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"Ich bin verkeimter als deine Toilette"

Schwamm, Hygiene, Küche [Quelle: pixabay.com, Autor: Capri23auto]

Quelle: pixabay.com, Autor: Capri23auto

Küchenschwämme machen krank. Hier verrät einer, wo in wirklich jeder Küche gefährliche Keime leben und wie man sich schützen kann: Das Geständnis eines Schwamms

Protokoll aufgezeichnet von Jakob Simmank

Halt, halt, halt, schmeiß mich nicht weg! Ich gebe es ja zu! Ich hintergehe dich. Seit Wochen schon, seit das angefangen hat mit uns. Damals, als du mich aus der 6er-Packung gepult und das erste Mal mit mir die Nudelreste vom Boden der Pfanne geschmirgelt hast. Ja, ich hätte dir früher erzählen sollen, dass ich dich krank machen kann.

Aber das ist doch kein Grund, jetzt alles wegzuschmeißen, was wir miteinander hatten. Halt! Wenn du mich leben lässt, packe ich aus. Ich erzähle alles. Über deine Küche, dieses Dreckloch. Über die Keime, die überall lauern, über die schwarzen Hefen in der Spülmaschine, die über dich lachen. Und was dein Mitbewohner immer mit mir anstellt. Deal? Genau, ganz langsam den Mülleimer wieder schließen.

Bevor ich weitererzähle, will ich aber auch ein bisschen Ehrlichkeit. Warum willst du mich denn gerade jetzt loswerden? Hm? Na? Das liegt ja nur daran, dass seit Kurzem alle schlecht über mich reden. Und warum? Weil ein paar Wissenschaftler letztes Jahr meine Kollegen umgebracht, auseinandergeschnitten, eingefroren und im Labor analysiert haben! Wir seien Keimschleudern, sagen die Leute. Wir seien dreckiger als ein Klo, sagen sie. Wir würden dich krank machen, sagen sie. Die Wissenschaftler haben die DNA unserer Mitbewohner, der Bakterien, die auf uns leben, analysiert. Und ja, ich gebe es ja zu: Sie haben recht. Ich habe mehr Mitbewohner als deine Toilette.

In jedem Kubikzentimeter meines gelben Schaumstoffkörpers hausen 55 Milliarden Keime: kleine runde, die sich zu Haufen zusammenrotten, lange Stäbchen, die sich wie die Äste eines Baums verzweigen, und Keime, die in der Laborschale golden schimmern. Aber hey, die müssen auch irgendwo wohnen. Manchen kommt man doch auch mit Antibiotika bei, wenn sie dich krank machen. Ja, okay, andere sind von Natur aus resistent. Manche von ihnen – und ich bin da nicht stolz drauf – können dich richtig krank machen: Salmonellen, E. Coli und Klebsiellen bringen Durchfall, Lungenentzündungen und Blutvergiftungen. Die wollte ich schon länger rausschmeißen. Aber wenn du mich nie auswringst und trocknen lässt, kann ich da auch nix machen.

Du musst mich nach dem Schrubben immer auswaschen, mich auswringen und trocknen lassen. Die Betonung liegt auf trocknen lassen, so lange, bis ich wieder komplett trocken bin und nicht gleich wieder mit mir die Arbeitsfläche abwischen. Dann hätte ich auch nicht so schnell angefangen zu stinken. Und dann hätten auch all die Keime auf mir keine Chance gehabt, sich wie wild zu vermehren.

Trotzdem: Dass du dir jetzt den Magen verdorben hast, damit habe ich nichts zu tun. Glaube ich jedenfalls. Wahrscheinlich hast du dir einen dieser korkenzieherförmigen Keime eingesackt, diesen Campylobacter. Die werden bei Leuten unter 30 immer häufiger. Aber dafür können wir Schwämme nichts. Daran ist die Arbeitsplatte schuld. Und im Sommer die Grillzange, der Griff deiner Pfanne, das Küchenmesser und das Schneidebrett. Denn Campylobacter sitzt vor allem auf Eiern und rohem Fleisch. Als dein Mitbewohner gestern das Hähnchenbrustfilet ausgepackt hat, habe ich gesehen, dass er es auf demselben Schneidebrett geschnitten hat, wo er danach auch die Zwiebeln, Möhren und den Rucola für den Salat vorbereitet hat. Und wahrscheinlich ist noch einiges vom Hähnchensaft auf die Arbeitsplatte getropft, das konnte ich von der Spüle nicht so gut sehen. Aber ich sag's dir: Die Arbeitsplatte ist so etwas wie ein Kontakthof, da tummelt sich wirklich der ganze Abschaum. Dagegen bin ich harmlos. Und lass dir von der Platte nichts erzählen, die mag mich nicht, seit ich mal meinte, gegen eine schöne Eichenplatte könne sie nicht ankommen.

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