Partner von:

Ein Wohnheim für die größten Streber Bayerns

Die Münchner Innenstadt [Quelle: freeimages.com, Autor: wgaccount]

Quelle: freeimages.com, Autor: wgaccount

Neben dem bayerischen Landtag steht ein Wohnheim für die junge Elite. Nur die besten sieben Einserabiturienten eines Jahrgangs dürfen hier einziehen.

Felix Liebrich mag das E-Wort nicht. "Elite", das ist für ihn bloß ein Stempel, eine Zuschreibung von außen. Er wünscht sich, dass die Leute unvoreingenommen auf ihn zugehen. "Ich genieße ein Privileg, legitimiert durch mein Abitur", sagt der 22-Jährige, "deswegen gehöre ich aber noch lange keiner Elite an."

Felix sitzt zusammen mit seinem Mitbewohner Sven Wang im Musiksaal der Münchner Stiftung Maximilianeum, die in einem schlossähnlichen Prunkbau aus dem 19. Jahrhundert residiert. Felix und Sven studieren Mathematik. Zwei Flügel stehen in dem großen Saal, von einem großen Gemälde schaut Maximilian II., König von Bayern, auf die beiden herab. 50 Studenten wohnen hier in diesem exklusiven Wohnheim auf dem Gelände des bayerischen Landtags.

Das Maximilianeum hat den Ruf einer Elitenschmiede – seit 1852. Die CSU-Legende Franz Josef Strauß und der Physik-Nobelpreisträger Werner Heisenberg verbrachten hier ihre Studienzeit. Aufgenommen werden nur 1,0-Abiturieten. Wer "Maximer" werden will, muss sich zusätzlich in zwei Prüfungen im Kultusministerium beweisen. Nur rund sieben der 350 bayerischen Einserabiturienten bestehen sie. Das Stipendium kann ihnen dann nicht wieder genommen werden, bis zum Master oder Staatsexamen dürfen sie bleiben.

Felix, braune Locken auf dem Kopf und Harry-Potter-Brille auf der Nase, hat von der Stiftung im Buch "Gestatten: Elite" gelesen, damals ging er noch zur Schule. Die Journalistin Julia Friedrichs verfolgt darin den Weg der "Mächtigen von morgen". 2008, als das Buch erschien, war das E-Wort überall: Elite-Universitäten, Elite-Schulen, alles musste exzellent sein. Nach der Lektüre bat Felix seinen Schulleiter, ihn für das Auswahlverfahren des Maximilianeums vorzuschlagen. Er betont, ein ganz normaler Student zu sein, doch er spricht auffallend distinguiert. "Ab und zu ist es wichtig den Fuß in die real existierende Welt zu setzen", sagt Felix, "sonst vergisst man womöglich, dass die Umstände hier etwas ganz Besonderes sind."

Sven, der Mitbewohner von Felix, sagt, er habe für die Prüfungen im Ministerium kaum lernen können, da er am Tag zuvor ein Klavierkonzert gegeben hatte. Überdurchschnittlich diszipliniert sei er ebenfalls nicht. In T-Shirt und Shorts lehnt er entspannt in einem der großen Sofas im Musiksaal. Sven ist im letzten Herbst hier eingezogen. Er hat eine Klasse übersprungen und konnte sich dank G8 und freiwilligem Wehrdienst schon mit 17 Jahren an der Uni einschreiben. "Man lernt hier viele Gleichgesinnte kennen", sagt er. Konkurrenz untereinander spiele kaum eine Rolle, man finde schnell Freunde. Viele hier seien an mehr interessiert als nur ihrem Studienfach. Sven und Felix musizieren zum Beispiel regelmäßig zusammen, Sven am Klavier, Felix spielt Cello. "Wo gibt es das schon? Das ist alles andere als selbstverständlich", sagt Felix.

Mietfrei wohnen, nobel speisen

Im Maximilianeum fehlt es den Studenten an nichts. Sie wohnen mietfrei und das Konto der meisten wird durch ein zusätzliches Stipendium befüllt. Die Stiftung finanziert Auslandsaufenthalte und Sprachkurse. König Maximilian wollte über die Stiftung einst die klügsten Köpfe des Landes für den Staatsdienst gewinnen.

Das Essen ist besonders exquisit: Neben Frühstück und Abendessen werden die Maximer jeden Mittag mit einem Drei-Gänge-Menü verwöhnt. Die Mahlzeit gleicht einem Ritual: Erst wenn Stiftungsvorstand Hanspeter Beißer eintrifft, setzen sich alle gemeinsam hin und verlassen den Raum nicht, bevor er die Bewohner mit "Schönen Nachmittag noch!" verabschiedet hat.

Beißer war einst selbst Maximer und wohnt auch jetzt wieder im Schloss. Wenn er an seine Studienzeit denkt, fallen ihm besonders die engen Freundschaften ein, die im Maximilianeum entstanden sind. "Jemand, der außergewöhnlich gute Noten hat, gilt in der Schule oft als Sonderling. Hier ist er nichts Besonderes mehr." Der Jurist möchte seine Schützlinge ebenfalls nicht als Elite bezeichnen. "Wir suchen junge Leute, die sich Gedanken machen, sich engagieren." Soziale Kompetenz und ein breites Wissen über das eigene Fachgebiet hinaus sind ihm besonders wichtig.

Frauen werden erst seit 1980 aufgenommen

Als Beißer im Jahr 1975 ins Maximilianeum zog, war die Stiftung noch ein reiner Männerverein. Erst seit 1980 werden auch Frauen aufgenommen. Zunächst waren sie in einem anderen Gebäude untergebracht. Ein Raum hier wird noch immer das "Mädchenzimmer" genannt, weil die Damen dort früher vor dem Essen darauf warten mussten, dass die Männer sie zu Tisch geleiteten. Heute geht es zu wie in jedem anderen Wohnheim auch. Das Mädchenzimmer wird zum Abhängen oder Feiern genutzt.

 

Und nach dem Schloss? Vorstand Beißer sagt, es ziehe viele Stipendiaten in den öffentlichen Dienst, besonders eine Uni-Karriere sei für viele attraktiv. "Mir ist es wichtig, dass hier jeder genau das macht, was er gut kann und möchte", sagt er. "Nur weil jemand zum Beispiel Lehrer wird, ist das nicht weniger wert als Vorstandsvorsitzender oder Professor."

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

nach oben
Verwandte Artikel

Tipps fürs Studium und

Infos zu Top-Unis - einmal

monatlich in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren