Partner von:

Wem bringt der Doktortitel was?

Graduation, Abschluss, Hut, Promotion [Quelle: freeimages.com, Autor: harrykeely]

Quelle: freeimages.com, harrykeely

Ob eine Promotion berufliche Vorteile verschafft, hängt auch vom Fach ab. Die Aussichten für Titel-Helden im Überblick.

Naturwissenschaften & Mathe

In einigen naturwissenschaftlichen Fächern ist der Dr. vor dem Namen keine Besonderheit, sondern der Normalfall. So entscheiden sich 90 Prozent aller Chemiestudenten im Anschluss an den Master oder das Diplom für eine Promotion. Bei den Biologen seien es immerhin zwei Drittel, Tendenz steigend, sagt Carsten Roller, der beim Berufsverband VBIO für Ausbildung und Karriere zuständig ist. Auch finanziell lohnt sich der Doktortitel: Laut einer Erhebung der Beratungsfirma PersonalMarkt verdienen Naturwissenschaftler und Mathematiker mit Doktortitel beim Berufseinstieg im Schnitt 56.656 Euro im Jahr. Das sind gut 8.400 Euro mehr als bei Anfängern mit Masterabschluss.

Gut 40 Prozent aller Naturwissenschaftler und Mathematiker sagen, dass der Doktortitel zwingende Voraussetzung für ihre derzeitige Stelle sei. Im Vergleich zu anderen Fachrichtungen ist das der höchste Anteil. Wer Karriere im Bereich Forschung und Entwicklung machen wolle, brauche neben dem Doktortitel zusätzliche Qualifikationen wie Postdoc-Aufenthalte oder Forschungs- und Auslandserfahrung, sagt Dirk Meyer, Geschäftsführer im Bereich Bildung, Wirtschaft, Arbeitsmarkt beim Bundesarbeitgeberverband Chemie.

Ingenieurwissenschaften

Im Gegensatz zu den Naturwissenschaften ist der Doktortitel hier keineswegs die Norm: Nur 10 bis 20 Prozent der Ingenieure machen einen Doktor, schätzt Rainer Benien, Referent für die Ingenieurausbildung beim Verband Deutscher Ingenieure. Führungspositionen könne man auch ohne Doktortitel erreichen, es sei denn, man wolle in die Forschung und Entwicklung gehen. Wer als Ingenieur eine Promotion vorweisen kann, darf allerdings auf ein sehr gutes Gehalt hoffen: Rund 62.501 Euro verdienen promovierte Berufseinsteiger, das sind 11.300 Euro mehr als bei ihren Kollegen mit Masterabschluss.

Rechtswissenschaften

Promovierte Juristen gehören zu den absoluten Top-Verdienern: Bereits zu Beginn ihrer Karriere bekommen sie im Schnitt ein Jahreseinkommen in Höhe von 69.586 Euro – und damit fast 14.000 Euro mehr als Berufseinsteiger, die lediglich das Staatsexamen abgelegt haben.

Zwingend vorweisen muss man den Doktortitel allerdings für die wenigsten Stellen, zeigt eine Umfrage des Statistischen Bundesamts. Bei der Großkanzlei Hogan Lovells hat etwa die Hälfte aller Berufseinsteiger einen Doktortitel oder einen Master of Laws (LL.M.). Kerstin Neighbour, Partnerin bei Hogan Lovells, betont, dass der Titel keine Einstellungsvoraussetzung sei. Das wichtigste Kriterium seien nach wie vor die Noten der Staatsexamina, mindestens zwei "voll befriedigend" sollten es für einen Job in ihrem Hause sein. Auch die Aufstiegschancen hingen nicht vom Doktortitel ab. Der Titel zeige aber, dass sich der Absolvent schon gut mit einem bestimmten juristischen Thema auskenne. Berufseinsteiger mit einem LL.M. könnten hingegen oft mit sehr guten Englischkenntnissen glänzen und hätten während des Studiums im Ausland eine andere Kultur kennengelernt. Vor allem ausländische Klienten könnten häufig mehr mit dem LL.M. anfangen als mit dem deutschen Doktortitel.

