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Besser scheitern

Einen richtig dummen Fehler gemacht? Wie spricht man das an? Und wie geht man mit Rückschlägen um? Fünf Tipps für ein besseres Scheitern.

1. Ich habe Scheiße gebaut. Was jetzt?

An manchen Rückschlägen ist man nicht selber schuld. Zum Beispiel, wenn eine wichtige Arbeit über Nacht gestohlen wird, so wie es Theresa Kallrath passierte. Oder wenn eine politische Krise die eigene Forschung unmöglich macht wie bei Luise Schintlmeister. Was aber, wenn man doch selbst der Schuldige ist? Wenn man selbst versehentlich auf "Allen antworten" klickt und sich vor der ganzen Firma blamiert? Oder wenn man vergisst, Sicherungskopien von wichtigen Dateien zu machen? Dann gilt erst mal: Ruhig bleiben. "Man muss nicht jeden Fehler kommunizieren", sagt Elke Schüttelkopf. Sie ist Autorin und Beraterin. Ihr Rat: Die Fehler korrigieren, sobald man sie bemerkt. Es sei denn, das würde zu lange dauern und hat für andere schwerwiegende Folgen. Etwa, wenn man im Labor der Uni die Chemikalien falsch beschriftet hat und es für andere gefährlich sein kann. Dann hilft nur: Nicht lange grübeln, sondern ehrlich sein, um noch Schlimmeres zu vermeiden.

2. Wie spreche ich meine Fehler an?

Wer Mist gebaut hat, sollte nicht als reuiger Sünder auftreten. "Gespräche über Fehler sollten auf Augenhöhe stattfinden, egal ob mit Freunden, Eltern, Lehr- oder Führungskräften", sagt Schüttelkopf. Statt Unterwürfigkeit und endloser Entschuldigungen fährt man also besser damit, gemeinsam darüber zu sprechen, was schieflief und wie man es in Zukunft verhindert. Im besten Fall hat man sogar schon einen Lösungsansatz parat. Die gleiche Herangehensweise gilt natürlich auch für Situationen, in denen jemand anderes etwas verbockt hat: Höchstwahrscheinlich fühlt sich die Person eh schon schlecht genug. Denjenigen zusätzlich mit Vorwürfen zu überschütten hilft niemandem weiter. Stattdessen: Pragmatisch sein!

3. Aus Fehlern lernen – was, wenn mir das nicht richtig gelingt?

Jedes Semester das gleiche: "Nächstes Mal fange ich rechtzeitig mit der Hausarbeit an." Und hält man sich daran? Meistens nicht. Solange man gerade noch durchkommt, ist es nicht unbedingt ein Problem, nicht aus jedem seiner Fehler zu lernen, meint Kerstin Karg von der Psychosozialen Beratung des Studentenwerks in Göttingen. "Im Studium geht es darum, zu lernen, wie man Prioritäten setzt", sagt sie. "Ein Richtig oder Falsch gibt es da nicht." Zunächst. Denn wer regelmäßig alle Aufgaben aufschiebt und kurz vor dem Verzweifeln ist, sollte sich bei den Beratungsstellen von Lehrstühlen, Fachbereichen und Studentenwerken Hilfe suchen.

4. Welche Fehler sind unverzeihlich?

Wer zum Beispiel mit einem Spickzettel, einem gefälschten Attest oder einer Arbeit vom akademischen Ghostwriter erwischt wird, dem drohen drastische Konsequenzen. Spickzettel und Plagiate sind häufig der letzte Ausweg, wenn man Aufgaben ewig vor sich hergeschoben hat. Das macht sie zu absolut vermeidbaren Fehlern. Besser: Rechtzeitig mit dem Professor oder der Studienberatung sprechen. Auch ärgerlich: Fehler, die entstehen, weil man die Prüfungsordnung nicht kennt. An manchen Hochschulen muss man zum Beispiel bis zu einem bestimmten Semester gewisse Leistungen nachweisen, sonst droht die Exmatrikulation. Oder man muss ein Praktikum machen, das rechtzeitig organisiert werden möchte. Blöd, wenn man das erst im letzten Moment merkt.

5. Wie ist es mit Rückschlägen im Job?

Wer eine Klausur verhaut, hat oft die Chance, sie noch einmal zu schreiben. Oder den Kurs noch mal zu belegen. Ein Semester länger zu studieren – und sich gegebenenfalls eine Bafög-Alternative suchen zu müssen – ist ärgerlich, aber keine Katastrophe. Immerhin betrifft der Schaden, den man angerichtet hat, hauptsächlich einen selbst. Im Beruf ist das anders. Wer Rechtschreibfehler auf Flyer druckt oder Bauteile mit falschen Maßen bestellt, der kostet seinen Arbeitgeber unter Umständen viel Geld. Auch hier fliegt man nicht mit dem ersten Fehler raus, allerdings drohen ernstere Konsequenzen. Wer regelmäßig mangelhafte Arbeit abliefert, kann sich eine Abmahnung einhandeln. Wird es danach nicht besser, droht die Kündigung. Sollte es tatsächlich zu diesem Worst Case kommen, muss niemand fürchten, sein Leben in Schutt und Asche gelegt zu haben. In der Bewerbung um eine neue Stelle muss die Kündigung im Lebenslauf nicht erwähnt werden. Sollten die Personaler im Bewerbungsgespräch nachbohren, gilt wieder: Keine übertriebene Unterwürfigkeit. Stattdessen souverän erklären, was man aus der Sache gelernt hat und wie das neue Unternehmen davon profitieren kann.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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