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Wo kann ich einen Doktor machen?

ProMotion-Tag bei Bosch (Autor: detailblick, Quelle: Fotolia.com)

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Kaum hat man sich entschieden zu promovieren, stellt sich die Frage: Wo mache ich den Doktor – zu Hause, am Lehrstuhl, in einer Firma?

Wer frei promoviert, hat Zeit für die Doktorarbeit, aber keine motivierenden Kollegen. Wissenschaftliche Mitarbeiter lernen, wie der Hochschulbetrieb funktioniert, können sich aber seltener um ihre eigene Forschung kümmern. Im Unternehmen bekommt man Geld, hat aber kaum Chancen, an die Uni zurückzukehren. Jede Promotionsform hat Vor- und Nachteile. Grund genug, sich vor der Entscheidung gut zu informieren.

An der Uni

Das spricht dafür: Ein Großteil der Doktoranden in Deutschland arbeitet während der Promotion als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem Lehrstuhl oder einem Forschungsprojekt der Uni. Ein Vorteil dabei ist, dass man schon während der Doktorarbeit die Abläufe im Hochschulbetrieb kennenlernt: Wissenschaftliche Mitarbeiter betreuen Lehrveranstaltungen, besuchen Konferenzen, beantragen Fördergelder.

Und sie haben ein gesichertes Gehalt: Für eine volle Stelle als Wissenschaftlicher Mitarbeiter gibt es, abhängig vom Bundesland, aktuell bis zu 3.500 Euro brutto pro Monat, für eine Teilzeitstelle entsprechend weniger.

Noch ein Pluspunkt: Wer ein Büro beim Professor auf dem Flur hat, kommt leichter mit ihm in Kontakt. Laut dem Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2013 geben etwa 40 Prozent der Wissenschaftlichen Mitarbeiter an, sich mindestens einmal pro Woche mit ihrem Hauptbetreuer zu besprechen. Durch die Mitarbeit am Lehrstuhl lernen Wissenschaftliche Mitarbeiter auch schneller andere Forscher kennen und haben mehr Chancen, an einer Publikation mitzuarbeiten oder zu Konferenzen eingeladen zu werden.

Wenn man Glück hat, deckt sich auch die Arbeit am Lehrstuhl mit der Forschung für die eigene Promotion. Laut Ergebnissen der laufenden ProFile-Befragung des Instituts für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (iFQ) gilt das vor allem für Naturwissenschaftler und Ingenieure sowie, unabhängig vom Fach, für viele Doktoranden, die über Drittmittel bezahlt werden.

Das spricht dagegen: Fächerübergreifend haben die meisten Wissenschaftlichen Mitarbeiter Teilzeitverträge, müssen aber Vollzeit arbeiten. Außerdem ergab die ProFile-Befragung, dass ihnen von ihrer täglichen Arbeitszeit im Schnitt nur etwa die Hälfte für die eigene Forschung bleibt. Durch ihre Einbindung in den Hochschulbetrieb müssen Wissenschaftliche Mitarbeiter häufig sehr viele Aufgaben gleichzeitig erledigen: Seminare leiten, Hausarbeiten betreuen, den Professor bei Publikationen unterstützen. Doktoranden, die am Lehrstuhl beschäftigt sind, können deshalb nur 3,3 Stunden von ihrem durchschnittlichen Arbeitstag an der eigenen Promotion arbeiten, fand eine Studie des DZHW heraus. So wenig wie keine andere Gruppe. Klar, dass da mancher länger an der Doktorarbeit schreibt als geplant.

Auch die Nähe zum Professor muss nicht immer ein Vorteil sein: Laut Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs bewertet fast ein Viertel der Wissenschaftlichen Mitarbeiter ihre Promotionsbetreuung als nicht zufriedenstellend. Da hilft es auch nicht, wenn mehr als ein Professor für jemanden zuständig ist. Im Gegenteil: Häufig können die Doktoranden den unterschiedlichen Anforderungen mehrerer Betreuer nur schwer gerecht werden.

