Worauf kommt es denn inhaltlich an?

Der Text sollte sich um die Frage drehen: Warum will der Bewerber ausgerechnet bei uns studieren? Das stärkste Argument ist oft der perfekte Einstiegssatz. Ich möchte aber nichts über die hervorragende Forschung an meiner Hochschule lesen, das ist zu allgemein. Besser: Begründen, warum man sich für den Studiengang interessiert.

Sollte man viele Details über den Studiengang einbauen, um zu zeigen, dass man sich damit beschäftigt hat?

Ich will schon wissen, ob man die Studienordnung kennt. Aber bitte nicht eins zu eins wiedergegeben. Mir braucht auch niemand erzählen, dass unsere Fachschaft so besonders ist. Dass die Fachschaftspartys legendär sind, weiß ich. Aber für das Studium sind die nicht ausschlaggebend.

Was soll der Bewerber im Anschreiben über sich selbst erzählen?

Über sein Bachelorstudium würde ich gerne mehr erfahren: Welche Themen wurden vertieft? Wo gibt es Defizite? Da kann man gleich ergänzen, wie man die Schwachstellen verbessern will. Ich schätze Ehrlichkeit, auch bei persönlichen Anliegen. Wenn jemand unbedingt in Berlin studieren will, weil seine Freundin dort arbeitet, kann auch das ein guter Grund sein.

Viele schreiben, sie seien "teamfähig" und "kreativ". Eine gute Idee?

Nein, wenn Bewerber ihre Eigenschaften bloß aufzählen, ist das nicht optimal. Besser ist es, diese Behauptungen mit Erfahrungen zu belegen. Vielleicht hat eine Bewerberin einen Onlineshop programmiert und dabei gezeigt, wie einfallsreich sie ist. Das sollte man aufschreiben, darüber lesen wir gerne mehr.

Sie raten also dazu, mit persönlichen Erfahrungen zu argumentieren?

Man kann gerne ein kurzes Beispiel aus der Kindheit oder dem Auslandsaufenthalt bringen. Aber bitte keine Prosa. Wir wollen schlichtweg wissen, ob die Bewerber bei uns richtig sind. Ich erinnere mich an einen Bewerber, der drei Jahre lang durch Südamerika gezogen ist. Er schilderte das und erklärte, wieso er bei uns studieren möchte. Wir fanden ihn authentisch und haben ihn genommen, obwohl er schlecht in Mathe war.

Welche Rolle spielt Sprache? Sollte ein Anschreiben förmlich sein?

Na ja, auf flapsige Sätze sollte man schon verzichten. Wenn ich Witze hören will, gehe ich ins Kabarett. Bei internationalen Studiengängen freue ich mich, wenn die Bewerber mir auf Englisch schreiben. Zu überlegen, wie man beim Anschreiben den richtigen Ton trifft und welche Argumente man bringt, kann einem auch selbst helfen.

Wie meinen Sie das?

Beim Schreiben denkt man über die eigene Motivation nach. Vielleicht erkennt man dabei, dass die Eltern einen zum Masterstudium pushen, dass man das gar nicht selber will. Das wäre eine wichtige Erkenntnis. Man sollte selbst motiviert sein, weiter zu studieren. Wenn nicht, lohnt sich die aufwendige Bewerbung gar nicht.

Manchmal fällt es aber schwer, persönliche Anschreiben zu verfassen. Was kann man bei einer Blockade tun?

Auf keinen Fall etwas aus dem Internet kopieren! Wir haben in einem Semester drei Kopien aus dem Netz gehabt. Sie waren nur leicht abgeändert. Beim Lesen kamen uns einige Sätze bekannt vor. Als wir sie gegoogelt haben, sind wir sofort auf ein Beispielanschreiben gestoßen. Wer einen Satz abschreibt, bekommt sofort null Punkte.

Aber ist es nicht sinnvoll, sich Beispielanschreiben anzuschauen?

Ich rate davon ab. Wenn man solche Entwürfe liest, klebt man zu eng an den Musterbeispielen. Besser ist es, sich Gedanken zu machen, was einen fachlich und persönlich ausmacht – und dann loszuschreiben. Mache ich den Master vielleicht nur, weil ich keinen guten Alternativplan habe? Will ich wirklich intensiver forschen? Passen die Schwerpunkte dieses Studiengangs zu meinen Vorlieben und Zielen? Wer auf diese Fragen klare Antworten hat, wird sicher ein gutes Motivationsschreiben liefern.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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