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Zum Studium ab auf die Insel

Großbritannien UK britisch [Quelle: Pixabay.com, Autor: geralt]

Quelle: Pixabay.com, geralt

Es muss nicht immer Oxford oder Cambridge sein - und auch nicht immer London. Viele britische Hochschulen werben mit guten Argumenten für sich. Derzeit sind sie auf Deutschland-Tour.

An dieser Frage dürfen Studenten ohne schlechtes Gewissen scheitern - sofern sie nicht gerade in Geographie eingeschrieben sind: Wo genau auf der britischen Insel liegt noch mal Stirling? Die Antwort: recht weit im Norden, noch ein gutes Stück oberhalb von Glasgow und Edinburgh nämlich. Das schottische Städtchen mit seinen noch nicht mal 50.000 Einwohnern kann man leicht übersehen, und zwar nicht nur auf der Landkarte, sondern auch bei einer Präsentation britischer Hochschulen, wie sie vergangene Woche an der Goethe-Universität in Frankfurt stattgefunden hat. Auch hier war Stirling nicht gerade auf den ersten Blick zu erkennen. Aber das lag nicht an der Randlage im Foyer des Hörsaalzentrums, sondern an der bloßen Masse der Universitäten, die sich hier vorstellten. Es waren 29, von Birmingham bis Sussex, von Cardiff in Wales bis York. Und natürlich jede Menge aus London, ob nun City University, King’s College oder London Metropolitan. Und so weiter, und so weiter. Trotzdem sagte Neil McGillivray, sogenannter Student Recruitment Manager der Universität von Stirling, mit entwaffnender Gelassenheit: "Wir haben keine Probleme, neben den großen Universitäten zur Geltung zu kommen."

Die Zahl der Studenten oder Abiturienten, die sich in Frankfurt am Informationsstand der wackeren Schotten anstellten, war tatsächlich konkurrenzfähig. Aber das kennen sie beim British Council schon, Großbritanniens internationaler Organisation für Kulturbeziehungen, die gerade eine Deutschland-Tour britischer Universitäten organisiert. Der British Council ist eine Art englische Mischung dessen, was hierzulande das Goethe-Institut und der Deutsche Akademische Austauschdienst sind. Seine Hochschulmesse machte allein in dieser Woche viermal Station in Deutschland - in München, Frankfurt, Köln und Berlin. Im Januar kommen noch mal drei Stationen dran: Bochum, Hannover und Hamburg.

Dabei herrscht schon jetzt kein Mangel an deutschen Studenten in Großbritannien. Aktuell seien es rund 19.000, sagt Ailsa Kienberger, die das Projekt für den British Council leitet. Das ist im Ranking der größten Studentengruppen aus dem Ausland Platz fünf - hinter China, den Vereinigten Staaten, Indien und Nigeria. "Die britischen Universitäten wollen international bleiben", sagt die Schottin Kienberger, deshalb gehe die Suche nach geeigneten Kandidaten weiter. Zumal in Deutschland, wo viel intensiver geworben werde als etwa in Frankreich oder Spanien.

Gute Englischkenntnisse

Für die Internationalität steht allein schon so ein vermeintlich zwergenhafter Standort wie Stirling. Dass dort Studenten aus 120 Nationen eingeschrieben sind, berichtet Neil McGillivray mit Stolz. Das wird noch gesteigert, als es um die Herkunft der Lehrkräfte für die etwa 11.000 Studenten geht: Sie kommen aus 140 verschiedenen Ländern, berichtet er. Womit auch die Frage beantwortet wäre, ob der sehr spezielle schottische Akzent Interessenten denn abschrecke. Ein Studium in englischer Sprache trauen sich viele zwar zu, aber bei höherem Schwierigkeitsgrad könnten ja die Bedenken wachsen. Das sei kein Thema, versichert McGillivray. Schon gar nicht bei den Deutschen, die unter den europäischen Studenten die größte Gruppe in Stirling bildeten.

Dass deutsche Studenten mit ihren Englischkenntnissen durchaus Eindruck machen, bestätigen die Vertreter des "International English Language Testing System" (IELTS). Sie gehörten regelmäßig zu der Gruppe mit den besten Testergebnissen, heißt es. IELTS ist einer der drei großen Anbieter für Sprachtests in Englisch, jener ersten Klippe, die Interessenten umschiffen müssen, wenn sie auf einer britischen Universität landen wollen. 14 Teststandorte gibt es in Deutschland, zwei- bis dreimal in der Woche können sich dort Bewerber sprachlich auf den Zahn fühlen lassen. Das kostet sie dann 217 Euro und bringe meistens gute Ergebnisse. Neun Punkte seien das Maximum, deutsche Bewerber lägen im Durchschnitt bei 7,5 - was allemal ausreiche, um als tauglich für eine britische Universität zu gelten.

Mal abgesehen davon, dass das Ausbildungsniveau an deutschen Gymnasien solche Ergebnisse ermöglicht, sorgen die Lebensläufe vieler Bewerber für letzte Klarheit. Friederike Greifenhagen ist so ein Beispiel. Die 17-Jährige streift in Frankfurt neben vielen Dutzend Interessenten durchs Foyer und hat bald Mühe, all das Material zur Information aus Cardiff, Kent, Newcastle, Leicester und so weiter unter Kontrolle zu halten. "Ich war ein Jahr in Amerika und mit der Schule auf Abschlussfahrt in England. Angst vor Sprachtests habe ich nicht", sagt sie. Für ihren Begleiter Niko Ostojic, 18 Jahre alt und ebenfalls auf dem Weg zum Abitur, gilt das auch. Er ist sicher, "dass ein Studium in England die Chancen auf einen Arbeitsplatz deutlich erhöhen würde". Eine Einschätzung, die Fachleute mit ihm teilen.

