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"Wer den Bachelor richtig machen will, muss die Uni neu machen"

Stop ! (Quelle: freeimages.com, Autor: linder6580)

Quelle: freeimages.com, linder6580

Eine neue Studie bescheinigt Bachelor-Studiengängen hohe Abbrecherquoten. Mitautor Ulrich Heublein sagt im Interview: Schuld daran sind die Universitäten – nicht Bologna.

 

ZEIT ONLINE: Dank Ihrer Studie haben wir es jetzt schwarz auf weiß: Der Bachelor ist gescheitert.

Ulrich Heublein: Wie kommen Sie denn darauf?

ZEIT ONLINE: Die Zahlen, die Sie im Auftrag des Bundesbildungsministeriums erhoben haben und die jetzt veröffentlicht wurden, zeigen es doch eindeutig: Während in den verbliebenen Diplomstudiengängen an den Universitäten nur 24 Prozent der Studenten ihr Studium abbrechen, sind es in den neuen Bachelorprogrammen erschreckende 35 Prozent.

Heublein: Das stimmt, wer aber daraus folgert, die alten Studiengänge seien besser, der versteht die Grundlagen unserer Studie nicht. In Wirklichkeit lassen sich die Zahlen nämlich gar nicht miteinander vergleichen, weil die Situation in den wenigen verbliebenen Diplomstudiengängen eine ganz andere ist.

ZEIT ONLINE: Mag sein. Aber selbst wenn man sich nur die Bachelorprogramme anschaut, stellt man fest: Die Abbrecherquote ist seit der letzten Erhebung 2010 um drei Prozentpunkte gestiegen. Dabei sollten die neuen Abschlüsse doch genau das Gegenteil erreichen.

Heublein: Auch dieser Vergleich ist statistisch nicht haltbar. Bei den Studienanfängerjahrgängen von 2004/2005, deren Studienerfolg wir 2010 analysieren konnten, waren die Fächer, die bereits auf die neuen Abschlüsse umgestellt hatten, eine sehr beschränkte Auswahl.

ZEIT ONLINE: Also alles super? Das können Sie doch nicht ernst meinen.

Heublein: Das sage ich auch nicht. Ich sage nur, dass man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen sollte, um eine schöne Schlagzeile zu bekommen. Die Probleme liegen woanders, sie haben weniger mit Diplom oder Bachelor zu tun, sondern die wirklich interessanten Unterschiede liegen zwischen den Hochschularten und den Fächergruppen.

ZEIT ONLINE: Inwiefern?

Heublein: Weil es zum Beispiel offensichtlich Fächergruppen gibt, die die Umstellung – zumindest für die Jahrgänge 2006/2007 – vergeigt haben. Ich spreche hier explizit die Ingenieurwissenschaften an, da kommen wir an den Universitäten auf eine Abbrecherquote von 48 Prozent. Das ist gewaltig. Jeder Zweite ist so schockiert vom Studium, dass er sich für immer von einer akademischen Ausbildung verabschiedet.

ZEIT ONLINE: Was läuft da falsch?

Heublein: Es gibt in den Ingenieurwissenschaften offenbar immer noch eine Kultur des Rausprüfens. Dazu passt, dass man die schwersten Grundlagenfächer in die ersten Semester packt und damit Studenten scheitern lässt, die es eigentlich schaffen würden, wenn man sie mit mithilfe von mehr Betreuung systematisch ans Studium heranführen würde. Das war zwar schon im Diplom so, hat sich im Bachelor aber noch verschärft. Denn die Zeit bis zu den ersten Prüfungen ist kürzer geworden. Dass es auch anders geht, sieht man zum Teil an den Fachhochschulen.

ZEIT ONLINE: Wieso das denn? Berühmt sind die Abbrecherquoten bei den FH-Ingenieuren nun nicht gerade. In der Elektrotechnik gibt zum Beispiel immer noch mehr als jeder dritte Bachelorstudent vorzeitig auf.

Heublein: Stimmt, das ist aber immerhin schon deutlich weniger als letztes Mal. Insgesamt hat sich die Abbrecherquote unter FH-Bachelorstudenten in den vergangenen Jahren fast halbiert: Von 35 Prozent ging es auf 19 Prozent runter. Und auch in den Ingenieurwissenschaften lässt sich eine positive Entwicklung konstatieren. Das ist erstaunlich gut und macht Hoffnung. Man kann sagen: Die Fachhochschulen hatten ihren Abbrecherschock vor drei, vier Jahren, sie haben eingesehen, dass da gehörig was falsch läuft, umgesteuert und die Kurve gekriegt. Jetzt wiederholt sich die Geschichte bei den Universitäten, und ich hoffe doch sehr, dass der Schreck bei ihnen ähnlich heilsam wirkt.

