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"Prekär ist die Situation am Ende einer Laufbahn"

Vertrag Mann Unterschrift [Quelle: Pixabay.com]

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Die Befristung wissenschaftlicher Stellen soll der Qualifizierung dienen – so ist das gesetzliche Privileg für den Forschungsbereich gedacht. Doch die Hochschulen werden ihrer personalpolitischen Verantwortung nicht gerecht, meint Ulrich Preis, einer der Konstrukteure der Gesetzgebung auf der Bundesebene.

Der neue Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs ist veröffentlicht. Im Vergleich zu 2013 ist die Zahl befristeter Arbeitsverhältnisse noch gestiegen. Sind Sie überrascht?

Nein. Bund und Länder haben in den letzten zehn Jahren unglaublich viel Geld in die Hochschulen gespült. Aber alle diese Mittel, insbesondere vom Bund, sind befristet. Ganz zu schweigen von dem immer weiter wachsenden Zufluss an temporären Drittmitteln. Es ist deshalb nicht fair, den Hochschulen vorzuwerfen: "Ihr macht prekäre Arbeitsverhältnisse, ihr habt so viele befristete Stellen." Denn die Hochschulen bekommen ja auch nur befristetes Geld.

Was können die Hochschulen gegen die Befristungen tun?

Grundsätzlich verstehe ich die gesamte Diskussion nicht: Wir müssen an den Hochschulen im Wissenschaftsbereich überwiegend befristete Stellen haben. Das ist die Grundphilosophie. Das Bundesverfassungsgericht formuliert: "Kontinuierliche Nachwuchsförderung in Arbeitsverhältnissen kann nur betrieben werden, wenn die beschränkt vorhandenen Stellen immer wieder frei werden. Ein milderes Mittel als die Befristung der Arbeitsverhältnisse ist dazu nicht ersichtlich." In der Tat sind wir in Lehre und Forschung "Durchlauferhitzer" für junge Akademiker zum Wohle der Gesellschaft. Gäben wir allen Nachwuchswissenschaftlern eine unbefristete Perspektive, ginge der Wissenschaftsstandort Deutschland kaputt. Dann hätten wir nämlich den Stellenfluss verstopft und die nachwachsenden Generationen kämen nicht mehr in die Hochschulen rein.

Aber die Befristungen dauern, bis die Leute 45 Jahre oder älter sind. Dann spätestens wird es auch auf dem anderen Arbeitsmarkt schwierig, selbst in den MINT-Fächern.

Als um die Jahrtausendwende der inzwischen verstorbene ehemalige Präsident des Bundesarbeitsgerichts, Thomas Dieterich, und ich das Konzept für befristete Arbeitsverhältnisse in Wissenschaft und Forschung erarbeitet haben, sahen wir zwei Phasen à sechs Jahre vor. Examinierte Akademiker sollten in einer ersten Phase von bis zu sechs Jahren zeigen, dass sie eine hervorragende Dissertation fertigen können. Danach sind sie Ende 20, Anfang 30. Bleiben sie in der Wissenschaft, folgt die Qualifizierung für die Professur, also noch einmal sechs Jahre. Insgesamt wären das zwölf Jahre; dann sind die Betreffenden noch jung genug für eine Karriere auch außerhalb der Wissenschaft. Das war ein schönes theoretisches Modell. Doch es ist völlig durchlöchert, weil der Bund immer mehr Verlängerungstatbestände für befristete Verträge geschaffen hat und seit der Föderalismusreform jedes Bundesland personalpolitisch und beamtenrechtlich tun und lassen kann, was es will.

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