Zu Hause

Das spricht dafür: Keine Pflichten, kein Termine! Wer frei promoviert, wird wie alle Doktoranden von einem Professor betreut, ist aber weder am Lehrstuhl beschäftigt noch dazu verpflichtet, feste Kurse an der Uni zu besuchen. Man kann die Doktorarbeit also auch nackt auf dem Sofa schreiben. Weil die Uni weder Gehalt noch ein Büro zur Verfügung stellen muss, hat man die größten Chancen, einen Doktorvater von seinem Wunschthema zu überzeugen.

Wer ein Stipendium bekommt - etwa von der Studienstiftung des deutschen Volkes oder einem parteinahen Begabtenförderungswerk -, kann sich voll und ganz auf die Doktorarbeit konzentrieren. Vorausgesetzt, ihm reichen die 1250 Euro, die zum Beispiel die Studienstiftung aktuell für ein Promotionsstipendium zahlt. In der Befragung durch das DZHW hatten Doktoranden mit Stipendium die meiste Zeit für ihre Dissertation, durchschnittlich 5,8 Stunden pro Arbeitstag.

Wer frei promoviert, kann auch schon Berufserfahrung außerhalb der Uni sammeln. Keine schlechte Idee, wenn man bedenkt, dass zwischen 60 und 80 Prozent der Nachwuchswissenschaftler den akademischen Betrieb nach der Promotion verlassen, wie eine Studie des Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung herausgefunden hat. Und wer schon länger mit dem Studium fertig ist, kann so neben dem Job promovieren. "Für eine freie Promotion ohne Stipendium entscheiden sich auch oft diejenigen, die eine Idee aus ihrer beruflichen Praxis zur Promotion bringen wollen", sagt Jakob Tesch vom iFQ.

Das spricht dagegen: Wer keine Verpflichtungen hat, braucht viel Selbstdisziplin. Ein vager Abgabetermin in drei bis vier Jahren und die fehlende Routine durch einen festen Arbeitsplatz können auch dazu führen, dass man die Doktorarbeit immer weiter aufschiebt oder gar nicht abschließt.

Anders als Wissenschaftliche Mitarbeiter haben frei Promovierende meist weniger Bezug zu ihrem Professor. Laut dem Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs treffen sich nur zwölf Prozent von ihnen mindestens einmal pro Woche mit ihrem Betreuer. Das kann auch daran liegen, dass sie aktiver auf ihn zugehen müssen, wenn sie Hilfe brauchen.

Ein besonders großes Problem ist meist das Geld: Von allen Doktoranden haben es freie am schwersten, sich ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, fand das DZHW heraus. Ohne einen Tarifvertrag der Uni oder einen großzügigen Stipendiengeber im Rücken müssen sie nicht nur Miete, Kleidung und Essen aus eigener Tasche zahlen, sondern auch die Fahrten zu Konferenzen. Deshalb müssen freie Doktoranden häufig das Sparkonto plündern oder ihre Eltern um Geld bitten. Doch je mehr Geldquellen sie anzapfen, desto länger dauert laut dem DZHW im Schnitt die Promotion.

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Vom lockeren Gespräch mit dem Prof bis hin zur standardisierten Bewerbung: Das Bewerbungsverfahren für eine Promotion kann sehr unterschiedlich ausfallen. Wir geben dir Tipps.

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Kommentar (1)

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  1. Anonym

    Immer genaue Vertragsbedingungen abklären!

    3500 € sind an der Uni zumindest im Bereich Life Sciences utopisch. Ich kenne niemanden, der mehr als eine 45-50 % Stelle bekommt. Da kommt man dann etwa bei 1250 € raus. Hat man das Glück, an der Uni angestellt zu sein, ist man wenigstens darüber krankenversichert und zahlt in die Rentenkasse. Oft werden die Doktoranden (hier) aber über Kollegs und Stipendienprogramme bezahlt (bequem für die Uni/Arbeitsgruppe), und man muss sich selber versichern. In der Industrie kann es auch passieren, dass man für das Schreiben der Arbeit (was logischerweise am Ende dann doch etwas Zeit in Anspruch nimmt) keinen Arbeitsvertrag (mehr) hat - eine Bekannte schreibt gerade unter Hartz-4 Bezug an ihrer Arbeit.

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