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Mit Stipendium zum PhD-Studium nach Cambridge

Cambridge, Promotion, College, University [Quelle: freeimages.com, Autor: happypad]

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Cambridge - das Uni-Mekka! Aber wie kommt man da eigentlich rein? Auf was wird bei meiner Bewerbung am meisten geachtet? Alexander gibt Tipps, wie eine Bewerbung für ein PhD-Studium an einer englischen Eliteuniversität wie Cambridge Erfolg haben kann.

Da ich mich sehr für Wirtschaftsingenieurwesen interessiert habe, dachte ich bereits während meines Master-Studiums über ein internationales Studium im Ausland nach. Also habe ich mich gegen Ende meines Masters auf die Suche nach einem passenden PhD-Studium gemacht. Dies besteht meist aus einem vorgesetzten Master-Studium, dem Master of Philosophy (MPhil), in meinem Fall im Wirtschaftsingenieurwesen (MPhil in Engineering). Dieses Master-Studium besteht aus einer ganzen Reihe von Kursen und Modulen, zu denen dann auch am Ende des Jahres die Klausuren geschrieben werden, sowie einer längeren Master Thesis.

Anschließend besteht die Möglichkeit, in die dreijährige Promotionsphase zu gehen um einen Doktortitel zu erwerben oder aber direkt nach dem Master wieder in die Berufswelt einzusteigen. Dass es letztendlich die berühmte University of Cambridge werden sollte, habe ich zu diesem Zeitpunkt niemals gedacht.

Von der Realschule nach Cambridge

Bevor ich nach Cambridge kam, habe ich viele meiner Stationen auf dem zweiten Bildungsweg oder nebenberuflich erreicht. Nach meinem Realschulabschluss habe ich zuerst eine Ausbildung als Chemikant bei Shell in der Erdölraffination und nebenbei mein Fachabitur gemacht. Nach einem weiteren Jahr als Chemiefacharbeiter bei Shell habe ich mich dann für ein Studium zum Diplom-Ingenieur an der Fachhochschule Köln entschlossen. Anschließend zog es mich dann in eine Vertriebs- und Marketingposition bei einem Anlagenbauunternehmen, wo ich nebenbei ein Master-Studium in Energiewirtschaft im Abend- und Wochenendunterricht absolvierte. Und seit letztem Jahr studiere ich nun Wirtschaftsingenieurwesen an der University of Cambridge. 

Der Bewerbungsprozess: Am Anfang steht die Stellensuche 

Wer an einer ausländischen Universität studieren möchte, sollte sich zuerst Gedanken machen, welche Universität denn eigentlich die passende ist. Dazu empfiehlt es sich, erst einmal alle in Betracht kommenden Unis durchzusehen - die Homepages sind dafür meistens sehr hilfreich. Da ich Wirtschaftsingenieurwesen studieren wollte, habe ich mir die ausländischen Unis herausgesucht, die in diesem Fach einen sehr guten Ruf haben. Zu nennen wären beispielsweise das MIT, Cambridge, Harvard, ETH oder Caltech. Auf der Jobseite der University of Cambridge fand ich dann eine PhD-Stelle mit Vollstipendium, die genau auf meine beruflichen und akademischen Erfahrungen passte. 

Nicht direkt bewerben - persönlicher Kontakt zählt

Ein wichtiger Hinweis, der für englische oder amerikanische Universitäten gilt: persönlich Kontakt aufnehmen. Anders als in Deutschland reicht es nicht, einfach Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse einzuscannen und loszuschicken. Der Bewerbungsprozess für ein PhD-Studium ist in diesen Ländern wesentlich persönlicher als in Deutschland und mit einem enormen Aufwand verbunden. In den Stellenanzeigen steht immer eine Kontaktperson, meist der spätere Betreuer während der Promotionsphase. Es ist sinnvoll, sich vorab über die Stelle zu informieren und einige Fragen zu stellen. So kann man auch direkt sehen, ob es wirklich das ist, was man sich aus der Stellenanzeige erhofft. 

Da meine Anfrage auf ein erstes Interesse gestoßen war, bat mich mein späterer Supervisor, ihm meinen Lebenslauf samt Zeugnissen für eine erste Durchsicht zu schicken. Anschließend sollte ich mich offiziell beim "Board of Graduate Studies", der Zulassungsstelle für Studiengänge, bewerben. 

Diese Bewerbung hatte es dann wirklich in sich. Es folgte ein sechsmonatiger Bewerbungsprozess, der mir vieles abverlangte. Ich stand die ganze Zeit in regem Mailkontakt mit dem Supervisor – ob bei Unklarheiten oder wegen Informationen, die ich für die Bewerbung benötigte.

Die offizielle Bewerbung – Zeit und Mühe lohnen sich

Die offizielle Bewerbung für ein PhD-Studium sollte man wirklich nur abschicken, wenn man sich echte Chancen auf eine Aufnahme verspricht. Daher unbedingt vorher mit dem Prof klären, ob eine Bewerbung sinnvoll ist. So spart man sich viel Zeit und Geld, da an einer Uni wie Cambridge sehr viele Bewerber auf eine Stelle kommen - insbesondere auf die PhD-Stellen, also die Promotionsstellen mit vorgeschaltetem Master-Studium mit inklusive Stipendien. Daher auch hier wieder der Hinweis, sich genügend Zeit mit der Stellensuche zu lassen und nur auf Angebote zu bewerben, die wirklich passen. Wer sich nur des Namens wegen an Elite-Unis bewirbt, hat keine Chancen und wird sofort ausgesiebt. 

Die Bewerbungsformulare

In der offiziellen Bewerbung müssen einige längere Online-Bewerbungsformulare ausgefüllt werden. Man muss sehr viele Daten eingeben und Motivationsfragen beantworten. Die Antworten sollten genau überlegt sein. Beispiele für diese Fragen sind: Warum ausgerechnet Cambridge? Beschreiben Sie ihren bisherigen Lebensweg. Welche Forschungsprojekte haben Sie bisher bearbeitet? Was wollen Sie nach Ihrem Studium machen? Jede Antwort sollte ungefähr eine halbe Seite lang sein.

Wahl des Colleges

Bei der Bewerbung muss man sich auch für ein College entscheiden. Diese dienen der Unterbringung der Studenten und dort findet auch die persönliche Betreuung statt. Davon gibt es insgesamt 31 an der University of Cambridge, jedes mit eigenem Flair und Geschichte. Man sollte sich ein paar Tage Zeit nehmen und die Homepages aller Colleges in Ruhe anschauen. 

Die Colleges sind in der ganzen Stadt verteilt - das unterscheidet sich von einer typisch deutschen Campusuniversität. Wenn man das erste Mal nach Cambridge kommt, sieht man die Uni als solche eigentlich gar nicht, da alle Colleges und Departments über die Stadt verteilt sind. Bei der Bewerbung sollte man das College eintragen, das einem am meisten zusagt. Ich habe mich zum Beispiel aufgrund der Internationalität für das St. Edmund's College entschieden.

Die Referenzschreiben – Lob in den höchsten Tönen

Zu den Bewerbungsunterlagen gehören auch zwei Gutachten (Reference Letters), die von Hochschullehrern geschrieben werden müssen. Diese Hochschullehrer sollten einen bereits vom Studium gut kennen. Dabei ist es sehr wichtig, dass man den Profs sagt, dass man in "höchsten Tönen" gelobt werden möchte. Das ist in Deutschland zwar meist nicht so üblich, in englischsprachigen Ländern sind sehr enthusiastische Gutachten aber gang und gäbe. Außerdem muss ein wenig Zeit eingeplant werden, da es einige Wochen dauern kann, bevor man die Gutachten im versiegelten Umschlag vom Professor erhält. Das ist vor allem im Hinblick auf die Bewerbungsfristen wichtig.

Das "Research Proposal" – das Herzstück der Bewerbung

Das "Research Proposal" ist das wohl wichtigste Dokument der Bewerbungsunterlagen. Dabei handelt es sich um ein mehrseitiges Motivationsschreiben, das sehr detailliert Aufschluss darüber geben soll, warum man der Richtige für die ausgeschriebene Stelle ist. Dazu sollten alle persönlichen und fachlichen Fähigkeiten auf die zu besetzende Stelle bezogen werden. Das Dokument sollte insgesamt ungefähr fünf Seiten lang und  fachlich wie auch grammatikalisch perfekt sein. Es empfiehlt sich, das Ganze am Ende von einem Muttersprachler auf Grammatik und Stil überprüfen zu lassen.

Für dieses Schreiben sollte man sich mindestens eine Woche Zeit lassen und nacheinander alle Stärken, die einen für die Stelle qualifizieren, im Kontext mit dem Forschungsthema einbringen. Dabei ist es wichtig, den Schwerpunkt auf die theoretischen Kenntnisse aus dem Studium zu setzen. Praxiserfahrungen sind bei einer PhD-Bewerbung zwar auch von Vorteil, aber nicht so relevant wie die akademischen Kenntnisse.

Die Englisch-Tests

Zur Prüfung der Englischkenntnisse werden umfangreiche Englisch-Tests eingesetzt. Als erstes muss man für den vierstündigen TOEFL (Test of English as a Foreign Language) oder IELTS (International English Testing System) lernen. Zur Vorbereitung sollte man etwa vier Wochen einplanen. Cambridge verlangt ein Ergebnis von mindestens 100 von insgesamt 120 zu erreichenden Punkten für die Aufnahme, allerdings erreichen die meisten Werte zwischen 115 und 120 Punkten. Für PhD Programme wird zudem meist noch der EAP-Test (English for Academic Purposes) verlangt, ein speziell von der Cambridge University erstellter Englisch-Test, der besonders auf die Schreibfähigkeiten abzielt. Er besteht aus zwei Tests, die drei beziehungsweise sechs Stunden dauern.

