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Dr. Unsichtbar zeigt Gesicht

Promotion, Quelle: sxc.hu, User: omar franc

Promotion, Quelle: sxc.hu, User: omar franc

Manchmal fehlen selbst den Unzufriedenen die Worte. Bei Dr. Unsichtbar zum Beispiel ist das so. Er schweigt noch nicht einmal aus Trotz, er hat schlicht keine Zeit zum Reden. Zu beschäftigt ist er, sich in der Wissenschaft und seine Familie über Wasser zu halten. Wer hat da noch einen Kopf für Lobbyarbeit?

Dabei wäre sie bitter nötig. Denn trotz aller Fortschritte in Bezug auf Förderprogramme, die wichtigste Frage lassen Deutschlands Unibosse hübsch unbeantwortet. "Ich vermisse bei den Universitäten einfach den Mut, feste Stellen für gute Forscher unterhalb der Ebene der Professur einzurichten", sagt Peter Fischer.
 

Festanstellung? Fehlanzeige

 Damit spricht der Postdoc nicht nur das aus, was sich viele seiner Kollegen auf dem Weg zur Professur wünschen, er benennt auch einen handfesten Nachteil, den Deutschland im Brain-Gain hat. Ob Großbritannien, Frankreich oder auch die USA - im internationalen Vergleich leistet sich kein Land so wenig festangestellte Wissenschaftler wie Deutschland. Dem Bundesbericht für den wissenschaftlichen Nachwuchs zufolge hat in deutschen Unis nur etwa ein Fünftel der Hochschullehrer eine unbefristete Stelle. Frankreich, die USA und Großbritannien haben mehr festangestellte Hochschullehrer. In Großbritannien haben zwei Drittel und in Frankreich sogar fast drei Viertel der Hochschullehrer einen unbefristeten Vertrag.
 
 Ist das deutsche Konzept wettbewerbsfähig? Dr. Andreas Keller zweifelt: "Die Qualität wissenschaftlicher Arbeit hängt mit der Qualität der Arbeitsbedingungen zusammen. Wenn sich der Forschermangel weiter zuspitzt, wird es darum gehen, dem Nachwuchs verlässliche Perspektiven zu geben", sagt Keller, im Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zuständig für Hochschule und Forschung.
 

13 Jahre in der Furche

 Wie unsicher wissenschaftliche Laufbahnen in Deutschland sind, lässt sich in der Studie "Wege zur Professur" nachlesen, die vergangenes Frühjahr im Waxmann-Verlag erschien. Nach dem Befund der Kasseler Hochschulforscher Kerstin Janson, Harald Schomburg und Ulrich Teichler erstreckt sich die Phase instabiler Beschäftigung für Wissenschaftler in Deutschland über durchschnittlich 13 Jahre. Und der Karriereweg bleibt in Deutschland nach der Promotion mindestens so unsicher wie davor – anders als in den USA, wo junge Wissenschaftler auf Tenure-Track-Positionen gelangen können.
 
 Wenn deutsche Postdocs in die USA schauen, dann sind es eben diese Stellen mit der Perspektive auf eine Lebenszeitprofessur, die ihnen den Blick verklären. Davon träumen sie. Deshalb gehen sie gern in die USA. Von der Arbeit in den Instituten jenseits des Atlantiks schwärmen sie aber auch, weil sie dort Respekt erfahren und damit das bekommen, was ihnen in Deutschland fehlt: ein Gesicht.

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