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Titelduell - MBA versus Doktor

Boxhandschuhe (Quelle: freeimages.com, Autor: andysteel)

Quelle: freeimages.com, andysteel

Früher war alles noch ganz einfach: Wer nach dem Diplom einen weiteren Titel wollte, der promovierte. Doch zum Doktor-Titel hat sich längst ein weiterer etablierter Abschluss gesellt: der MBA. Aber welcher Titel bietet die besseren Karriere-Aussichten?

Zumindest in Deutschland ist die Promotion nach wie vor der bekanntere Abschluss. Erst seit den 90er Jahren ist auch der Master of Business Administration, kurz MBA, anerkannt. Doch die MBA-Programme sind auf dem Vormarsch: Insbesondere die großen Unternehmensberatungen stellen ihre Consultants heute vor die Wahl, ob sie nach zwei Jahren im Job noch eine Promotion oder einen MBA obendrauf setzen.

Der MBA-Anwärter

  • hat in der Regel kein wirtschaftsbezogenes Studium absolviert
  • möchte breite betriebswirtschaftliche Kenntnisse erwerben
  • strebt Management- und Führungsaufgaben an
  • möchte in relativ kurzer Zeit einen weiteren Titel erwerben

Der Promotions-Anwärter

  • möchte einen speziellen Aspekt seines Erststudiums vertiefen
  • hat Lust, sich durchschnittlich drei Jahre mit dem gewählten Thema zu beschäftigen
  • strebt eine Fachkarriere auf seinem Spezialgebiet an

Der MBA: Wirtschaft generale

Hinter dem MBA verbirgt sich ein generalistisches Management-Studium. Zielgruppe der MBA-Programme sind (angehende) Führungskräfte, die sich zu ihrem Fachwissen aus dem Erststudium allgemeine Wirtschafts- und Führungskompetenzen aneignen wollen. Was du voher studiert hast, ist egal - mit einer Einschränkung: Betriebswirte und Wirtschaftswissenschaftler haben sich bereits in ihrem Erststudium ausgiebig mit vielen Inhalten auseinandergesetzt, die auch im MBA gelehrt werden. Trotzdem kann sich ein MBA für sie lohnen. Sie sollten sich aber für ein spezialisiertes MBA-Programm entscheiden, das den Schwerpunkt auf ein bestimmtes Fach legt (z.B. Controlling) - oder aber für einen Master in Management.

Zurück zu den Büchern

Ursprünglich kommt das MBA-Konzept aus den USA, wo es als vollwertiges Studium gilt und häufig direkt nach dem College absolviert wird. In Europa hingegen sind bei guten Programmen ein abgeschlossenes Hochschulstudium und einige Jahre Berufserfahrung üblicherweise Voraussetzung. Die MBA-Studenten sind daher hier wesentlich älter als in den USA.
 
Einige Business Schools verzichten bei entsprechend langer Berufserfahrung sogar auf ein Hochschulstudium als Voraussetzung. Im Unterschied zur Promotion, die man direkt nach dem Erststudium machen kann, müssen sich die MBA-Studenten also nach mehreren Jahren im Beruf noch einmal aufraffen und die Schulbank drücken. Während manche die neue geistige Herausforderung genießen, fällt anderen die Rückkehr zu den Büchern schwer.

Fallstudie statt Frontalunterricht

So trocken wie an der Uni geht es an der Business School allerdings selten zu: Statt Frontalunterricht gibt es Projekte, Gruppenarbeit und Fallstudien – üblicherweise komplett auf Englisch. Im klassischen MBA belegen die Studenten neben wirtschaftswissenschaftlichen Fächern wie Rechnungswesen, Wirtschaftsrecht, Marketing oder Personalmanagement auch Kurse zu Verhandlungstechniken, unternehmerischem Denken und Führungskompetenzen.

Vollzeit, Teilzeit oder Fernstudium?

Ob Vollzeit-, Teilzeit- oder Online-MBA, die Business Schools zeigen sich flexibel. Im Vollzeit-Studium dauert ein MBA in der Regel zwölf Monate. Im berufsbegleitenden Teilzeit- oder Fernstudien-Modell kann er jedoch auch mehrere Jahre dauern.

Hohe Gebühren...

Da die Studiengänge meist ausschließlich durch die Gebühren der Teilnehmer finanziert werden, müssen diese oft tief in die Tasche greifen: Bei etwa 10.000 Euro fangen die Programme an. Nach oben sind im Grunde keine Grenzen gesetzt und für teure Programme in den USA fallen schon mal 50.000 Euro an. Die meisten Business Schools bieten jedoch MBA-Stipendien an. Es lohnt sich auch, den Arbeitgeber nach finanzieller Unterstützung zu fragen – schließlich profitiert er von der Weiterbildung seines Mitarbeiters.

