Partner von:

Akademische Nomaden

Eine Frau arbeitet am Laptop. [Quelle: freeimages.com, Mario Alberto Magallanes Trejo]

Quelle: freeimages.com, Mario Alberto Magallanes Trejo

Sieben Studienorte in vier Jahren. In San Francisco startet die erste Eliteuni, die nur online lehrt.

Eine Studentin wie Alisha Frederiksson wünscht sich wohl jede Universität. Die 19-Jährige wurde in Ungarn geboren, der Vater ist Schwede, die Mutter Chinesin. Sie ging im kanadischen Vancouver zur Schule, ihren Abschluss machte sie im indischen Pune, wo sie die letzten beiden Schuljahre am internationalen United World College verbrachte. In der Zeit gründete sie auch ihr erstes Unternehmen: Es nennt sich Seema, ein soziales Projekt mit indischen Frauen, die nach ihren Entwürfen Schmuck herstellen, der dann international vertrieben wird. Die Einnahmen kommen der örtlichen Gemeinschaft zugute.

Ihre Universität hätte sich Alisha fast frei auswählen können. Die New York University Shanghai, an der man in den USA und China studiert, hatte sie bereits angenommen, mit einem vollen Stipendium. Aber Alisha Frederiksson entschied sich, an einem Bildungsexperiment teilzunehmen: Sie gehört zur Pilotklasse der ersten 33 Studierenden, die am kommenden Montag in San Francisco ihr Studium an der Minerva-Universität aufnehmen. Wenn das Experiment gelingt, wird sie am Ende ein Diplom in den Händen halten, um das sie junge Menschen in aller Welt beneiden dürften. Wenn es schiefgeht, endet das Projekt in einer wirtschaftlichen und bildungspolitischen Pleite.

"Meine Eltern waren zögerlich", erzählt Alisha, "sie konnten nicht gut mit der Ungewissheit umgehen. Aber als ich ihnen vorgerechnet habe, dass ich das Studium selbst finanzieren kann, waren sie dabei."

Minerva ist einerseits eine kommerzielle Privatuniversität – die haben nicht unbedingt den besten Ruf in den USA, es sind die Schulen, die in U-Bahnen und Bussen mit Anzeigen um Studierende werben. Aber Minerva will das Niveau der amerikanischen Top-Colleges erreichen – mit Studiengebühren, die nur etwa ein Viertel dessen betragen, was man in Harvard, Princeton oder Yale bezahlt. Damit wäre es die erste Neugründung eines humanistischen Liberal Arts College mit Eliteanspruch in den USA seit hundert Jahren.

Aber die neue Uni residiert nicht in efeuumrankten, ehrwürdigen Gemäuern, sondern im neunten Stock eines Bürogebäudes in San Francisco, umgeben von Internet-Start-ups. Minerva braucht keine Hörsäle, es wird die erste Universität sein, deren Unterricht komplett übers Netz abgewickelt wird.

Da denkt man natürlich sofort an die Moocs (massive online open courses), die in den vergangenen Jahren Millionen Wissbegierige aus aller Welt angezogen haben. Aber die Minerva-Kurse werden keine Massenveranstaltung sein, maximal 19 Teilnehmer soll jedes Seminar haben. Und die Studierenden werden zwar alle an ihrem Laptop sitzen, aber nicht allein, sondern im Kreis ihrer Kommilitonen. Die Uni mietet dafür Studentenunterkünfte in aller Welt an. Das erste Jahr verbringen die Studierenden in San Francisco, dann folgen Aufenthalte in Berlin, Buenos Aires, Mumbai, Hongkong, London und New York. Sieben Studienorte in vier Jahren, auch das soll den Horizont erweitern. Kostenpunkt: 10.000 Dollar Studiengebühr pro Jahr, umgerechnet 7.500 Euro. Dazu kommen noch etwa 14.000 Euro für Unterkunft und Lehrmaterialien. Das klingt viel für europäische Ohren, für amerikanische Verhältnisse ist es fast ein Schnäppchen.

Vor allem aber werden sich die Lehrinhalte stark unterscheiden von dem, was in Moocs gelehrt wird. Minerva soll seinen Studierenden das bieten, was den kostenlosen Onlinekursen fehlt: einen engen Kontakt mit den Professoren. Eine Gemeinschaft von Studierenden in den so prägenden Jahren zwischen 19 und 25. Und schließlich eine umfassende Bildung – jene schwer zu fassende Entwicklung der Persönlichkeit, die über die Vermittlung von Fakten hinausgeht.

Erkenntnisse der Lernforschung sollen das Onlinestudium leiten

Die Idee zu Minerva kommt aus dem Lockenkopf eines 39-Jährigen, der mit einem Start-up im Silicon Valley Millionen gemacht hat. Ben Nelson war Präsident von Snapfish, einem Online-Fotodienst. 2005 wurde die Firma für 300 Millionen Dollar an Hewlett-Packard verkauft. Nelson setzte es sich in den Kopf, die universitäre Bildung zu revolutionieren, ganz ohne staatliche Hilfe. Dafür trieb er 25 Millionen Dollar Risikokapital auf.

nach oben

In der Stipendien-Datenbank findest du fast 900 Stipendien von 500 Institutionen - für Bachelor, Master, Praktikum und Promotion.

Tipps fürs Studium und

Infos zu Top-Unis - einmal

monatlich in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren