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Problemlöser im Dreiländereck

Rathaus Zittau (Quelle: Wikimedia Commons, Autor: Lutz Maertens)

Rathaus Zittau (Quelle: Wikimedia Commons, Autor: Lutz Maertens)

Der Weg zur Promotion ist für FH-Absolventen noch immer steinig. Ein Kooperationsmodellim sächsischen Zittau ermöglicht ihnen und ihren Professoren ein berechenbares Verfahren.Es könnte Vorbild für ähnliche Projekte sein.

 Knapp 30.000 Einwohner zählt das beschauliche Zittau. Im Dreiländereck von Deutschland, Polen und Tschechien gelegen, befindet es sich geografisch am Rand der Republik. Das Promotionsmodell seiner erst 1993 gegründeten Universität ist bei Fachhochschulen im ganzen Land jedoch heiß begehrt. An der sächsischen Uni namens Internationales Hochschulinstitut Zittau (IHI) nämlich meint man, eine Lösung für die Zugangsprobleme von Fachhochschülern zur Promotion gefunden zu haben.
 
 Das Promotionsrecht liegt in Deutschland noch immer exklusiv bei den Universitäten. Trotz Mahnungen – wie den Empfehlungen des Wissenschaftsrates – müssen FH-Absolventen auf dem Weg zur Promotion höhere Hürden meistern als ihre Uni-Kollegen. Verlässliche Verfahren für FHler sind rar, und sie sind oftmals auf den guten Willen von Uni-Professoren angewiesen. Das will man mit dem Promotionsmodell in Zittau ändern.
 
 Der Zugang zum Doktortitel für FH-Absolventen ist hier klar geregelt und das Verfahren läuft in festen Strukturen: Voraussetzungen für die Teilnahme sind ein Diplom- oder Masterabschluss, der mindestens mit der Note 2,0 bewertet wurde und zu den besten 15 Prozent eines Jahrgangs zählt. Zudem benötigt ein Kandidat eine Empfehlung des Fachbereichsrates der Partner-FH sowie eine Betreuungszusage eines IHI-Professors. Dann ist ein sechssemestriges Doktorandenstudium zu absolvieren. IHI- und FH-Professoren betreuen die Promotion gemeinsam.
 
 "Die Universitäten können ihr exklusives Promotionsrecht gerade dadurch verteidigen, dass sie auf gute FH-Absolventen zugehen", sagt Prof. Dr. Thorsten Claus, der das Projekt in Zittau betreut. Das kleine IHI mit seinen 245 Studierenden ist seit jeher mit den umliegenden FHs fest verbunden. Zudem konnte man nun über die Doktoranden Kontakt zu forschungsstarken Fachhochschulkollegen in ganz Deutschland aufbauen.
 
 Das Zittauer Modell sieht Claus als Vorbild für ähnliche Kooperationen. Er würde das Angebot gern ausweiten. Absolventen der Fachhochschule Münster profitieren von dem kooperativen Promotionsmodell bereits. Die Münsteraner sind Mitglied im sogenannten "Dok.Net", dem Netzwerk aus sieben Fachhochschulen und dem IHI. Prof. Dr. Ute von Lojewski ist die Präsidentin der FH Münster.
 
 Auch wenn sie lieber mit einer Uni in der Nähe zusammenarbeiten würde, weiß sie die Vorzüge ihrer sächsischen Partner zu schätzen: "Für unsere Studierenden ist der Zugang nicht schwerer als für Uni-Absolventen, und unsere Lehrenden sind grundsätzlich Zweitgutachter", sagt sie. Vor fünf Jahren begann man am IHI, die Kooperationen mit geeigneten Fachhochschulen aufzubauen.
 
 22 FH-Absolventen promovieren momentan in der ostsächsischen Provinz. Damit können längst nicht alle FHler teilnehmen, die das wollen und die geeignet sind, sagt Thorsten Claus. Die sieben Professuren können den Bedarf nicht decken, und man muss mindestens jeden zweiten Bewerber aus Kapazitätsgründen ablehnen.
 
 Derweil erkennen auch andere Standorte die Vorteile gemeinsamer Promotionsverfahren. Baden-Württemberg zum Beispiel folgt den Empfehlungen des Wissenschaftsrats und will in den kommenden drei Jahren acht neue Kollegs mit insgesamt 4,8 Millionen Euro fördern.
 
 In ihnen sollen Uni- und Fachhochschulabsolventen gemeinsam forschen. Auch das Bundesbildungsministerium will die Mauern zwischen beiden Hochschultypen weiter einreißen. Im Herbst 2010 wurde eine Förderung für sechs bis acht „Kooperative Forschungskollegs“ ausgeschrieben. Die Initiative geht auf einen Vorschlag der Hochschulrektorenkonferenz zurück. Expertise und Synergien sollen gemeinsam genutzt werden.

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