...stattliche Gehälter

Die hohen Studiengebühren holen die MBA-Absolventen relativ schnell wieder rein: Laut MBA-Ranking der Financial Times Deutschland von 2009 verdienen Absolventen der im Ranking vertretenen Schulen drei Jahre nach ihrem Abschluss durchschnittlich 123.000 US-Dollar - über 90.000 Euro.

McKinsey-Mitarbeiter können nach zwei Jahren eine Auszeit nehmen, um einen MBA zu machen oder zu promovieren. Doch macht es für deine weiteren Karriereaussichten einen Unterschied, ob du dich für die eine oder andere Variante entscheidest?

Ob sich ein Fellow bei McKinsey nach zwei Jahren Beratertätigkeit für eine Promotion oder einen MBA entscheidet, ist ihm völlig freigestellt. Bei der Entscheidungsfindung helfen aber oft Fellows, die schon in ihrem Leave - also der Freistellung zum Erwerb einer weiteren akademischen Qualifikation - sind.
 
Auch ehemalige Fellows, die MBA oder Promotion bereits erfolgreich absolviert haben, unterstützen oft mit wertvollen Informationen und Empfehlungen. Zudem hat jeder Berater bei McKinsey einen Partner als persönlichen Mentor. Dieser ist für die individuelle Entwicklung seines Mentees bei McKinsey verantwortlich und damit fester Ansprechpartner für mögliche Weichenstellungen, eventuelle Probleme und wichtige Fragen. Egal ob mit Doktorhut oder MBA-Titel - die Rückkehr zu McKinsey erfolgt immer in die Position eines Senior Associate.

Dr. Thomas Fritz, Director of Recruiting bei McKinsey

Promovierte verdienen weniger

So üppig sieht es bei den Doktoren nicht aus: Laut einer Studie von gehaltsreporter.de verdienen Absolventen mit Doktortitel zwischen 50.000 und 60.000 Euro pro Jahr (Stand: 2010). Ein "normaler" Absolvent verdient laut derselben Studie durchschnittlich 38.511 Euro jährlich. Allerdings verwischen die anfänglichen Unterschiede schnell, und ein Absolvent ohne Doktortitel verdient nach rund drei Jahren genauso viel wie jemand mit Promotion. Fazit: Wem es vor allem ums Gehalt geht, der fährt mit dem MBA besser.

Wirtschaft oder Wissenschaft?

Im Gegensatz zum MBA ist die Promotion eine fachliche Vertiefung und eine Spezialisierung des Erststudiums. Im Durchschnitt dauert sie drei Jahre und somit deutlich länger als ein MBA. Der wissenschaftlich höhere Grad ist der Doktortitel. Wer also an der Uni Karriere machen will, kommt um ihn nicht herum. Ein MBA ist für wissenschaftliche Karrieren hingegen uninteressant.

Promotion: Die Branche steht fest

Wer eine Fach-Karriere anstrebt oder in der Wissenschaft bleiben möchte, der sollte sich eher für eine Promotion entscheiden. Im Unterschied zum MBA legt man sich mit einer Promotion meist stärker auf eine bestimmte Branche fest.

Neben dem Job zum Doktor

Wie der MBA, kann auch die Promotion berufsbegleitend absolviert werden. Man sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass die Doktorarbeit sehr viel Eigeninitiative und in Kombination mit dem Job ein gutes Zeitmanagement erfordert. Auch der MBA verlangt den Teilnehmern viel ab. Doch während man beim MBA an klar definierten Modulen und Projekten arbeitet, besteht bei der Doktorarbeit schneller die Gefahr, sich in Details zu verirren und so wertvolle Zeit zu verlieren.

Management- oder Fachkarriere?

Fazit: Wer in der Wirtschaft in Management-Positionen arbeiten will, Leute führen möchte und in seinem Erststudium keine oder wenig Wirtschaftskenntnisse erworben hat, für den empfiehlt sich ein MBA. Generell sind MBA-Absolventen häufig breiter einsetzbar als Promovierte, da ihre Management-Kompetenzen grundsätzlich in allen Unternehmen gebraucht werden. Natürlich heißt das nicht, dass jemand mit Promotion keine Führungskraft werden kann – im Gegenteil: Häufig erreichen Mitarbeiter mit Doktortitel hohe Positionen im Unternehmen. Im Gegensatz zur Promotion ist ein MBA jedoch explizit darauf ausgelegt, eine Führungsposition einzunehmen.

Mittelstand: Bitte keine Zeit vergeuden

Egal ob Promotion oder MBA: Wer eine der beiden Optionen in Erwägung zieht, sollte sich immer auch überlegen, wo er seine berufliche Zukunft sieht. Während große und internationale Unternehmen es gerne sehen, wenn ihre Mitarbeiter einen weiteren Titel erwerben, sehen mittelständische Unternehmen diesen manchmal als "Zeitverschwendung" an. Sie legen häufig nicht so viel Wert auf Formalia und sehen es lieber, wenn der Mitarbeiter unternehmens- oder branchenspezifische Fortbildungen absolviert.

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