Die Studiengebühren richten sich nach dem späteren Einkommen

Bleibt die Frage, ob all die schönen Möglichkeiten auch finanzierbar und - abgesehen vom Sprachtest - erreichbar sind. Was die Kosten betrifft, gebe es bei den staatlichen Universitäten, von denen es auch in Großbritannien mehr gebe als private Hochschulen, ein Limit nach oben, sagt Ailsa Kienberger. Jedenfalls bei Bachelor-Abschlüssen. Es liege bei 9.000 Pfund je Jahr, umgerechnet rund 12.000 Euro. Die Universitäten müssten gewisse Kriterien für die Förderung ausländischer Studenten erfüllen, am Ende legen sie dann die Preise selbst fest. Bei etwa 3000 Pfund gehe es los, Durchschnitt seien 6.000 Pfund. Die Zahlung sei nicht sofort fällig, sie richte sich vielmehr nach dem späteren Einkommen. Wer unter 21.000 Pfund je Jahr liege, müsse erst mal gar nichts zahlen, jenseits dieser Grenze steigen die Raten proportional zum Einkommen. Bei den vielen privaten Hochschulen, allen voran den renommierten Business Schools, sehen die Tarife anders aus - aber um die geht es nicht bei der Deutschland-Rundreise des British Council, die sich den staatlichen Universitäten widmet.

Von denen haben die schottischen eine Sonderrolle, denn die Autonomie in Bildungsfragen erlaubte es dem Land, Studiengebühren für EU-Staatsbürger abzuschaffen - zumindest für Bachelor-Studiengänge. Geht es um den Master als Abschluss, sieht das anders aus, dann werden auch hier stattliche Beträge aufgerufen. An der Universität in Stirling zum Beispiel zwischen 4.500 und 17.000 Pfund. Trotzdem ist das niedrige Preisniveau in den frühen Semestern ein wichtiges Argument für schottische Universitäten. Beim British Council heißt es sogar, diese Sonderrolle bereite dem einen oder anderen Standort auch Sorgen. Denn das Geld, das andere britische Hochschulen wie selbstverständlich einsammeln, fehle hier, wenn sich zu viele Studenten aus EU-Ländern einschreiben.

Die Ausstattung kann sich in der Regel trotzdem sehen lassen. Abgesehen von weichen Faktoren - ein schönes Bergland in Reichweite, ein typisches Schloss mitten in der Stadt - verspricht Neil McGillivray von der Universität Stirling die niedrigsten Lebenshaltungskosten im ganzen Königreich. "Ein großer Vorteil gegenüber Städten wie London", sagt er. Interessenten brauchten zunächst nicht viel mehr als eine Zusage der Universität, einen Pass und ein Flugticket. Neuankömmlinge bekommen eine Unterkunft an der Hochschule gestellt. Eine attraktive Umgebung, wie er versichert. Hier gebe es unter anderem - typisch Schottland - einen eigenen Golfplatz für die Studenten.

Ohne Motivationsschreiben geht gar nichts

Sportliche und kulturelle Angebote wurden auch an anderen Ständen in Frankfurt immer wieder als Vorzug der jeweiligen Standorte genannt. Die Vertreterin der Universität Cardiff machte sicherheitshalber noch einmal aufmerksam: Dies sei die Hauptstadt von Wales, hierhin fließe schon deshalb viel Geld, und dem Angebot in der Stadt sei das an vielen Stellen anzumerken. In manchen Fächern spiele die Universität außerdem in einer Liga mit den Schwergewichten Oxford und Cambridge. Dementsprechend anspruchsvoll ist aber auch der Weg hierher. Zum Beispiel in Medizin. Wer erwägt, angesichts der hohen Anforderungen in Deutschland auf die britische Karte zu setzen, stieße an einer Universität wie Cardiff auf die rauhe Wirklichkeit: Neben profunden Kenntnissen in Chemie und Biologie wird ein kerniger Numerus clausus verlangt - 1,0 bis 1,3. Ein zusätzlicher Test ist obligatorisch. Auch die Abiturientin Friederike Greifenhagen hat bei ihrem Rundgang festgestellt: "Beim NC gibt es keinen großen Unterschied zwischen deutschen und britischen Universitäten."

Dafür gibt es einen im Bewerbungsprocedere, unabhängig vom Fach und der Universität. Denn eine schriftliche Stellungnahme, warum ausgerechnet diese oder jene Hochschule ausgewählt wurde und was sie vom potentiellen Studienanfänger zu erwarten habe, ist Pflicht. "Die Persönlichkeit von Studenten spielt eine größere Rolle als in Deutschland", sagt Ailsa Kienberger vom British Council. Auch das Alumni-Wesen, der Austausch unter Studenten von einst und heute, sei anders, nämlich intensiver. Die Förderung durch Ehemalige inklusive. Man müsse schon sehr schlüssig erklären, wer man sei und was man vorhabe. Etwa 4.000 Anschläge werden bei dem Motivationsschreiben erwartet, nicht zu knapp, nicht zu ausschweifend. "Das kann man nicht nebenher erledigen", sagt sie. "Das muss man sehr konzentriert machen."

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