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Wohnungssuche, Studentenwohnung [Quelle: pixabay.com]

Quelle: pixabay.com

In vielen Städten fehlt es an bezahlbaren Wohnungen für Studenten. Wohnheimplätze sind rar. Das macht mancherorts erfinderisch.

Alena Dietl freut sich immer noch. Zum Wintersemester hat die Zwanzigjährige ihr Geographiestudium in Göttingen aufgenommen und gleichzeitig mit ihrem Freund und einem weiteren Pärchen ihre erste eigene Wohnung bezogen. 100 Quadratmeter, nah bei der Uni, perfekt geschnitten, mit riesigem überdachten Balkon und verwildertem Garten. Das beste aber: Weil die Wohnung über einem leerstehenden Büro liegt, gibt es praktisch keine Nachbarn und somit niemanden, den gelegentliche Feiern oder Essen mit Freunden stören. "Besser hätte es nicht kommen können", findet Alena.

Ihr würde wohl kaum einer widersprechen, der sich mit den Themen "Wohnungssuche und Wohnen für Studenten" auskennt. Gut eine halbe Million Abiturienten haben 2016 in Deutschland ein Studium aufgenommen und wohl nur wenigen fiel die Wohnungssuche so leicht wie Alena. Gemeinsam mit ihrem Freund kam sie ein paar Tage vor Studienbeginn nach Göttingen. Drei Besichtigungstermine hatte sie zuvor online vereinbart, gleich der erste war ein Treffer – zwei Wochen später der Umzug.

Wie Wohnungssuche für Studenten in Deutschland sonst aussieht, lässt sich zu Beginn jedes Semesters in den Lokalzeitungen der Universitätsstädte lesen. Vor allem zum Winter, wenn 80 Prozent aller Studenten starten, ist die Lage vielerorts katastrophal. Bei Wohnungsbesichtigungen stehen die Bewerber Schlange, und selbst WGs veranstalten nicht selten regelrechte Castings. Nicht wenige der Neuankömmlinge müssen oft monatelang mit Notlösungen vorliebnehmen, in Turnhallen, Gemeinschaftsräumen von Wohnheimen oder gar bei Minustemperaturen in Zelten schlafen. Auch Alena kennt Mitstudenten, denen es so geht.

Szenenah und finanzierbar soll es sein

Dabei sind die Wünsche, mit denen die Neuankömmlinge kommen, in der Regel gar nicht so vermessen. Szenenah soll es sein und finanzierbar. Lange vorbei sind die Zeiten, in denen das Wohnen in Bursen oder Kollegien normal war, wo die Studierenden nach strengen Regeln und aus einer Kasse lebten. Auch das Dachzimmer zur Untermiete hat ausgedient. Mehr als 90 Prozent der heutigen Studenten möchten allein, mit Partner oder in Gemeinschaften leben – und den Alltag selbst organisieren. Zu diesem Ergebnis kam die jüngste Sozialerhebung aus dem Jahr 2012. Gerade einmal ein Prozent kann sich noch vorstellen, zur Untermiete zu wohnen, und nur 6 Prozent möchte im elterlichen Haushalt bleiben.

Die Realität ist oftmals anders. Fast ein Viertel aller Studenten harrt letztlich doch bei den Eltern aus, viele andere nehmen mit Hilfs- und Zwischenlösungen vorlieb – entweder, weil der Wohnungsmarkt nichts hergibt oder der Wohnwunsch einfach nicht finanzierbar ist. Oder beides. Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, befürchtet, dass dieser Notstand inzwischen sogar die Wahl des Studienfachs beeinflusst. Die des Studienortes sicher. Auch für Alena und ihre Freunde kam ein Studium in ihrer Heimatstadt München nicht in Frage. "Mietpreise ab 500 aufwärts für ein Zimmerchen in der Peripherie? Sinnlos, darüber nachzudenken."

Nicht ganz 300 Euro beträgt Alenas Anteil an der Warmmiete – und schon das heißt für den Alltag: einschränken. Dabei hat die Neugöttingerin auch hier Glück, auf rund 340 Euro Miete schätzt Meyer auf der Heyde den derzeitigen Schnitt, 298 Euro waren es 2012. Davon können nicht nur Studenten in München träumen. Der aktuelle Preisindex des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und der der Deutschen Real Estate Funds zeigt: Zwischen 2010 und 2015 stiegen die Preise für die typische Studentenwohnung in fast allen Universitätsstädten um zweistellige Prozentwerte.

15 Euro je Quadratmeter heißt das für München, aber auch in Frankfurt, Hamburg oder Stuttgart geht für weniger als 10 Euro praktisch nichts mehr. Das Problem: Die Studenten konkurrieren mit vielen Gruppen um bezahlbaren Wohnraum. Ganz allgemein mit sozial Schwächeren, aber auch mit jungen Familien, mit Älteren, die es nach der Kinderphase wieder in die Stadt zieht, und jetzt auch noch mit den Flüchtlingen.

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