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Auf Nummer sicher bei der Promotion

Labyrinth, Orientierung, Entscheiden [Quelle: tempus corporate, Getty Images]

Quelle: tempus corporate, Getty Images

Wer beschließt, die nächsten Jahre einem einzigen Thema zu widmen, der sollte sich ganz sicher sein. Sechs Fragen, um herauszufinden, ob eine Promotion das Richtige ist.

1. Warum will ich das machen?

"Wenn man Spaß am wissenschaftlichen Arbeiten hat und sich brennend für das Thema interessiert, ist eine Promotion eine gute Idee", sagt Alexandra Wiebke, Referentin für den wissenschaftlichen Nachwuchs an der Uni Bielefeld. Trotzdem sollte man vorher seine Motivation noch einmal genau hinterfragen, um sich seine Ziele klarzumachen: Will man mit dem Titel später mehr Geld verdienen? Ist er für den Beruf in der gewünschten Branche sinnvoll? Oder strebt man eine wissenschaftliche Karriere an? Wer nur promovieren will, damit später mal der Doktor vor dem Namen an der Klingel steht, sollte sich genau überlegen, ob sich dafür der Aufwand lohnt. Eine Notlösung sollte die Doktorarbeit auf keinen Fall sein: Wer keine Alternative weiß oder nur an der Uni bleibt, weil er das Umfeld schon kennt oder Angst vor der Praxis hat, wird schnell die Motivation verlieren.

2. Traue ich mir das zu?

"Was die Herausforderung Promotion bedeutet, kann man schon vorher ausprobieren", sagt Ursel Sickendiek. Als Beraterin betreut sie in ihrer Sprechstunde an der Uni Bielefeld angehende Doktoranden. Beim Schreiben der Abschlussarbeit bekomme man bereits ein Gefühl dafür, ob man mehrere Jahre auf diese Weise arbeiten wolle oder nicht. Bei Zweifeln und Ängsten vor der Promotion helfe es, mit Freunden, Studienkollegen und Dozenten darüber zu sprechen. Manchmal schätze man sich selbst falsch ein, da könne ein Blick von außen ein gutes Korrektiv sein. Außerdem rät Sickendiek dazu, den Gegencheck zu machen: Was für Alternativen gibt es, wenn es mit der Promotion nicht klappt? Denn um wirklich sicherzugehen, dass man das Richtige tut, muss man alle Möglichkeiten gegeneinander abwägen.

3. Halte ich mein Thema über Jahre aus?

Für die Planung der Arbeit gilt grundsätzlich, dass das Thema nicht zu komplex sein sollte. Hier hilft es, Promotionskollegen zu fragen, wie sie ihr Thema abgesteckt haben. "Vorsicht auch vor belastenden Themen, die einen runterziehen oder von denen man selbst betroffen ist", sagt Ursel Sickendiek. Schreibt man zum Beispiel über eine Krankheit oder ein Problem, mit dem ein Familienmitglied kämpft, sollte man sich fragen, ob man dieses Thema mit der nötigen Distanz bearbeiten kann.

4. Passt mein Betreuer zu mir?

Der Betreuer muss nicht nur inhaltlich und methodisch passen, sondern auch persönlich. "Die Hochachtung sollte nicht so groß sein, dass man im Besprechungstermin vor Angst zittert", sagt Sickendiek. Der ideale Betreuer nimmt den Doktoranden ernst, unterstützt, zeigt, wie das Wissenschaftssystem funktioniert, und kritisiert, ohne fertigzumachen. Man muss offen mit ihm diskutieren können. Oft haben Betreuer allerdings keine Zeit, sich ständig um jeden Doktoranden zu kümmern. "Dann ist Eigeninitiative wichtig: Betreuung einfordern, in Seminare des Profs gehen oder ihm Texte zum Probelesen schicken", sagt Alexandra Wiebke. Wer wissen will, wie ein Prof als Doktorvater tickt, spricht am besten mit Leuten, die schon bei ihm promoviert haben.

5. Kann ich gut alleine arbeiten?

Ob man besser frei oder strukturiert – also innerhalb eines Promotionsstudiengangs oder Graduiertenkollegs – promoviert, ist eine Typfrage. "Für denjenigen, der eigenverantwortlich arbeiten will, eignet sich eine freie Promotion", sagt Alexandra Wiebke. Dafür muss man sich selbst organisieren können und allein bewerten, ob das, was man forscht und schreibt, gut ist. Strukturiert zu promovieren heißt, mit anderen in festen Abläufen zu arbeiten. Man ist weniger frei und eher mit Konkurrenz konfrontiert. Bei der Entscheidung helfen Erfahrungen aus dem Studium, etwa, ob man lieber alleine oder in der Gruppe gelernt hat.

6. Halte ich das finanziell durch?

Wer promoviert, hat nur ein begrenztes Einkommen, etwa durch Stipendien, eine Tätigkeit an der Uni oder Nebenjobs. Deswegen muss man sich die Frage stellen: Will ich finanziell noch mehrere Jahre auf studentischem Niveau leben? Das kann zum Beispiel bedeuten, weiterhin in einer WG oder einem einfachen Zimmer zu wohnen und wenig Geld für Reisen übrig zu haben. Klarmachen sollte man sich auch, dass andere, mit denen man studiert hat, dann schon richtig verdienen werden. "Man muss wirklich motiviert sein. Denn sich finanziell zu vergleichen kann sehr frustrieren", sagt die psychologische Beraterin Ursel Sickendiek.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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