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Studium: Master of Wirtschaftsprüfer

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Das Wirtschaftsprüfer-Examen gehört zu den härtesten Prüfungen im deutschen Bildungswesen. 2014 sind mehr als 40 Prozent der Teilnehmer im ersten Anlauf durchgefallen. Doch es gibt Wege, die das Examen erleichtern.

Janine Bayer steht im 50. Stock eines Wolkenkratzers in Frankfurt am Main. Auf der Dachterrasse ist es windig. Immer wieder zupft sie ihren Blazer zurecht, streicht sich ihre blonden Haarsträhnen aus dem Gesicht. Hinter ihr erhebt sich Frankfurts Skyline. In den verglasten Wolkenkratzern der großen Banken spiegelt sich der bewölkte Himmel. Janine Bayer ist angehende Wirtschaftsprüferin, das Dach, auf dem sie steht, gehört zum PwC-Turm in Frankfurt - ihrem Arbeitsplatz. Banken gehören zu ihren Kunden in der Prüfung. Es ist ein heißer Mittwochnachmittag im August, doch nicht nur die Hitze bringt Janine Bayer derzeit ins Schwitzen, denn: Janine steckt gerade mitten in den Prüfungen zum Wirtschaftsprüfer-Examen.

Insgesamt sieben Prüfungen in den Fächern Prüfungswesen, Angewandte Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre, Wirtschaftsrecht sowie Steuerrecht müssen angehende Wirtschaftsprüfer absolvieren. Laut Angaben der Wirtschaftsprüferkammer bestanden 2014 57,2 Prozent der zugelassenen Kandidaten das Examen im ersten Anlauf. 15,1 Prozent der Teilnehmer erreichten die Ergänzungsprüfung, konnten also Teile der Prüfung wiederholen. Das Angebot an entsprechenden Vorbereitungskursen ist groß, denn: Das Wirtschaftsprüfer-Examen gehört mit seiner Fülle an Lerninhalten und den hohen Durchfallquoten zu den härtesten Prüfungen im deutschen Bildungswesen.

Masterstudium: So lässt sich das Examen abkürzen

Doch es gibt Wege, die das schwierige Examen verkürzen und etwas erleichtern (siehe Infokasten). Eine Möglichkeit ist, zunächst das Steuerberater-Examen abzulegen. Dadurch entfallen im Wirtschaftsprüfer-Examen die Prüfungen zum Steuerrecht. Aber auch ein Masterstudium ist eine beliebte Abkürzung. Janine hat sich für einen berufsbegleitenden Master entschieden. Ihr Studiengang gehört dem Masterprogramm "Audit Xcellence" an, das von den vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Deloitte, EY, KPMG und PricewaterhouseCoopers ins Leben gerufen wurde. Hochschulen in Düsseldorf, Lüneburg, Frankfurt und Mannheim bieten diesen nach § 8 a WPO akkreditierten Masterstudiengang an. Dreieinhalb Jahre dauert das Programm, die Teilnehmer arbeiten und studieren zu jeweils 50 Prozent. Die Studienphase findet dabei außerhalb der "Busy Season" von Mai bis Oktober statt, in der Wirtschaftsprüfer in der Regel am meisten Aufträge haben. "Dieses Masterstudium bot mir die Möglichkeit, nach dem Bachelor direkt ins Berufsleben einzusteigen und gleichzeitig das Studentenleben noch beizubehalten", erzählt Janine. Neben dem Programm der Big Four gibt es auch weitere Hochschulen, die nach § 8 a WPO akkreditierte Studiengänge anbieten. Solche Masterstudiengänge bieten zum Beispiel die Europäische Fernhochschule Hamburg, die Hochschule Fresenius in Köln oder die Hochschule Pforzheim.

Mastertitel und Examensvorbereitung

Janine absolvierte ihren Master of Science in Auditing an der Frankfurt School of Finance & Management. "Der Master Auditing bereitet die Studierenden wissenschaftlich auf die Tätigkeit als Wirtschaftsprüfer vor", erklärt Edgar Löw, Programmdirektor des Masterstudiengangs an der Frankfurt School of Finance and Management. In der Masterarbeit beschäftigen sich die Studierenden mit einer Problemstellung aus dem Gebiet der Wirtschaftsprüfung. "Im Anschluss an die Masterarbeit findet in einem Repetitorium die gezielte Vorbereitung auf das Wirtschaftsprüfer-Examen statt", erklärt Löw. "Gerade die Kombination aus Masterabschluss und Examensvorbereitung motiviert die Studierenden zum berufsbegleitenden Studium."

Tatsächlich verbessert sich durch die Alternativangebote die Durchfallquote der Masterabsolventen im Examen. Laut Angaben der Wirtschaftsprüferkammer haben 2014 64 Prozent der §8a-Absolventen im ersten Anlauf bestanden, 16 Prozent erreichten die Ergänzungsprüfung. Doch die guten Ergebnisse haben ihren Preis: Janine begann mit der Vorbereitung für das Examen direkt nach der Abgabe ihrer Masterarbeit. In der heißen Phase vor dem Examen habe sie im Schnitt acht Stunden pro Tag gelernt. "Meine freien Tage in der Zeit vom Verfassen der Masterarbeit bis zur ersten Examensklausur habe ich in guter Erinnerung behalten - es waren nicht so viele", sagt sie und ergänzt: "Um den ganzen Lernstoff gut zu bewältigen, sollte man sehr gut organisiert sein." Die Trennung zwischen Beruf und Studium funktioniere in den ersten Jahren des Studiums gut, zum Ende hin müsse man sich aber auch während der Busy Season mit dem Lernstoff beschäftigen, sagt sie.

Als Lohn für diese Mühen bietet sich den Masterabsolventen auch die Möglichkeit einer Karriere abseits der Wirtschaftsprüfung. "Wirtschaftsprüfer sind von Unternehmen sehr gesucht", weiß Programmdirektor Löw. "Der Masterabschluss wird unabhängig vom Bestehen des Wirtschaftsprüfer-Examens verliehen und qualifiziert auch für eine Karriere in der Industrie." All die durchgelernten Feierabende und Wochenenden hätten sich jedenfalls gelohnt, findet Janine Bayer. Als die erste Examensprüfung anstand, war sie kaum aufgeregt. "Das Examen fühlt sich ein bisschen wie ein großer Endgegner an - um ehrlich zu sein, war ich froh, als die Prüfungen endlich anfingen", sagt sie. Die Ergebnisse des Examens gibt es zwar erst zum Ende des Jahres, den Masterabschluss hat Janine aber schon jetzt in der Tasche.

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