Partner von:

Ein Doktor auf Abwegen

Diplom, Titelhandel, Promotion [Quelle: freeimages.com, Autor: marygober]

Quelle: freeimages.com, marygober

Jedes Jahr erlangen rund 25.000 Promovenden in Deutschland ihren Doktortitel. Nicht immer geht jedoch der Promotion die vorgeschriebene wissenschaftliche Leistung voraus. Rund zwei bis drei Prozent der jährlich vergebenen Doktorhüte sind erschlichen, schätzt Manuel Theisen, Professor an der LMU in München.

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: 100 Professoren aus ganz Deutschland sollen Doktoranden zum Titel geschummelt haben - oft in Zusammenarbeit mit einem Promotionsberater. Das erzürnt vor allem die Doktoranden, die jahrelange Arbeit in ihren Titel stecken. Wer nämlich keine Lust oder keine Zeit hat, den vorgeschriebenen Weg zu gehen, kann sich nach Alternativen umsehen. Dabei stolpert man schnell über zahlreiche Angebote wie Promotionsberatungen, Ghostwriter oder Titelmühlen. Doch recht oder gar billig ist dieser Ab-Weg zur Promotion nicht.

Promotionsberater

Der beliebteste – und mittlerweile auch bekannteste - Weg zur Erschleichung eines Doktortitels geht über die Promotionsberater. Da kommt am Ende immerhin ein "echter" und offiziell anerkannter Doktor-Titel heraus. Promotionsberater vermitteln zwar laut eigener Aussage lediglich Kontakte zwischen Promotionswilligen und Professoren. Dafür verlangen sie gerne mehrere Tausend Euro. All inclusive bei dieser Art von Hilfe sind aber auch die Beschaffung von Literatur und Material oder die Organisation von Schreibarbeiten. Da liegt die Vermutung nahe, dass sich die "Beratung" nicht nur im legalen Bereich bewegt.

Trio Infernale

Auch Manuel Theisen (siehe Interview unten) steht diesen Angeboten skeptisch gegenüber: "Da stimmt einfach das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht". Tatsächlich geht die Leistung einiger Promotionsberater dann auch viel weiter. Assistenten werden eingekauft, Dissertationen untergeschoben oder gar von einem Ghostwriter verfasst. Und der Professor wird nicht nur vermittelt, sondern oft auch geschmiert. Die mündliche Prüfung ist natürlich auch abgesprochen. Ein "Trio Infernale" nennt Manuel Theisen das Dreigespann aus Professor, Doktorand und Promotionsberater. Und solange das dicht hält, kann der Kunde seinen "echten" Titel von einer anerkannten Hochschule genießen.

Warum sind Titelfälschungen in Deutschland so verbreitet?

Das liegt an den akademischen Gepflogenheiten in Deutschland. Titel sind einfach unglaublich wichtig, jeder möchte mit seinem 'Doktor' angesprochen werden. In den USA ist das beispielsweise ganz anders. Hinzu kommt, dass so ein Titel oft auch einen enormen Gehaltssprung bedeutet, vor allem bei Medizinern, Juristen und Naturwissenschaftlern. Die Anfangsinvestition lohnt sich also. 

Was glauben Sie, treibt die Leute dazu, sich falsche Titel zuzulegen?

Mancher hat sicher einen zu schlechten Abschluss, andere wiederum arbeiten schon und haben einfach keine Zeit. Dafür haben sie genug Geld, den Titel zu kaufen. Für viele ergibt sich auch ein Karrieresprung, wie ich eben schon erwähnt hatte, und der lohnt sich dann. Eventuell fürchten einige auch ohne einen solchen Titel einen Karriereknick.

Wie viele Arbeiten, schätzen Sie, sind jedes Jahr gefälscht?

Es gibt zahlreiche Fälschungsangebote am Markt, und dabei muss es ja auch etwas zu verdienen geben. Um also die kritische Masse zu erreichen, gehe ich bei 25.000 offiziell gemeldeten Promotionen davon aus, dass ungefähr zwei bis drei Prozent falsch sind.

Hat sich die Titelfälscher-Situation in den letzten Jahren gebessert?

Nein, es hat sich nicht viel geändert. Es gibt immer noch falsche Titel und bestechliche Professoren. Zwar gab es ein paar  einschneidende Urteile, aber die hatten anscheinend keine Breitenwirkung. Beim Urteil gegen den Hildesheimer Professor stand sogar eher der Sex-Skandal im Vordergrund, nicht seine Bestechlichkeit. Ich habe allerdings schon den Eindruck, dass immer mehr Menschen für dieses Thema sensibilisiert sind.

Mehr Transparenz

Trotz größerer öffentlicher Aufmerksamkeit kommt tatsächlich nur ein Bruchteil der Fälschungen ans Licht. Das liegt nicht zuletzt an den oft laschen Kontrollen der Universitäten. So fordert der Deutsche Hochschulverband, dass bei den Promotionsprüfungen mehr Transparenz herrschen müsse. Bislang ist oft nur der Professor, ein Protokollant und der Prüfling anwesend. Da kann man leicht die Fragen absprechen. Da der Hochschulverband aber keine Aktionsgewalt über die Promotionsordnungen der deutschen Universitäten besitzt, kann er nur Empfehlungen aussprechen und das Geschehen beobachten: Empfehlung des Hochschulverbands (PDF)

Herr Jaroch, wie intensiv beschäftigt sich der Deutsche Hochschulverband mit Promotionsberatern?

Das Thema ist bei uns leider seit Jahren präsent. Schon 1994 haben wir in einer Resolution zur "Käuflichen Promotion" (siehe oben) festgehalten, dass die Universitäten bestimmte Vorkehrungen in ihre Promotionsordnungen aufnehmen sollten. Dazu gehört auch eine eidesstattliche Erklärung, in der der Promovend zusichert, die Arbeit allein, also ohne die Hilfe Dritter und vor allem ohne die Hilfe eines Promotionsberaters, verfasst zu haben. 

Kann ein Promotionsberater wirklich besser den Kontakt zu einem Hochschulprofessor herstellen? Und ist das mehrere Tausend Euro wert?

Für eine pure Vermittlung sind mehrere Tausend Euro ein viel zu hoher Preis. Wer einen Doktorgrad erwerben will, muss einen Universitätsprofessor von seiner Qualifikation und seinem Promotionsvorhaben überzeugen. Diese Aufgabe kann einem Promovenden niemand abnehmen. Trotzdem werden immer wieder sogenannte Promotionsberater versuchen, sich hier gegen ein hohes Entgelt einzubringen. Es besteht der begründete Verdacht, dass nicht wenige davon illegale "Rundum-Sorglos"-Pakete schnüren, die das Verfassen der Doktorarbeit und Absprachen mit dem jeweiligen Betreuer umfassen - natürlich für einen mindestens fünfstelligen Euro-Betrag.

Gibt es eigentlich auch seriöse Promotionsberatungen?

Ich persönlich kenne keine.

nach oben
Akademische Stellen

Stellenangebote für

Doktoranden

und wissenschaftliche

Mitarbeiter

Tipps fürs Studium und

Infos zu Top-Unis - einmal

monatlich in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren