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Von Blitzmerkern und Underachievern

Schach, König, Intelligenz [Quelle: pixabay.com]

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Nur zwei Prozent der Weltbevölkerung sind hochbegabt. Doch wer darf sich diesem elitären Zirkel überhaupt zurechnen? Und bringt ein hoher IQ automatisch den Zugang zu den Chefetagen dieser Welt? Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Intelligenz und Hochbegabung.

Was ist Intelligenz?

Intelligenz bezeichnet die kognitive Leistungsfähigkeit eines Menschen. Eine allgemeingültige Definition gibt es bisher nicht. Einigkeit herrscht in der Wissenschaft allerdings darüber, dass sich Intelligenz aus verschiedenen Teilfähigkeiten zusammensetzt. Dazu gehören verbale, numerische, figurale und prozessuale Fähigkeiten ebenso wie das Gedächtnis. Je nach Gewichtung dieser Teilfähigkeiten ergeben sich unterschiedliche Intelligenzmodelle, auf deren Grundlage entsprechende Intelligenztests entwickelt werden. Da also jeder Test unterschiedliche Schwerpunkte setzt, ist der mithilfe eines Tests ermittelte Intelligenzquotient (IQ) immer nur das Ergebnis der mit diesem spezifischen Test vorgenommenen Messung – und kein absoluter Wert. Schon 1923 stellte der US-amerikanische Experimentalpsychologe Edwin Boring fest: "Intelligenz ist, was der Intelligenztest misst."

Generell ist Intelligenz eines der stabilsten Merkmale unserer Persönlichkeit, sofern das Gehirn nicht durch mechanische Einwirkungen, Krankheiten oder toxische Substanzen beeinträchtigt wird. Dies belegen hohe Korrelationen zwischen IQ-Werten von Kindern und ihren IQ-Werten in der Lebensmitte.

Was ist von IQ-Tests zu halten und warum sollte ich mich testen lassen?

Die Messung von Intelligenz durch Psychologen hat eine lange Tradition und ist eines der am besten abgesicherten Gebiete in der Psychologie. Es gibt eine Reihe teils sehr verschiedener Testverfahren, die alle die Kriterien für einen wissenschaftlichen Test erfüllen. Wenn ein erfahrener Psychologe einen solchen Test durchführt, kann also grundsätzlich von einem gesicherten Ergebnis ausgegangen werden. Er muss nämlich auch beurteilen, welches Verfahren für die jeweilige Person und Zielsetzung zur Messung geeignet ist. So kommt zum Beispiel nicht jeder mit einer Gruppentestsituation zurecht, in der Aufgaben unter Zeitdruck absolviert werden müssen. Eine dialogorientierte Einzeluntersuchung erzielt in manchen Fällen aussagekräftigere Ergebnisse.

"Soziale" oder "emotionale" Intelligenz wird übrigens in keinem der anerkannten Testverfahren untersucht, da Intelligenz in psychologischen Fachkreisen als rein kognitive Grundbefähigung begriffen wird. Wie erfolgreich diese dann in der Umwelt eingesetzt wird, erfassen IQ-Tests nicht. Es gibt immer wieder Versuche, diesbezügliche Fähigkeiten ebenfalls durch Tests zu erfassen. Bisher hat sich allerdings kein Verfahren durchgesetzt, sodass der Begriff Intelligenz meist nur im engeren, sprich kognitionsbezogenen Sinn gebraucht wird.

Doch warum sollte man überhaupt seine Intelligenz messen lassen? Ein Anwendungsfall bei Kindern kann ein plötzlicher Leistungseinbruch in der Schule sein. Ein Intelligenztest gibt in einem solchen Fall Aufschluss über eine mögliche unentdeckte Hochbegabung, liefert Hintergründe zum vorliegenden Problem – nämlich Unterforderung – und eröffnet Lösungsansätze. Für viele Erwachsene dagegen ist ein IQ-Test die Bestätigung einer Lebenshypothese: Der Wert soll persönliche Eigenarten erklären und Wege der Weiterentwicklung aufzeigen. Dabei ist oft die Zahl weniger wichtig als das kognitive Leistungsprofil, das sich aus dem Test ergibt. Wer in einem standardisierten Test als hochbegabt eingestuft wird, eröffnet sich außerdem – beispielsweise über eine Mitgliedschaft bei Mensa – die Möglichkeit, andere hochbegabte Menschen kennenzulernen.

Was ist Hochbegabung?

Ob eine Person hochbegabt ist, lässt sich letztlich nur mit einem IQ-Test feststellen. Zwar gibt es – auch bei Kindern – einige Merkmale, die auf eine Hochbegabung hindeuten. Dazu gehören häufige originelle Ideen, eine ausdrucksvolle, nuancierte und flüssige Sprache, hohe Selbstständigkeit, ein umfangreiches Detailwissen in manchen Bereichen, eine außergewöhnliche Beobachtungsgabe oder die Tendenz, schnell über Situationen zu bestimmen. Hervorragende Denkfähigkeiten können sich auch darin zeigen, dass ein Mensch leicht Ähnlichkeiten und Unterschiede, Zusammenhänge oder Regelmäßigkeiten erkennt, Ursache-Wirkungs-Beziehungen begreift oder sich schnell in unbekannte Themen einarbeitet. Allerdings haben sich Checklisten mit derartigen Kriterien in der Wissenschaft nicht durchgesetzt. Oft sind die entscheidenden Eigenschaften so vage formuliert, dass ein zu großer Interpretationsspielraum bleibt und sie letztlich fast jedem zugeschrieben werden können.

