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Gene für Intelligenz gefunden

Junge mit Brille [Quelle: Fotolia]

Quelle: Fotolia

Wer intelligent ist, kommt leichter durchs Leben. Wie klug man ist, bestimmt auch das Erbgut. Genetiker haben 40 unbekannte Intelligenz-Gene gefunden. Was bringt's?

Intelligente Menschen sind körperlich gesünder, psychisch stabiler und dadurch im Schnitt mit einem höheren Alter gesegnet. Doch was bestimmt, wie klug jemand ist? Fest steht: Das Umfeld, in dem Kinder aufwachsen und gefördert werden, ist bedeutend. Doch schon im Erbgut ist Intelligenz festgeschrieben, wie Zwillingsstudien gezeigt haben. Unklar war bislang aber, welche Gene sich auf den IQ auswirken.

Mit einem neuen Ansatz hat ein internationales Forscherteam nun 40 bislang unbekannte Gene entdeckt, die Intelligenz beeinflussen. Die meisten davon sind im Gehirn aktiv und steuern dort zellbiologische Vorgänge, wie sie berichten (Nature Genetics: Sniekers S et al., 2017).

Untersucht haben die Forscher um die niederländische Genetikerin Danielle Posthuma Daten von mehr als 78.000 Menschen europäischer Abstammung. Sie haben verschiedene Einzelstudien an Erwachsenen und Kindern zu einer größeren Meta-Analyse kombiniert und damit die statistische Aussagekraft erhöht.

Neu ist daher vor allem das methodische Vorgehen der Studie. "Man ist nicht mehr allein auf Zwillingsstichproben angewiesen, sondern kann quasi weltweit auf alle Personen zugreifen, die ihre Intelligenztestleistung und ihr Genom zur Verfügung gestellt haben", sagte Elsbeth Stern, Leiterin des Instituts für Verhaltensforschung der ETH Zürich dem Science Media Center (SMC). Aus Zwillingsuntersuchungen sei mittlerweile bekannt, dass Intelligenzunterschiede bis zu 80 Prozent genetisch bestimmt sind. "Allerdings nur in Gesellschaften, die sich durch ein hohes Maß an Chancengerechtigkeit auszeichnen, wie das bei westlichen Gesellschaften einigermaßen der Fall ist."

Konkrete Gene zu finden, bleibt aufwendig

Unklar bleibt, welche Gene in welchem Ausmaß verantwortlich sind. "Von 75 Prozent der Varianz in der Intelligenz wissen wir zwar, dass sie auf Gene zurückzuführen sind, aber wir wissen nicht, welche Gene es sind", sagte Stern. Sie sei sich unsicher, ob Intelligenzforscher hier weiterkommen werden. Zudem machen vielleicht gar nicht die Gene selbst den entscheidenden Unterschied aus, sondern eher die Steuerelemente im Erbgut, die bestimmen, ob und wie häufig eine Erbanlage wirksam wird (vgl. DIE ZEIT 23/15).

Was die Studie von Posthuma und Kollegen interessant macht: Für die zuverlässige Bestimmung einzelner Genorte auf den Chromosomen waren die bisherigen Zwillingsstichproben zu klein. "Die nun veröffentlichte ist auf jeden Fall ein guter Weg, die Genorte zu finden", sagt Stern. "Allerdings ähnelt die Suche nach konkreten Genen der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen."    

Bleibt noch die Frage, was es bringt, diese Gene zu kennen. "Zunächst einmal wenig", sagt Stern, "erst wenn man Gene findet, aus denen sich zuverlässig Lernstörungen ableiten lassen, könnte man früher mit gezielten Fördermaßnahmen beginnen."

Gene sind bloß das Saatgut

Genetische Intelligenztests hingegen gelten weiterhin als unmöglich. "Dazu haben die bekannten Varianten einen zu geringen prädiktiven Wert. Das heißt, die Vorhersagekraft für das Gesamtmerkmal ist gering", sagt André Reis dem SMC. Wie der Direktor des Humangenetischen Instituts in Erlangen erklärt, mache die Erblichkeit zudem insgesamt nur etwa die Hälfte der Varianz aus: "Umwelteinflüsse sind nach wie vor vergleichbar wichtig."

Anders ausgedrückt: Je nachdem, auf welchem Boden genetisch identische Samenkörner gepflanzt werden, entwickelt sich daraus eine gesunde, kräftige Pflanze – oder sie verkümmert. Gene haben also einen starken Einfluss, sind aber nicht allein bestimmend.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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