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Nur intelligent – oder schon hochbegabt?

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Quelle: Unsplash.com, Thought Catalog

Warum sind manche Menschen intelligenter als andere? Wann gilt jemand als hochbegabt – und vor allem: Was hat er dann davon? Eine Hochbegabungsforscherin und eine Vertreterin des Hochbegabtennetzwerks Mensa erklären, wie Intelligenz sich verteilt und zuverlässig gemessen werden kann.

Gibt es einen Intelligenztest, den jeder Mensch unabhängig von seinem kulturellen Hintergrund gleich gut – oder gleich schlecht – lösen kann? Mit dem man beispielsweise den IQ eines Mitteleuropäers genauso gut messen kann wie den einer Person, die in einer Kultur ohne Schrift und Zahlen aufgewachsen ist? Sind Menschen dafür nicht zu unterschiedlich – und spielen nicht zu viele Faktoren in den Begriff Intelligenz hinein?

"Jeder Intelligenztest prüft letztlich nur einen bestimmten Ausschnitt dessen, was Intelligenz ausmacht", erklärt Tanja Gabriele Baudson, Hochbegabungsforscherin an der Universität Luxemburg. "Je nachdem, was mit dem Test erreicht werden soll, liegen die Schwerpunkte anders: Ein gehörloses Kind testen Sie mit anderen Verfahren als eine Jugendliche, die eine Klasse überspringen soll."

Auch Hochbegabte können nicht alles (gleich gut)

Dabei gibt es kein psychologisches Merkmal, das sich zuverlässiger erfassen lässt als Intelligenz. Zu den messbaren intellektuellen Fähigkeiten zählen sprachliches, numerisches und figürliches Denken. Dass jemand in allen Bereichen herausragend abschneidet, kommt eher selten vor, vorausgesetzt, der verwendete Test ist anspruchsvoll genug.

Die meisten Hochbegabten haben daher ein Begabungsprofil mit verschieden ausgeprägten Stärken: Dies lässt sich durch Testaufgaben nachweisen, die ausreichend unterschiedliche Bereiche abfragen.

Intelligenz und Hochbegabung

Doch wo liegt der Unterschied zwischen Intelligenz und Hochbegabung? Hört das eine auf, wo das andere anfängt?

"Es gibt verschiedene Hochbegabungsmodelle", so Baudson. "Bei intelligenzbasierten Modellen wird, wie der Name schon sagt, Hochbegabung mit stark überdurchschnittlicher Intelligenz gleichgesetzt. Bei den meisten hierzulande üblichen Intelligenztests wird als Kriterium üblicherweise ein IQ von mindestens 130 angesetzt. Das ist aber rein statistisch begründet und bedeutet nicht, dass man ab dieser Schwelle zu einer anderen Person wird. In anderen Modellen wird Hochbegabung hingegen mit hohen Leistungen, also bereits entwickeltem Potenzial, identifiziert. Außerdem beschränkt sich nicht jedes Hochbegabungsmodell allein auf kognitive Fähigkeiten."

Das 'Differentiated Model of Giftedness and Talent' beispielsweise, das der US-amerikanische Psychologe Françoys Gagné seit den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts (weiter)entwickelt, geht davon aus, dass die Grundlagen für Begabungen von Natur aus gegeben sind und sich in vielen Bereichen zeigen können – auf intellektuellem ebenso wie in kreativem, sozialem oder sportlichem Terrain. Trotzdem hängt es von zahlreichen Bedingungen ab, ob sich diese Begabungen auch in konkreten Leistungen niederschlagen.

Begabung + Katalysator = Talent

Nach Gagné lassen sich Begabungen mit Hilfe von sogenannten Katalysatoren zu Talenten weiterentwickeln. Diese Katalysatoren können einerseits in der Person verankert sein, wozu etwa intrinsische Motivation oder das Fehlen von Prüfungsangst zählen.

Andererseits beeinflussen auch äußere Faktoren (wie die schulische oder familiäre Umgebung) die Entwicklung der unterschiedlichen Talente. Laut Gagné spielt aber auch das Glück eine wichtige Rolle – etwa, zur richtigen Zeit am richtigen Ort auf die richtige Person zu treffen.

Zwei Prozent der Weltbevölkerung sind hochbegabt

Wie oben erwähnt, gelten Menschen mit einem Intelligenzquotienten von über 130 Punkten nach einer häufig verwendeten Definition als hochbegabt. Dieser statistische Wert ergibt sich, weil der IQ in der Bevölkerung annähernd normal verteilt ist (mit dem Mittelwert 100 und der Standardabweichung 15). Der Mittelwert plus die zweifache Standardabweichung ergibt 130 Punkte.

Viele Hochbegabte wissen allerdings gar nicht, dass sie überdurchschnittliche kognitive Fähigkeiten besitzen, da die meisten ihre Intelligenz nie mit wissenschaftlichen Methoden überprüfen lassen. "Wer ohne größere Probleme durchs Leben kommt, sieht meist keinen Anlass zu einem Test, ob hochbegabt oder nicht", erklärt Forscherin Baudson. "Der psychologischen Diagnostik geht häufig ein Störfall voraus, wie zum Beispiel ein Versagen in der Schule."

Im Schatten der Klischees

Wie Termans "Genie"-Studie (siehe Infokasten) und nachfolgende Forschungen nahelegen, sind Hochbegabte – abgesehen von ihren kognitiven Fähigkeiten und damit assoziierten Vorstellungen – ziemlich unauffällig. Psychische Schwierigkeiten oder besondere Eigenschaften, wie beispielsweise ein geringes Schlafbedürfnis, kommen bei ihnen nicht häufiger vor als bei durchschnittlich Begabten.

Wie kommt es dann, dass ihnen das Klischee des Überfliegers, verschlossenen Nerds oder verrückten Professors anhaftet? "Unter den Hochbegabten gibt es genauso viele auffällige Persönlichkeiten wie unter allen anderen Menschen auch", erklärt Baudson, "aber die Kombination von auffälliger Persönlichkeit und Hochbegabung bleibt eben besonders gut im Gedächtnis."

Dass das Klischee des verschrobenen Hochbegabten tatsächlich in vielen Köpfen existiert, konnte Baudson in verschiedenen Studien nachweisen: "Eine repräsentative Untersuchung hat gezeigt, dass zwei Drittel der Deutschen Hochbegabung mit sozialen und emotionalen Problemen assoziieren – man kann sich lebhaft vorstellen, was ein so unbegründetes Klischee mit einem macht, wenn man hochbegabt ist."

Zentraler Puzzlestein im Mosaik

Doch warum sollte jemand eigentlich wissen wollen, dass sie oder er hochbegabt ist? "Für manche Menschen ist die Erkenntnis, hochbegabt zu sein, der zentrale Puzzlestein einer lebenslangen Suche und ein wichtiger Schritt, um sich besser zu verstehen", sagt Baudson. "Insbesondere diejenigen, die in ein ungünstiges Umfeld hineingeboren wurden, können ihr gefühltes Anderssein dann besser einordnen."

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