Misst man nach wissenschaftlichen Standards, sind nur zwei Prozent der Weltbevölkerung hochbegabt. Die Verteilung von Intelligenz folgt der sogenannten "Normalverteilung" (auch "Gauß-Kurve" oder "Glockenkurve" genannt). Etwa zwei Drittel aller Menschen sind durchschnittlich intelligent. Je weiter man sich in beide Richtungen von diesen Durchschnittswerten entfernt, desto seltener kommt eine solche Intelligenz vor.

Die Tests, die beispielsweise der Hochbegabtenverein Mensa verwendet, sind – wie die meisten IQ-Tests in Deutschland – auf einen Mittelwert von 100 und eine Standardabweichung von 15 skaliert. Der Durchschnittsbereich ist statistisch definiert als der Bereich von +/- einer Standardabweichung vom Mittelwert (IQ 85–115). Ein Wert gilt dann als deutlich über- oder unterdurchschnittlich, wenn er mindestens zwei Standardabweichungen über dem Mittelwert liegt. Daraus ergibt sich der bekannte Grenzwert von 130, ab dem auch eine Mitgliedschaft bei Mensa beantragt werden kann. Das Kriterium ist also rein statistischer, nicht inhaltlicher Natur. Jemand mit einem IQ von 128 unterscheidet sich in seinen Lernbedürfnissen praktisch nicht von jemandem mit einem IQ von 132.

 

Führt ein hoher IQ automatisch zu mehr Erfolg in Schule und Arbeitswelt? Oder: Ist großer Erfolg in Schule und Arbeitswelt der Beweis für Hochbegabung?

Ein hoher IQ führt nicht automatisch zu guten Schulnoten – aber auch nicht zwangsläufig zu sozialen Problemen. Beides sind typische Vorurteile, die zu Unrecht über hochbegabte Menschen  kursieren. Das Erbringen einer Schulnote beispielsweise setzt neben einer kognitiven Voraussetzung, die von Fach zu Fach unterschiedlich gefordert wird, auch eine Reihe weiterer persönlicher Eigenschaften voraus. Dazu gehören zum Beispiel Durchhaltevermögen, Frustrationstoleranz und soziale Einpassung. Insofern ist eine Zensur auch ein "soziales Gebilde". Eine wichtige Frage ist in diesem Zusammenhang auch die Motivation – auch die, sich zum Beispiel durch Übungs- oder Lernprozesse zu verbessern. Gerade hierbei tun sich einige begabte Menschen schwer.

Gute Zeugnisse setzen also mehr als nur eine hohe Begabung voraus. Ein Abitur von 1,0 spiegelt nicht unbedingt und ausschließlich die Fähigkeiten, sondern vor allem die Leistungsbereitschaft des Abiturienten wieder. Auch Menschen ohne Hochbegabung erreichen solche Abiturnoten, wohingegen Hochbegabte, je nach Leistungswillen oder persönlichen/familiären Lebensumständen, schlechtere Abiturnoten haben können oder erst gar kein Abitur erwerben.

Welche Rolle spielt aber der IQ im Berufsleben? Hohe Intelligenz bedeutet, dass man in Fachgebieten erfolgreicher sein kann, in denen es auf kognitive Fähigkeiten wie logisches Denken, sprachliche Analysefähigkeit, Merkfähigkeit oder Auffassungsgabe ankommt. Das trifft zum Beispiel auf die meisten Wissenschaften zu. Um allerdings dieses Intelligenzpotenzial erfolgreich einzusetzen, müssen auch im Arbeitsleben persönliche Eigenschaften wie Frustrationstoleranz oder Anstrengungsbereitschaft hinzukommen.

Bei Hochbegabten, die mit der Umsetzung ihres Potenzials in Schule oder Arbeitswelt Probleme haben, spricht man von "Underachievement". Mit Hilfe von entsprechenden Coaching-Angeboten können solche Leistungsblockaden abgebaut werden.

Schreibt man Hochbegabung in den CV?

In Deutschland ist es bisher eher unüblich, seinen IQ-Wert in einer Bewerbung anzugeben – anders als beispielsweise in den USA. In Deutschland kann demnach die Erwähnung des IQs als arrogant ausgelegt werden. Üblicher ist es da schon, die Mitgliedschaft in Hochbegabtenvereinen im Lebenslauf unterzubringen. Vorgesetzte könnten im schlechtesten Fall allerdings Probleme damit haben, wenn ihr zukünftiger Mitarbeiter höhere Ressourcen hat. Auch das Vorurteil, dass Hochbegabte soziale oder emotionale Schwierigkeiten mitbringen, hält sich trotz gegenteiliger wissenschaftlicher Belege hartnäckig.

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