Sozialwissenschaften

Sozialwissenschaftler mit Promotion verdienen beim Berufseinstieg 46.084 Euro im Jahr und damit gut 8.000 Euro mehr als Kollegen mit Masterabschluss. Ein Karrierebeschleuniger sei der Titel aber nur in bestimmten Fällen, sagt Vinzenz de Rouet, Sprecher des Berufsverbands Deutscher Soziologen. Nützlich sei er zum Beispiel für Führungspositionen, die nicht auf klassischen Berufsbildern aufbauen: Wenn man in der Kommunikationsabteilung eines Technologiekonzerns arbeite und dessen Interessen vertrete, könne der Doktortitel im Umgang mit Gesprächspartnern ausgleichen, dass man kein gelernter Ingenieur sei. In anderen Branchen, wie etwa der Werbung, sei der akademische Abschluss nicht entscheidend. In keinem Fall ersetze die Promotion frühzeitige Berufserfahrung, betont de Rouet.

Sprach- und Kulturwissenschaften

Egal ob mit oder ohne Doktortitel – in der Gruppe der Sprach- und Kulturwissenschaftler liegen die Einstiegsgehälter bei etwa 35.000 Euro im Jahr. Dennoch kann die Dissertation eine lohnende Investition sein: Laut Statistischem Bundesamt geben 38 Prozent der promovierten Sprach-, Kultur- und Kunstwissenschaftler an, dass der Doktortitel Voraussetzung für ihre jetzige Anstellung gewesen sei. Das ist nach den Naturwissenschaftlern die größte Gruppe.

Eine Studie des Institutes für Forschungsinformation und Qualitätssicherung in Bonn zeigt: 60 Prozent wollen in Forschung und Lehre arbeiten – und dafür braucht man natürlich den Doktor.

Wirtschaftswissenschaften

Für die Ökonomen lohnt sich die Arbeit an der Dissertation: Berufseinsteiger mit Doktortitel verdienen im Schnitt 57.617 Euro im Jahr – knapp 10.000 Euro mehr als Anfänger mit Masterabschluss. Der Titel ist außerhalb der Wissenschaft kein Muss, manchmal aber ein nice to have. Gern gesehen wird er zum Beispiel bei großen Unternehmensberatungen. Aber auch dort muss man nicht von vornherein mit einem Titel aufwarten können. Denn die Beratungen bieten ihren jungen Mitarbeitern oft die Möglichkeit, sich eine Zeit lang für eine Promotion oder für einen MBA freistellen zu lassen. "Ob man einen MBA macht oder promoviert, macht für die Karriere bei uns keinen Unterschied", sagt Thomas Fritz, der sich bei McKinsey darum kümmert, Nachwuchs ins Unternehmen zu holen. Die meisten Wirtschaftswissenschaftler in dem Programm hätten sich für die Promotion entschieden.

Im Finanzsektor sei der Doktortitel kaum entscheidend für die Karrierechancen, sagt Hartmut Kliemt, der bei der Frankfurt School of Finance & Management für das Promotionsprogramm zuständig ist. Wichtiger seien Praxiserfahrung, Auslandsaufenthalte und Mathe-Kenntnisse.

nach oben
Akademische Stellen

Stellenangebote für

Doktoranden

und wissenschaftliche

Mitarbeiter

Tipps fürs Studium und

Infos zu Top-Unis - einmal

monatlich in dein Postfach

Kommentare (5)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

  1. Anonym

    Berufserfahrung vor Promotion?

    Was meint ihr denn genau mit früher Berufserfahrung? Das man erst einsteigt und später zurück an die Uni geht und extern promoviert? Oder meint ihr Praktika im Studium? Wie steht ihr zu Promotionsauszeiten für evtl. Praktika oder Honorar arbeiten? Ich hätte ein attraktives Angebot, Themenbereich Konsumentenverhalten (was ganz gut dazu passt, dass mich Marktforschung und UB interessieren). Möglichkeit zur parallelen Weiterqualifikation durch Ausland, Graduiertenprogramm und genug Zeit sind gegeben und Lust drauf hätte ich auch... Meine Befürchtung ist, dass ich überakademisiert werde und später nichts finde. Ist das gerechtfertigt eurer Meinung nach?

  2. Anonym

    Promotion für Psychologen hilfreich?

