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Technologien Digitalisierung [© violetkaipa - Fotolia.com]

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Der Alltag wird digital. Wie verändert sich die Berufswelt? Sieben Fragen an die Zukunft.

Geht bald niemand mehr in die Museen?

Van Goghs gezwirbelter Schnurrbart im Selbstbildnis mit Pfeife, die klobigen Füße von Cézannes Die große Badende – wer sich künftig in malerischen Details verlieren möchte, muss nicht mehr ins Van Gogh Museum nach Amsterdam fahren oder ins MoMa nach New York. Werke aus mehr als 1.000 Museen und Archiven sind in Googles Arts+Culture-Projekt zu sehen. Klick, klick, zoom: Wie anmutig der Schnurrbart das Licht reflektiert! Auch Kunsthistoriker sehen in der Digitalisierung große Chancen – mit Algorithmen könnten Kunstfälscher leichter enttarnt werden. Andererseits könnten Computer neue Bilder im Stil berühmter Maler errechnen. Barockkunst aus dem 3-D-Drucker klingt nach Science-Fiction, gibt es aber schon längst, zum Beispiel das Projekt "der nächste Rembrandt". Auch deshalb meint Georg Schelbert, Kunsthistoriker von der HU Berlin: "Wir müssen uns künftig mit Programmierern zusammensetzen und verstehen, wie diese arbeiten."

Kann man demnächst auf dem Sofa verreisen?

Flüge, Hostels, Mietroller – kann man alles online buchen, klar, doch oft bleibt unklar, ob alles so schick aussieht wie auf den Werbefotos. Bald soll man deshalb vor der Buchung mit Virtual-Reality-Brillen prüfen können, ob das Hotelzimmer auf Mauritius tatsächlich so einen bombastischen Meerblick hat. Oder ob die Kreuzfahrtschiffe von Aida wirklich größere Pools haben als die von Costa. "Auch virtuelle Reisen in Fantasiewelten werden zunehmen", sagt Miriam Taenzer, Referentin für Touristik beim Digitalverband Bitkom. Wer eine VR-Brille besitze, könne dann günstig und sonnenbrandfrei die Welt erkunden. Auch Orte, die sonst schwer zugänglich oder gefährlich sind: etwa die Arktis, die Wüste Gobi, den Mount Everest.

Produzieren Maschinen schon von selbst?

Die sogenannte Industrie 4.0 will alle Maschinen mit dem Internet verbinden. Das wird grundlegend verändern, wie Tabletten, Salami-Pizzen, Hautcremes oder Radkappen in Zukunft produziert werden. Reale und virtuelle Welt verschmelzen. Ein Produktionsleiter kann so auch ein paar Tausend Kilometer entfernt am Strand in der Hängematte liegen, während er in Bottrop das Fließband steuert. Und sehen, ob noch alle Bauteile da sind oder warum eine Maschine gerade spinnt. Intelligente Systeme könnten bald auch automatisch die Produktion hochfahren, wenn bei einer Grippewelle viele Leute nach Hustensaft oder Taschentüchern googeln.

Muss man noch zum Bürgeramt gehen?

Die Verwaltung hat die Zukunft ausgerufen, das Innenministerium verkündete im vergangenen Dezember: "Die deutsche Verwaltung kommt im 21. Jahrhundert an und wird digital." Sich am neuen Wohnsitz anmelden, Kindergeld beantragen oder den Reisepass verlängern – das alles soll bald mit wenigen Klicks besser, schneller und einfacher gehen. Der Bund arbeitet an einem Verwaltungsportal, das Bürgern den einheitlichen Zugang zu Verwaltungsleistungen aller Länder und Kommunen ermöglicht. "Zu einem guten Teil könnten besonders einfache Tätigkeiten der Verwaltungsmitarbeiter bald wegfallen", sagt Mario Martini, Professor für Verwaltungswissenschaften an der Universität Speyer.

Wie verändert Big Data die Forschung?

Mit Hochleistungsrechnern können Millionen Studien zu einem Thema in wenigen Minuten analysiert werden. Sie erkennen Muster, wo der Mensch keine sieht oder ewig dafür brauchen würde. Das verändert die Wissenschaft. Watson, die künstliche Intelligenz von IBM, diagnostizierte bei einer Patientin eine seltene Form von Krebs, die Ärzte der Universität Tokio vorher nicht feststellen konnten. Watson hatte ihre Gendaten mit denen von 20 Millionen anderen Krebspatienten verglichen. Auch in Natur- und Geisteswissenschaften kann man aus Datenbergen Erkenntnisse ziehen. So haben Forscher etwa herausgefunden, dass Homer sich die komplexe Geografie der Schiffsreise der Ilias mit einer mentalen Reiseroute merkte.

Müssen Kranke nicht mehr zum Arzt?

Den Hautausschlag oder den Leberfleck, der so verdächtig aussieht, fotografieren und seinem Hautarzt mailen – das dürfte in Zukunft normal sein, sagt Julia Hagen, Referentin Health und Pharma beim Digitalverband Bitkom. Auch für chronisch Kranke könnten Apps eine Hilfe sein, etwa weil sie daran erinnern, wann Medikamente eingenommen werden müssen. Auch smarte Geräte könnten das Leben mit Krankheiten leichter machen. So gibt es bereits eine Uhr, die die Glukosekonzentration bei Diabetes-Patienten misst und Daten über den Blutzuckerspiegel in einer App verwaltet. Mediziner werden den Umgang mit einer Fülle an Informationen, die etwa in Apps gesammelt werden, lernen müssen und anders kommunizieren, denn die Digitalisierung schaffe mündigere Patienten, sagt Hagen.

Kauft in Zukunft keiner mehr neue Autos?

Laut einer Prognose der Beratung Frost & Sullivan werden bis 2020 fast 15 Millionen Europäer Carsharing nutzen. Vor fünf Jahren waren es noch nicht mal eine Million. BMW, Opel und Daimler stellen längst nicht mehr nur Autos her. Sie eröffnen Plattformen, auf denen sie "Mobilität" anbieten – etwa Moovel von Daimler. My Taxi, Car2Go oder die Deutsche Bahn können über diese App gebucht und bezahlt werden. Vor allem im Marketing und Vertrieb würde die Digitalisierung die Branche verändern, ergab eine Studie des Digital-Beraters Accenture. Die Analyse von großen Datenmengen eröffnet neue Möglichkeiten: Wie sieht das Traumauto eines Kunden aus? Und werden wir vielleicht doch eines Tages wieder mehr Autos kaufen? Solche Fragen könnten geklärt werden. Künstliche Intelligenz ermöglicht auch autonomes Fahren: Lkw, Busse oder Autos – bald könnten sie ohne Fahrer durch den Feierabendverkehr kommen. An den Schnittstellen zwischen Apps und klassischem Autobau werden Ingenieure gebraucht, die auch etwas von IT verstehen.

© ZEIT Online (Zur Original-Version des Artikels)

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