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"Ich nenne es das Bridget-Jones-Phänomen"

Einsamkeit, Grau, Depression [Quelle: unsplash.com, Autor: Pedro Gabriel Miziara]

Quelle: unsplash.com, Pedro Gabriel Miziara

Einsam sind nur die Alten? Nicht ganz. Rebecca Nowland forscht über die Ursachen und Gefahren von Einsamkeit und sagt: Gerade die 20- bis 30-Jährigen haben ein Problem.

Frau Nowland, Sie forschen in Großbritannien zum Thema Einsamkeit, dort ist gerade ein Minister for Loneliness ernannt worden. Was kann Politik gegen Einsamkeit tun?

Für Aufmerksamkeit sorgen. Und erklären, warum es Aufgabe der Gesellschaft ist, Einsamkeit zu bekämpfen. In unserer individualistischen Zeit wird oft der oder die Einzelne für seine Einsamkeit verantwortlich gemacht. Aber es ist eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft, denen entgegenzukommen, die sich von ihr ausgeschlossen fühlen, auch in großen Gruppen. Auf einer Party heißt das zum Beispiel, auf jemanden zuzugehen, der am Rand steht und sich an seinem Glas festhält.

Und die Politik?

An diesem politischen Posten ist sicher gut, dass offiziell anerkannt wird: Wir haben ein Einsamkeitsproblem, auf das wir achten müssen. Wir haben ein Recht darauf, nicht einsam zu sein. Ich würde mir aber wünschen, dass der Fokus nicht ausschließlich auf ältere Menschen gelenkt wird, wie es in der aktuellen Debatte oft der Fall ist. Es gibt zu wenig Aufmerksamkeit für jüngere Menschen, die laut unseren Studien besonders einsam sind.

Trotz voller Hörsäle und Großraumbüros?

Dass die Einsamkeit bei den 18- bis 35-Jährigen am höchsten ist, hat mich selbst überrascht. Es ist wichtig, zwischen Alleinsein und Einsamkeit zu unterscheiden.

Wie wird Einsamkeit definiert?

Es gibt verschiedene Definitionen von Einsamkeit. Die bekannteste Definition stammt von Peplau und Perlman aus dem Jahr 1982 und besagt, dass Einsamkeit ein subjektiv erfahrener Zustand ist, bei dem Menschen eine Diskrepanz zwischen den zwischenmenschlichen Beziehungen fühlen, die sie haben, und denen, die sie sich wünschen. Einsam ist also, wer sich mehr oder tieferen sozialen Kontakt wünscht, den aber aktuell nicht hat. Man kann alleine sein, aber dabei sehr glücklich – oder umgeben von Hunderten Studierenden im Audimax und sich trotzdem furchtbar einsam fühlen.

Ich nenne es das Bridget-Jones-Phänomen: Nach einem Tag voller Arbeit, Meetings oder Seminare kommt man nach Hause und merkt plötzlich, wie einen die Einsamkeit überkommt. Tagsüber war das vielleicht nicht so spürbar. Aber jetzt sitzt man allein im Zimmer und merkt, dass man niemanden hat, den man anrufen kann.

Wir jungen Menschen sind eigentlich so vernetzt wie nie zuvor. Gibt es eine Verbindung zwischen unserer Social-Media-Nutzung und Einsamkeit?

Social Media kann Einsamkeit in der Tat beeinflussen – interessanterweise aber in beide Richtungen. Auf der einen Seite bauen Plattformen wie Instagram eine falsche Welt auf, in der alle perfekt wirken wollen. Gerade bei Teenagern haben wir in Studien außerdem festgestellt, dass Freundschaft quantifiziert wird – man ist mehr wert, je mehr Freunde man auf Facebook hast. Aber 800 Facebook-Freunde zu haben, macht nicht unbedingt weniger einsam, wenn zu keinem dieser Freunde eine enge Bindung besteht.

Gerade bei älteren Menschen kann Social Media umgekehrt dafür sorgen, dass sie sich weniger einsam fühlen. Wenn sie mit Kindern und Enkelkindern skypen können, die weit entfernt wohnen, oder über Messenger-Apps Fotos und kurze Nachrichten austauschen, fühlen sie sich verbundener. Über Onlinegruppen können sich ältere Menschen außerdem austauschen, was den ersten Schritt aus der sozialen Isolation bedeuten kann. Aus solchen Onlinegruppen können Freundschaften oder Netzwerkgruppen vor Ort werden.

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