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Promotion aus fremder Feder

Feder, Ghostwriter, Promotion [Quelle: freeimages.com, Autor: bloodylery]

Quelle: freeimages.com, bloodylery

Neben der Promotionsberatung gibt es einige andere Wege zum falschen Doktortitel: Titelmühlen, finanzschwache Universitäten, 'experience degrees' oder Ghostwriter. Auch die e-fellows bleiben von deren Angeboten nicht verschont.

Titelhändler und Ghostwriter sind im Internet präsent. Ganz leicht lassen sich über Google einschlägige Websites finden. Aber auch per E-Mail verbreiten sie ihr Angebot. Und sogar Faxgeräte spucken hin und wieder Offerten aus, die einen diskreten Weg zur akademischen Würde versprechen. Auch die e-fellows bleiben davon nicht verschont.

Nachforschungen verlaufen im Sande

So zum Beispiel e-fellow Katharina (28): "Ich bekomme dauernd E-Mails à la "get your PhD, no classes/textbooks/thesis required". Ist aber auf den ersten Blick schon unseriös, ich kann mir nicht vorstellen, dass da wirklich jemand antwortet." Auch e-fellow Miriam (29) hält von solchen Angeboten rein gar nichts und verbannt entsprechende E-Mails direkt in ihren Spam-Ordner. Sie glaubt auch nicht, dass man bei geübten Personalern mit so etwas Eindruck schinden könne: "Vielmehr würde ich erwarten, dass man postwendend vor die Tür gesetzt wird. Ein exotischer Universitätsname beim PhD regt nämlich zu Nachforschungen an, die dann ja nur im Sande verlaufen können."

Lukrativ für finanzschwache Universitäten

Offenbar ist der Verkauf von Titeln und Graden trotzdem ein lukratives Geschäft. Vor allem finanzschwache ausländische Universitäten, ob nun anerkannt oder nicht, fallen in diesem Gewerbe auf. Besonders in den jüngsten EU-Ländern boomt der Markt. Vorteil hier ist, dass die Titel aller Universitäten aus dem EU-Ausland automatisch in Deutschland anerkannt sind. Auch Manuel Theisen (siehe Interview auf Seite 1) hat diesen Markt auf dem Schirm: "Ich frage mich allerdings, wie die Leute begründen, dass sie als Deutsche einen Titel beispielsweise aus Litauen haben. Obwohl sie die Sprache gar nicht sprechen. Und an diesen Unis geht sicher nichts auf Deutsch."

www.anabin.de

Unter www.anabin.de findest du eine Datenbank mit Informationen zu ausländischen Bildungssystemen und deren Abschlüssen. Dort wird auch über die (korrekte) Anerkennung ausländischer Titel informiert.

Titelmühlen

Ging es bislang noch um wirklich bestehende Universitäten, haben die so genannten Titelmühlen ein anderes Konzept. Titelmühlen sind Briefkasten-Unis, an denen man sich einen Titel - inklusive Urkunde - kaufen kann. Viele gibt es in der Schweiz (zum Beispiel die Uni Teufen) und in den USA, zunehmend aber auch in Osteuropa, bestätigt Manuel Theisen. Auch die Preise variieren dabei – von einigen Hundert bis hin zu mehreren Tausend Euro. "Wer diese Preise allerdings zahlt, ist selber schuld", sagt Manuel Theisen. "So eine Urkunde kann man sich auch zu Hause ausdrucken. Das ist billiger - und wenigstens gibt es so keine Mitwisser."

"Experience Degree"

Eine weitere Idee kommt aus den USA. Dort bieten verschiedene Universitäten sogenannte "experience degrees" an. Die Websites (zum Beispiel der Belford University) suggerieren den Kunden, dass diese ihre Lebens- und Arbeitserfahrung in einen Titel ummünzen könnten. Das "package" kostet auch nur 549 Dollar - ein Schnäppchen.

Ghostwriter: Wenn die Doktorarbeit vom Himmel fällt

Nicht nur Titelhändler, auch Ghostwriter bieten ihre Dienste an. Wer sich seine Dissertation von Geisterhand schreiben lassen möchte, muss bis zu 25.000 Euro zahlen. Professor Dr. Lehner von der Universität Passau bezweifelt allerdings, dass ein Doktorand die Arbeit eines Ghostwriters als seine eigene ausgeben kann: "Wenn der Professor die Betreuung einer Promotion ernst nimmt, wird, dann verfolgt er den Arbeitsfortschritt kontinuierlich und befasst sich auch mit Teilergebnissen. Eine Doktorarbeit fällt also unter normalen Umständen nicht fertig vom Himmel. Bei einer Besprechung der Dissertation mit dem Kandidaten würde man nicht selbst verfasste Arbeiten schnell erkennen. Außerdem glaube ich kaum, dass sich ein Ghostwriter auf eine längere und kontinuierliche Überarbeitung einlassen würde."

Besonders frech

Hauptbestandteil der Promotion ist es, die Dissertation selbstständig zu verfassen. Das wissen auch die Ghostwriter-Dienste. So schreibt beispielsweise der Holzinger Verlag, dass die Diplomanden und Doktoranden verpflichtet seien, keine unzulässige Hilfe in Anspruch zu nehmen. Allerdings stehe es jedem frei, "sämtliche Diplomarbeiten oder Dissertationen dieser Welt anzufordern und zu studieren. Auch die der gleichen Thematik." Die Schreib-Agenturen sind für ihre Dienste gerichtlich nicht zu belangen. Die Erstellung einer Vorlage oder einer Arbeit zu Übungszwecken stellt kein Verbrechen dar. Was der Auftraggeber damit dann macht, liegt einzig und allein in seinem Ermessen.

Beispiele für Ghostwriter-Angebote

Strafe muss sein?

 Akademische Grade und Professorentitel genießen in Deutschland eigentlich besonderen Schutz durch die Gesetze. So sieht der Paragraph 132a StGB folgende Strafe vor: "Wer unbefugt inländische oder ausländische Amts- oder Dienstbezeichnungen, akademische Grade, Titel oder öffentliche Würden führt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft."

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Kommentare (2)

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  1. Anonym

    Zitat aus dem Artikel: "Außerdem glaube ich kaum, dass sich ein Ghostwriter auf eine längere und kontinuierliche Überarbeitung einlassen würde." Doch, sehr gute Ghostwriter tun das. Aber klar, eine gute Betreuung des Doktoranden sollte inhaltliche Schwachstellen erkennen. Aber hierfür gibt es ja ein Doktoranden-Coaching wie z.B. www.textundwissenschaft.de, um den Doktoranden inhaltlich fit zu machen.

  2. Anonym

    Andere, sehr faire Ghostwriter-Angebote kommen z.B. auch von http://ghostwriterjames24.de/. Man muss bei Google nur auf die Suche nach "Ghostwriter-Agentur" gehen.

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