    Nach 15 Jahren beruflicher Aktivität als Psychologe in der Wirtschaft habe ich mir eine Meinung bilden dürfen. Das meiste von Britta umschriebene habe ich genau so erlebt. Im Wesentlichen bringt der Titel eine "Kompetenzvermutung", und damit trägt es dem persönlichen Status zu. In Unternehmen bringt es vor allem etwas dort, wo Doktorentitel relevant sind. Dazu zähle ich zum einen Unternehmen, in denen viele einen Titel haben wie bspw. in der chemischen Industrie (es gibt mehr promovierte Chemiker als un-promovierte. Zum anderen in Unternehmen mit vielen Statusorientierten Menschen wie in einigen Unternehmensberatungen. Dort wird man als Berater auch an Kunden "verkauft" und diese assoziieren damit wiederum Leistung und Know-How. Zum anderen wird der Titel zum Vorteil in selbstständiger Tätigkeit als Coach / Berater / Trainer. Dort zieht die gleiche Argumentation wie zuvor in Beratungsgesellschaften. Unterm Strich eine eindeutige Empfehlung: Nur wer wirklich Lust hat zu promovieren sollte es machen. Aus strategischen Gründen, um evtl. später davon zu profitieren, ist der Energieaufwand zu hoch und in keinem Verhältnis zum möglichen Ertrag...

  3. Anonym

    Promovieren für Psycholog_Innen mit Berufszielen in der Wirtschaft

    Ich promoviere derzeit im Bereich der Organisationspsychologie und kann daher noch nicht rückblickend für mich selbst bewerten, ob sich die Promotion gelohnt hat. Allerdings bin ich nebenberuflich in Unternehmensberatungsprojekten tätig, und aus meinen Erfahrungen dort und den Erfahrungen meiner Kolleg_Innen würde ich den Nutzen für "uns" ähnlich bewerten wie den im Artikel beschriebenen Nutzen für Sozialwissenschaftler: Der Titel "Dr." bietet bei externen Kunden und Absolventen anderer Fachrichtungen auf jeden Fall ein deutlich besseres Ansehen als die Bezeichnung "Psychologe/Psychologin" und eröffnet damit vermutlich auch bessere Chancen auf Führungspositionen, denn als Psycholog_Innen in der Industrie konkurrieren wir meist mit und bei BWLern oder Ingenieur_Innen um diese Posten. Ich würde hier noch einen stärkeren Effekt des Titels "Dr. rer. nat." erwarten als z.B. für den Titel "Dr. phil.", und auch das Thema würde ich entsprechend wählen. So kann man sich durch einen Dr. rer. nat., erworben durch eine Dissertation mit mehreren Publikationen im Bereich Change Management, meiner Meinung (und Hoffnung) nach sicherlich besser als Berater_In für Change-Projekte empfehlen als allein durch den Titel "Psychologe/Psychologin". Allerdings stimme ich auch dem abschließenden Hinweis zu, dass die Promotion hier in keinem Fall frühzeitige Berufserfahrung ersetzen kann. Eine reine wissenschaftliche Mitarbeiter_Innen-Stelle an der Uni als einzige vorzuweisende Berufserfahrung nach der Promotion würde ich nicht empfehlen, wenn man in die Wirtschaft möchte.

  4. Anonym

    Dito

    Mich würden ebenfalls interessieren, inwieweit eine Promotion bei Psychologen hilft, die in der Wirtschaft (z.B. Personalwesen) tätig sein möchten, wichtig oder nichtig ist?! LG

  5. Anonym

    Promovieren in Psychologie

    Mich würde einmal interessieren, wie es um die Promotion bei Psychologen steht, welche in die Wirtschaft möchten. Da man immer ein bisschen zwischen den Stühlen eines Natur- und Sozialwissenschaftlers steht, findet man hierzu immer nur sehr schwache Informationen. Meine Profession fällt schnell mal etwas unter den Tisch :-) Zurzeit erwäge ich eine Promotion im Bereich Konsumentenverhalten, welche mir neben einem mehrmonatigen Auslandsaufenthalt auch die Möglichkeit bietet, betriebswirtschaftliche Grundlagen in entsprechenden Uni-Modulen in einem Graduiertenprogramm zu erwerben. Nebenbei würde ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeiten. Über Einschätzungen (besonders gerne fundiert) würde ich mich sehr freuen.

Das könnte dich auch interessieren