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Karriereleiter Aufstieg Erfolg [© Creativa - Fotolia.com]

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Ein Erfolg jagt den nächsten - was bei anderen zu Höhenflügen führt, löst bei Betroffenen des Impostor-Syndroms Versagensängste aus. Ihre Bescheidenheit nimmt krankhafte Züge an.

"In meinem Kopf hatte ich eine bestimmte Vorstellung eines guten Programmierers und dieser konnte ich einfach nicht gerecht werden." Dieser Gedanke bestimmte jahrelang das Leben von Alicia. Dabei hat die ITlerin alles mitgebracht, was für eine Karriere als Programmiererin nötig ist: Informatikstudium mit Auszeichnung, Praktika in einem großen Unternehmen, ein eigenes Start-up und das wichtigste: ein großes Talent für Programmiersprachen.

Dennoch wurde Alicia von dem Gefühl beherrscht, nicht gut genug zu sein und sich den Erfolg nur durch glückliche Zufälle erschlichen zu haben. Um sich nicht die Blöße des Scheiterns vor ihren Kollegen geben zu müssen, zog sie sich aus der Programmiersparte zurück und wechselte ins Marketing ihres eigenen Start-ups.

"Hoffentlich fliege ich nicht auf!"

Die Gefühlslage, die Alicia in ihrem Blogeintrag ausführlich beschreibt, wird unter Fachleuten als Impostor-Syndrom alias Hochstapler-Syndrom bezeichnet. Die Betroffenen sind erfolgreich in Studium oder Beruf, weisen die Erfolge aber äußeren Faktoren zu. So ist die gute Abschlussnote dadurch zustande gekommen, dass in den Prüfungen nur leichte Themen abgefragt wurden. Und die Jobzusage gab es, weil sich sonst keiner auf die Stelle beworben hatte. Je mehr sich die Erfolge häufen, desto größer wird die Angst, beim nächsten Mal als vermeintlicher Hochstapler aufzufliegen, wie Prof. Dr. Birgit Spinath in diversen Publikationen erklärt. Die Psychologie-Professorin der Universität Heidelberg ist eine der wenigen deutschen Wissenschaftler, die sich mit dem Hochstapler-Syndrom beschäftigen. Die Selbstwahrnehmungsstörung haben erstmals die Psychologinnen Pauline Clance und Suzanne Imes in den 70er-Jahren entdeckt und ihr einen Namen gegeben.

Krankhafte Bescheidenheit und ständige Versagensangst

Die Forschung in diesem Bereich steckt immer noch in den Kinderschuhen. Offizielle Zahlen von Betroffenen gibt es nicht, aber Forscher wie Spinath gehen davon aus, dass das Impostor-Syndrom besonders unter Studenten weit verbreitet ist. Die jungen Leute brechen aus ihrer Wohlfühlzone "Schule" aus und müssen sich ihre Erfolge an der Universität neu erarbeiten. Die Angst zu scheitern ist groß, das Wissen der Kommilitonen wirkt übermächtig und der eigene Erfolg ist durch bloßes Können nicht mehr rational begründbar. Wenn aber nur Glück und Zufall für meine Leistungen ausschlaggebend sind, wie soll ich sie wiederholen? Diese Angst ist ein alltäglicher Begleiter der vermeintlichen Hochstapler und kann weitreichende Folgen für Gesundheit und Karriere haben. Die einen powern bis zum Umfallen, um bloß nicht zu versagen. Die anderen resignieren und lassen viele Chancen ungenutzt an sich vorüberziehen, weil sie es sich nicht zutrauen. Beide Verhaltensweisen können zu Burn-out oder Depressionen führen.

Sind ITler besonders anfällig fürs Impostor-Syndrom?

Alicia gab sich damit zufrieden, nur noch einfache Programmieraufgaben zu übernehmen, bildete sich nicht mehr weiter und untergrub ihr Talent somit selbst. Besonders der IT-Bereich ist von Schnelllebigkeit geprägt und es gibt immer einen Kollegen, der schon wieder einen Schritt weiter ist als man selbst. Zudem ist die Programmiersparte geprägt von "trial und error", das heißt, es gibt keine Musterlösung, Codes entstehen durch ständiges Versuchen und Scheitern. Diese Tatsachen machen Menschen mit ohnehin geringem Selbstbewusstsein zu schaffen und anfälliger für Versagensängste, die im Impostor-Syndrom gipfeln.

Das eigene Können akzeptieren

Doch die Angst zu versagen muss kein lebenslanger Begleiter sein. Ein erster Schritt aus dem vermeintlichen Hochstaplertum kann das offene Gespräch mit Vertrauten sein. Bestätigung von Freunden und Familie öffnet Betroffenen oftmals die Augen und lässt sie beginnen, Erfolgssituationen zu reflektieren und an das eigene Können zu glauben. Alicias Leben änderte sich, als ein Kollege - der ihrer Definition eines guten Programmierers entsprach - ihren JavaScript-Code lobte.

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Kommentar (1)

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  1. Anonym

    Ich wusste gar nicht, dass es dafür einen Namen gibt... dann bin ich wohl auch betroffen :/. Ist aber sehr gut zu wissen und ein interessanter Artikel!

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