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Forschung an der Grenze des Wissens

Labor, bunte Gläser [Quelle: freeimages.com, Autor: 123dan321]

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Anfang des Jahres hat er seinen fünften Geburtstag gefeiert: der Europäische Forschungsrat. Grund zum Feiern gab es genug – stolze 7,5 Milliarden Euro vergibt die größte EU-Fördereinrichtung bis 2013 an junge wie gestandene Forscher. Ziele sind dabei bahnbrechende Ergebnisse und die Autonomie der Wissenschaft. Was steckt hinter dieser Idee? Und wer bekommt die millionenschweren Stipendien?

Wer forscht, braucht Geld. Und das nicht zu knapp - Personal, Geräte und Experimente müssen bezahlt werden. Bisher hatte man meist nur mit Industrieprojekten oder guten Kontakten eine Chance auf Forschungsgelder. Dem hat die Europäische Kommission 2007 mit der Gründung des Europäischen Forschungsrats (European Research Council - ERC) Abhilfe geschaffen. Und folgte damit dem schon lange etablierten amerikanischen Vorbild, der National Science Foundation (NSF).

Ziel: Autonomie der Wissenschaft

Seitdem können bis 2013 jährlich eine Milliarde Euro an Forscher in Europa vergeben werden. Grundlage hierfür ist das siebte Rahmenprogramm für Forschung - ein Programm der Europäischen Union für Forschung und technologische Entwicklung im Zeitraum von 2007 bis 2013. Insgesamt kam es in den ersten fünf Jahren knapp 2.600 Wissenschaftlern zu Gute. Das Ziel ist anspruchsvoll: die Autonomie der Wissenschaft.

Wissenschaftlicher Rat und Exekutivagentur

Der Europäische Forschungsrat hat seit 2010 die österreichische Forscherin Helga Nowotny als Präsidentin und besteht aus zwei Teilen: dem wissenschaftlichen Rat und der Exekutivagentur. Der Rat ist unabhängig und legt die Strategien und Methoden fest. Die Exekutivagentur dagegen handelt im Namen der Europäischen Kommission und setzt die Maßnahmen des Rats um.

Vorstöße ins Unbekannte

Gefördert wird die Grundlagenforschung, vor allem die Pionierforschung – auch "Frontier Research" genannt. Das bedeutet: risikoreiche und visionäre Forschung, die klassische Disziplinen mit neuartigen Technologien verbindet. Mit diesen Vorstößen ins Unbekannte erhoffen sich die Vertreter des Rats neue bahnbrechende Ergebnisse, die von den klassischen Sponsoren wie Industrie und Wirtschaft nie gefördert worden wären.

Einziges Auswahlkriterium: Exzellenz

Thematisch gibt es bei den Förderkriterien keine Einschränkungen. Wissenschaftliche Exzellenz soll das alleinige Auswahlkriterium sein. Das bedeutet konkret: Die wissenschaftliche Laufbahn des Forschers, die Relevanz seiner Veröffentlichungen sowie Qualität und Charakter des Projekts sind entscheidend. Zudem müssen formale Kriterien erfüllt sein – wie zum Beispiel eine gewisse Anzahl an Publikationen oder eine Mindestarbeitszeit, die man für das Projekt aufwendet.

Für Nachwuchstalente ...

Es gibt zwei unterschiedliche Förderlinien. Für Nachwuchswissenschaftler gibt es den "Starting Independent Researcher Grant" mit maximal 1,5 Millionen Euro. Dazu zählen Forscher ab zwei und bis zu zwölf Jahre nach ihrer Promotion. Hier soll vor allem die Unabhängigkeit der Nachwuchsforscher gesichert werden.

... und alte Hasen

Erfahrenere Spitzenforscher können sich für den "Advanced Investigator Grant" bewerben. Dieser stellt weniger eine Starthilfe, sondern mehr eine Auszeichnung für etablierte Wissenschaftler dar. Dazu sollten diese in den vergangenen zehn Jahren bedeutende Ergebnisse in ihrer Karriere vorweisen können. Dafür gibt es dann maximal 2,5 Millionen Euro – auf fünf Jahre verteilt.

Wie kann ich mich bewerben?

Die Ausschreibungen werden in drei Linien unterteilt: "Physical Sciences and Engineering", "Life Sciences" und "Social Sciene and Humanities". Für jeden Bereich gibt es separate Bewerbungsfristen. Anschließend erfolgt die Auswahl in zwei Stufen. In der ersten Stufe wird die bisherige Laufbahn und eine fünfseitige Kurzversion des Projekts auf den Prüfstand gestellt. Hat der Antrag überzeugt, schafft er es in die zweite Runde. Hier wird die ausführliche Beschreibung des Projekts, die Budget-Planung und Team-Zusammenstellung betrachtet. Bei den "Starting Grants" werden die Antragssteller zudem nach Brüssel eingeladen, um in Interviews ihre Idee persönlich vorzustellen. Bewerbungen für den "Advanced Grant" erfolgen dagegen nur schriftlich.

Wer entscheidet über Ablehnung und Annahme meines Projekts?

Insgesamt gibt es 25 sogenannte Panels, die die Auswahl der Projekte übernehmen. Jedes Panel besteht aus zehn bis 14 hoch anerkannten Mitgliedern. Die ausgewählten Gutachter kommen aus der ganzen Welt – bei Bedarf können auch weitere externe Experten hinzugezogen werden.

Mehr Infos zur Bewerbung bei deiner Nationalen Kontaktstelle

Auch wenn das Verfahren nach Angaben des Rats unkompliziert und wenig bürokratisch sein soll, gibt es einiges zu beachten: Der Budgetplan muss nach bestimmten Regeln aufgestellt werden, zahlreiche formale Kriterien müssen erfüllt sein. Wer da nicht mehr durchblickt, kann sich an eine der Nationalen Kontaktstellen (NKS) wenden. Diese wurden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zur Beratung für Wissenschaftler eingerichtet. Zu finden sind sie an deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen. Die Experten helfen vor Ort bei der Antragsstellung und rechtlichen und finanziellen Beratung. Außerdem bietet die Nationale Kontaktstelle Workshops und Informationsveranstaltungen zum Europäischen Forschungsrat an. Mehr Infos unter: www.eubuero.de.

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