ZEIT ONLINE: Jetzt machen Sie es sich aber zu einfach. Der verschulte Bachelor passt doch auch viel besser zu Fachhochschulen als zu Universitäten, wo die Freiheit der Bildung durch Wissenschaft im Vordergrund steht.

Heublein: Ich finde, da machen Sie es sich zu einfach. Das Ideal des in trauter Zweisamkeit mit seinem Professor philosophierenden Studenten ist doch in Zeiten der Massenuniversität schon lange vor dem Bachelor vorbei gewesen. Darauf muss man reagieren. Wenn man es tut, konsequent die Curricula neu strickt, die Betreuung der Studenten verbessert oder zum Beispiel Brückenkurse einrichtet, dann sinken die Abbrecherquoten. Ob in den alten oder in den neuen Studiengängen.

ZEIT ONLINE: Anders ausgedrückt: Wenn man den Bachelor gut machen will, muss man die Uni abschaffen.

Heublein: Unsinn. Wenn man den Bachelor richtig machen will, muss man die Uni neu machen. Natürlich gibt es universitäre Tugenden, die es zu erhalten gilt: das Mehr an Wahlmöglichkeiten etwa, das Festhalten am internationalen und am interdisziplinären Wissenschaftsdiskurs. Aber das geht doch auch im Bachelor. Ich finde, die neuen Studiengänge stellen eine echte Chance dar für eine studentenorientierte Lehre. Über die wurde lange nur geredet, aber nichts hat sich getan. Jetzt muss man in diese Richtung vorangehen, wenn man will, dass der Bachelor ein Erfolg wird.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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Kommentare (4)

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  1. Moajajaks

    Dieses Gequatsche...

    ...geht mir dermaßen gegen den Strich. Meine Eltern sind beide Rentner, mit wenig Einkommen, hinzu kommt, dass beide keine Akademiker waren/sind, dennoch habe ich mein B.Sc. Studium in 5 (in Worten: fünf!!!) Semestern abgeschlossen, nebenbei gearbeitet und viel Zeit genossen. Dieses Gequatsche, dass die armen, armen Studenten so unter Druck stehen ist einfach shit! Der Punkt ist, dass unsere Gesellschaft vorsieht, jeder müsse ein Studium ablegen. Deshalb gehen viele nach dem Abi ein Studium an, obwohl sie nicht dafür geeignet sind. Und warum sind hohe Abbruchsquoten schlecht!? Wenn man für etwas die Leistung nicht bringt, ist man nicht geeignet diesen Beruf auszuüben! Sorry, aber hier musste mal ordentlich Luft raus!

  2. Anonym

    Hallo, einige Artikel auf e-fellows.net. darunter auch diesen, übernehmen wir von ZEIT Online. Da wir an diesen Artikeln nichts mehr ändern dürfen, müssen wir uns auch auf die Qualitätskontrollen der ZEIT-Redaktion verlassen. Aber ich würde meinen, dass die ZEIT da nicht die schlechteste Adresse darstellt. Da deine Fragen aber durchaus berechtigt sind, hier der Link zur Studie: http://www.his.de/pdf/pub_fh/fh-201203.pdf Viele Grüße Judith

  3. Student

    Grundlage des Artikels

    e-fellows.net hebt einen hohen Anspruch sich selbst, wo ist also der Anspruch an einen korrekten Artikel? Auf welcher Studie genau wurde den die Aussagen gemacht. Es wäre ein leichtes die korrekte Studie hier zu verlinken. Es gibt unterschiede in den Abbrecherquoten? Auf welchem Signifikanzniveau, welche Menge wurde betrachtet und wie sind die Untersuchungsobjekte zusammengesetzt? Wurde über alle Studiengänge hinweg betrachtet oder einzelne Studiengänge herausgegriffen. Etc... die Liste lässt sich beliebig verlängern.

  4. dRd3luX3

    Die besten Artikel?

    Wer hat denn hier die Fragen gestellt? Wieder ein Ex-Langzeitstudent, dem frustiert nichts anderes eingefallen ist, als Journalist zu werden und sich von jeder Änderung der Hochschullandschaft angegriffen fühlt? Sie könnte ja sein eigenes Studium entwerten.

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