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Princeton-Professor, 36, gescheitert

Brunnenschacht von unten

Quelle: Freeimages.com, piku

Unis, die ihn abgelehnt haben; Stipendien, die er nicht bekommen hat: Johannes Haushofer hat einen Lebenslauf seiner Misserfolge veröffentlicht. Warum?

Johannes Haushofer ist Psychologe, Ökonom, seit zwei Jahren Professor in Princeton und erst 36. Haushofer hat sein Abitur in Hof gemacht, einem Städtchen in Oberfranken. Aber schon für den Bachelor ging er nach Oxford, promovierte erst in Harvard, ein zweites Mal in Zürich. Danach arbeitete er am angesehenen Massachusetts Institute of Technology (MIT). Viele Akademiker wären froh, nur eine einzige dieser Universitäten im Lebenslauf stehen zu haben – Haushofer hat sie alle.

Aber auch ihm gelingt nicht alles, und seit vergangener Woche weiß das die ganze Welt. Da stellte er sein CV of failures ins Netz, seinen Lebenslauf des Scheiterns. Darauf: Stipendien und Professuren, die er nicht bekommen hat, und Artikel, die von Fachzeitschriften abgelehnt wurden. Der Lebenslauf beginnt mit dem Satz: "Das meiste, was ich versuche, gelingt mir nicht. Aber diese Rückschläge sind meistens unsichtbar, während meine Erfolge sichtbar sind."

ZEIT Campus ONLINE: Herr Haushofer, Ihr CV of failures ist das Negativ eines gewöhnlichen Lebenslaufs. Warum haben Sie ihn verfasst?



Johannes Haushofer: Die erste Version habe ich schon 2011 geschrieben, damals wollte ich eine Freundin aufmuntern, die eine Professur nicht bekommen hatte, auf die sie sich beworben hatte. Ich habe ihr das CV zugeschickt, und es schien ihr zu helfen.

Vor gut einer Woche haben Sie das Dokument dann auf Facebook und Twitter geteilt.



Haushofer: Ja, dieses Mal war es eine sehr gute Freundin, die ein Fellowship nicht bekommen hat, das sie gerne haben wollte. Da habe ich gedacht, ich mache den jetzt mal öffentlich. Ich habe das CV von 2011 überarbeitet und sofort gepostet, das war relativ spontan


.

Wie waren die Reaktionen?



Haushofer: Unglaublich, es erstaunt mich immer noch, wie sich das Ding auf Facebook und Twitter vervielfältigt hat. Ich hatte damit gerechnet, dass meine Kollegen und Freunde darauf gucken und ein bisschen schmunzeln. Aber nicht damit, dass mich jetzt Medien aus Deutschland anrufen. Und auch nicht mit der Art der Reaktionen: Was ich an Mails bekommen habe, von Leuten, die schrieben, wie sehr ihnen das geholfen habe.

Wahrscheinlich ist die Aufmerksamkeit so groß, weil die meisten Leute denken, bei jemandem, der mit 36 Professor in Princeton ist, muss immer alles geklappt haben.

Haushofer: Das kann sein. Und es ist genau das Anliegen, das ich hatte: Ich wollte zeigen, dass wirklich jeder Hochs und Tiefs hat.

Hätte Ihnen so ein CV von jemand anderem auch geholfen, wenn Sie selbst in einem Tief gesteckt hätten?



Haushofer: Ich denke schon. Ich bin ja noch am Anfang meiner Karriere, und wenn ich von älteren Kolleginnen und Kollegen höre, was die alles an Rückschlägen einstecken mussten, dann hilft mir das auch, die Welt realistischer zu sehen.

Fiel es Ihnen schwer, Ihre Rückschläge aufzulisten und sie in kompakter Form vor sich zu haben?

Haushofer: Nur ein kleines bisschen. Das liegt wohl daran, dass es mir momentan beruflich sehr gut geht. Allerdings sind schon verpasste Chancen dabei, die mir noch nahe gehen. Vor allem der Abschnitt mit den Professuren, die ich nicht bekommen habe, oder auf die ich mich gar nicht erst beworben habe. Das ist jetzt aber wirklich Jammern auf hohem Niveau, weil ich hier in Princeton unglaublich glücklich bin.



Sind Sie generell jemand, der Enttäuschungen gut verkraftet?

Haushofer: Ich glaube, dass ich mit einer recht stabilen Psyche gesegnet bin und nicht allzu lange über Rückschläge grübele. Deswegen kann ich auch nicht sagen, ob es mir in jeder Situation gut getan hätte, so ein CV zu verfassen. Ich kann mir schon vorstellen, dass es nicht sinnvoll ist, sich auf seine Niederlagen zu fokussieren, wenn es einem ohnehin gerade nicht gut geht.

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