Die "Official Transcripts"

Für die Bewerbung benötigt man außerdem "Official Transcripts". Das sind beglaubigte Kopien der Hochschulzeugnisse. Anders als bei deutschen Bewerbungen reicht es nicht aus, die Zeugnisse als normale Kopien beizufügen. Offiziell beglaubigte Kopien können bei der Hochschule angefordert werden. Die sendet die Zeugnisse dann in einem versiegelten Umschlag nach Cambridge. Hier auch wieder die Zeiten für die Bewerbungsfristen beachten, da dies auch einige Wochen dauern kann.

Das Interview

Nachdem alle Unterlagen per Onlinebewerbungsformular beziehungsweise die Originaldokumente per Post versendet wurden, begann das ungewisse Warten auf das Ergebnis. Zwei Monate später erhielt ich dann von meinem Supervisor die Einladung zum Interview. Die Interviews werden entweder per Skype oder per Telefon geführt. Da an meinem Interviewtag die Skypeverbindung zu schlecht war, haben wir kurzerhand ein Telefoninterview gemacht. Das ganze dauerte etwa eine Stunde, es wurden offene Fragen diskutiert sowie das Forschungsprojekt vorgestellt.

Mein Supervisor teilte mir am Ende aber auch mit, dass noch Interviews mit anderen Kandidaten geführt werden, sodass für mich erst einmal wieder Warten angesagt war. Nach einer Woche erhielt ich dann die unglaubliche Nachricht, dass ich für das Studium ausgewählt wurde.

Die Finanzierung - Der wohl schwerste Teil einer Studiumsbewerbung in englischsprachigen Ländern

An englischen oder amerikanischen Universitäten ist es üblich, dass man für die Kosten eines Studiums selbst aufkommt. Diese sind in Cambridge zwar nicht so hoch wie an amerikanischen Hochschulen, aber mit etwa 20.000 Pfund pro Jahr (rund 25.000 Euro) auch nicht ganz unerheblich. Bei ungefähr drei bis vier Jahren für ein PhD-Studium kommen dann Kosten zwischen 80.000 und 100.000 Euro auf einen zu.

Wer allerdings eine Zusage von einer so renommierten Universität erhält, sollte sich von den Kosten nicht abschrecken lassen. Vor allem die PhD-Studienprogramme werden manchmal über sogenannte Research-Council-Stipendien finanziert, in meinem Fall war es der naturwissenschaftliche Council EPSRC. Außerdem wird mein Studium von der E.ON finanziert. Das EPSRC-Stipendium deckt die jährlichen Universitätsgebühren von zurzeit etwa 4.600 Euro, die jährlichen College-Gebühren von ungefähr 2.800 Euro sowie die Lebenshaltungskosten von etwa 15.000 Euro pro Jahr.

Auch die Familie muss mitziehen

Ein ebenfalls nicht zu vernachlässigender Punkt ist das Einverständnis des Ehepartners. Hier bin auch sehr glücklich, dass ich eine Frau habe, die mich bei meinem Studium voll unterstützt. Auch auf meine Eltern und meine Geschwister kann ich immer zählen. Diese Aspekte darf man nicht unterschätzen. Nur wenn alle vom Studium überzeugt sind, hat man auch eine gute Rückendeckung, falls mal etwas nicht so gut läuft.

Die Reisevorbereitungen

Nach der Zusage für Studium und Finanzierung sollte man schnell mit der Organisation für die Reise beginnen. In meinem Fall musste ich mir zunächst eine Wohnung in Cambridge suchen. Dabei stellt auch der Wohnungsservice der Universität eine Reihe von Universitätswohnungen zur Verfügung. Diesen Service nehmen vorwiegend Verheiratete oder Familien in Anspruch. Sollte man nicht verheiratet sein oder Familie haben, kann man auch in eines der College-Zimmer einziehen, die jedoch eher für Einzelpersonen geeignet sind. 

In Cambridge anreisen sollte man mindestens eine Woche vor Stellenantritt, da es sehr viele kleinere organisatorische Dinge zu erledigen gibt: Kontoeröffnung, Stromvertrag, Telefon-, Internet- und Fernsehvertrag, Ersteinkauf samt Haushaltsgegenständen, Fahrradkauf, College- und Universitätsregistrierungen, Arztregistrierung. 

Schlussendlich kann ich jedem, der an einem PhD-Studium im Ausland interessiert ist, einfach nur den Tipp geben, sich zu bewerben, sobald eine aussichtsreiche Stelle gefunden und der Supervisor interessiert ist. 

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