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Zukunft der Promotion

Promotion, Doktorhut, promovieren, Doktorarbeit, Dissertation, Nachwuchswissenschaftler, Quelle: sxc.hu, Autor: marygober

Promotion, Doktorhut, promovieren, Doktorarbeit, Dissertation, Nachwuchswissenschaftler, Quelle: sxc.hu, Autor: marygober

Wer wissen will, wohin die Reise international bei der Doktorandenausbildung geht, ist richtig bei Wonder, dem Worldwide Network on Doctoral Education Research.

Professor, Rektor oder Forschungsförderer: Wer sich professionell mit der wissenschaftlichen Nachwuchsausbildung beschäftigt, steht schnell vor großen Fragezeichen. In Deutschland beginnt das Rätselraten schon bei der amtlichen Statistik. Denn keiner weiß so genau, wie viele in der Bundesrepublik promovieren. Mit entsprechender Vorsicht sind Einschätzungen zu der Frage zu bewerten, die sich Wissenschaftsmanager und Forscher im internationalen Wettbewerb zwangsläufig stellen müssen: Wie attraktiv ist die Promotion in Deutschland im weltweiten Vergleich wirklich?
 
 Nun bietet das Worldwide Network on Doctoral Education (Wonder) dazu zwar auch keine Antworten, wohl aber liefert es Ideen zur Verbesserung der Doktorandenausbildung. "In dem Netzwerk erhalten Praktiker Anregungen aus dem Ausland", sagt Prof. Dr. Barbara Kehm vom Internationalen Zentrum für Hochschulforschung Kassel (INCHER), das vergangenen Frühjahr ein Netzwerktreffen organisierte. Wonder ist aber nicht nur eine Adresse für die, die Doktoranden betreuen oder die Promotionsausbildung als Entscheidungsträger in Universitäten und Förderorganisationen prägen.
 
 Im Netzwerk versammelt und aktiv sind auch Hochschulforscher aus aller Welt. Dass Praktiker, Entscheider und Wissenschaftler Seite an Seite die Schwächen der Promotion analysieren und die wichtigsten Probleme destillieren, hebt Wonder von vielen Thinktanks zur Reform der Doktorandenausbildung ab. Eine weitere Besonderheit: Wonder setzt an der Basis an und sucht in allen Kontinenten nach vielversprechenden Ansätzen. Diese können, aber müssen nicht aus den führenden Wissenschaftsnationen wie den USA, Kanada, Japan oder der EU kommen.

 So ist Wonder für Überraschungen gut. Dass Brasilien Graduate Schools rankt, gehört etwa zu den bemerkenswerten Neuigkeiten, die Dr. Beate Scholz aus dem jüngsten Treffen mitgenommen hat. Scholz gehört dem Netzwerk seit 2007 an. Als Leiterin des Referats "Wissenschaftlicher Nachwuchs" der Deutschen Forschungsgemeinschaft stieß sie damals zur Gruppe. Mittlerweile bekleidet sie diese Funktion nicht mehr, sondern berät als selbstständige Unternehmerin heute Wissenschaftsorganisationen, Unis und Forscher in Deutschland und im Ausland in Sachen Nachwuchsförderung. Dass der Wechsel bei ihr nicht zwangsläufig zum Ausschluss aus dem Netzwerk führte, zeigt, worauf es Wonder ankommt: auf Sachverstand. Er ist entscheidend, nicht die Funktion.

 Mag dieses Auswahlkriterium manchmal auch zu Friktionen führen, der Qualität und der Effektivität der Arbeit ist es dienlich. Genau darauf kam es Prof. Dr. Maresi Nerad (Universität Washington) an, als sie im Jahr 2004 das Netzwerk ins Leben rief. Von Anfang an mit dabei war auch Barbara Kehm. 2005, 2007 und 2009 sollten die Jahre werden, in denen sich die Experten zu einwöchigen Workshops trafen. Der erste fand in Seattle statt, der zweite in Melbourne und der dritte in Kassel. Die Früchte des ersten Workshops lassen sich bereits in einem Buch nachlesen. "Toward a Global PhD? – Forces and Forms in Doctoral Education Worldwide" lautet dessen Titel, erschienen 2008 bei der University of Washington Press. Das Buch zum 2007er Workshop geht in diesem Sommer in Druck, und die Gliederung für die nächste Publikation steht mittlerweile.
 
 Behandelt werden darin die Fragen, die Deutschland mindestens so dringend beantwortet haben will wie die USA, Kanada, Japan, Südafrika, Indien, China oder Australien: Wie kann der Frauenanteil bei Promotionen substanziell erhöht werden? Wie der Zugang zur Promotion für bildungsferne Schichten erleichtert, die Doktorandenausbildung besser strukturiert werden? Und wie lässt sich in Zeiten knapper Kassen eine Wissenschaft am Leben erhalten, die sich jenseits der Mainstream-Forschung bewegt?
 
 "Auf der akademischen Karriereleiter sind zumindest im unteren Bereich, also auf der Ebene der Promotion, die Wissenschaftler im Nachteil, die interdisziplinär forschen oder unkonventionellen Fragestellungen nachgehen", beschreibt Beate Scholz ein Phänomen, das weltweit zu erkennen ist. Die Ursachen dafür lägen längst nicht nur in der Förderpolitik, sagen die Experten von Wonder. Auch die Professoren tragen ihren Teil dazu bei. "Zu einer guten Promovendenbetreuung gehört, die Doktoranden zu ermutigen, Themen in Angriff zu nehmen, die jenseits des Mainstreams liegen", sagt Beate Scholz. Die damit einhergehende Verantwortung ist natürlich groß: "Wer jenseits des Mainstreams forscht, muss jemanden an der Seite haben, der rechtzeitig erkennt, wenn das Thema doch zu riskant ist."
 
 Was also tun? Die wichtigsten Empfehlungen finden sich schon jetzt auf der Website des Netzwerks. Sie richten sich explizit auch an die Politik. Denn obwohl sich Wonder in erster Linie als Gremium versteht, das auf Sachebene arbeitet, ihre Erkenntnisse wollen die rund 50 Wonder-Mitglieder der Politik sehr wohl ans Herz legen. So sucht das Netzwerk jetzt den Kontakt zu etablierten Organisationen, die wie die European University Association oder die European Science Foundation ebenfalls über die Zukunft der Promotion nachdenken.

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