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Die Hörsäle von gestern

Studenten Geschichte Hamburg (Quelle: Staatsarchiv Hamburg  720-1 388-00 = 55903 II)

Quelle: Staatsarchiv Hamburg  720-1 388-00 = 55903 II 

BAföG gab’s schon im Mittelalter, Auszugspartys geschahen früher zu Pferd und Talare waren nicht staubresistent. Bis das Studium so aussah wie heute, war es ein langer Weg. Ein Blick zurück auf drei historische Episoden des Studentenlebens und darauf, was davon in deinem Studium noch zu spüren ist.

Ob du willst oder nicht, als Student stehst du in einer langen Tradition von Flegeln, Freigeistern und Faulenzern – eine Tradition, die bis ins Mittelalter zurückreicht.

15. Jahrhundert: "Tod den Studenten!"

Würdest du an eine Uni von vor 600 Jahren zurückversetzt, käme dir zumindest als Mann auf den ersten Blick vieles vertraut vor. Frauen hingegen waren an deutschen Universitäten erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts häufiger zu sehen. Der Dozent liest vor, du schreibst mit. Nach der Vorlesung geht’s mit deinen Kommilitonen zurück in die Burse oder ins Kollegium (das Studentenwohnheim), um dort zu speisen und anschließend weiterzulernen. Am Abend ziehst du mit den anderen um die Häuser – vor allem dann, wenn ein neuer Student angereist ist: Neuankömmlinge werden stets mit Saufgelagen begrüßt.

Kein Wunder, dass Studenten schon im Mittelalter als trinkfest und streitsüchtig galten. Weil sie auch Waffen tragen durften, entstand eine gefährliche Mischung: So manche Kneipenprügelei endete damit, dass einer der Streithähne ein Körperteil verlor – oder das Leben.

Das heutige BAföG ist ein trauriger Ersatz dafür, wie Studenten im Mittelalter versorgt wurden. Zwar warst du als Studiosus im 15. Jahrhundert nicht gerade reich, aber die Kirche spendierte dir eine Unterkunft, Verpflegung und ein Taschengeld und schenkte dir obendrein die beste Rechtsschutzversicherung, die es gab: Während andere Bürger für kleine Vergehen hart bestraft wurden, drohten dir höchstens ein paar Nächte im Karzer, dem hauseigenen Uni-Gefängnis. Warum kamst du so milde davon? Universitäten waren kirchliche Einrichtungen, und ihre Studenten damit Geistliche, für die eine andere, mildere Rechtsprechung galt. Im Laufe der Zeit wurde es so zur Mutprobe, in dem albernen Gefängnis zu landen, und die Karzer wandelten sich langsam zu Partykerkern. In Heidelberg, Göttingen, Jena und anderen Universitätsstädten kannst du die studentischen Gefängnisse heute noch besichtigen.

Als mittelalterlicher Student hättest du wegen deines rechtlichen Sonderstatus eine Menge Neid auf dich gezogen, der sich wiederholt in sogenannten Studentenkriegen entlud, zum Beispiel 1406 und 1422 in Heidelberg. Mit Fackeln, Äxten, Pfeil und Bogen zogen Bürger der Stadt durch die Gassen und brüllten: "Tod den Studenten!" Dir wäre dann nur übriggeblieben, dich ins Haus des Rektors zu retten und von dort aus zuzusehen, wie deine Burse unter dem Beifall der Nachbarn niederbrannte.

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