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Die Suche nach Prof. Right

Frage Fragezeichen Anonym Anonymität Frau hält Papier vors Gesicht (© fotolia.com - lassedesignen)

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Den richtigen Betreuer für die Promotion zu finden ist fast wie eine Partnerwahl. Was man beachten sollte.

Sie müssen raus, um ihn zu treffen

Homepages und Bewertungsseiten wie zum Beispiel meinprof.de sind wie Online-Dating-Plattformen: Sie geben einen ersten Eindruck – mehr nicht. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob ein Dozent Ihnen persönlich liegt, müssen Sie das Sofa verlassen. In seiner Vorlesung hören Sie, wie er argumentiert – und Sie sehen auch gleich, wie er mit seinen Studenten umgeht. In einem ersten Gespräch können Sie gezielter nachfragen. Konferenzen oder Tagungen sind ebenfalls eine gute Möglichkeit, um sich Dozenten einmal näher anzuschauen und sie anzusprechen.

Er ist näher, als Sie denken

Im Idealfall hatten Sie bereits Glück mit dem Betreuer Ihrer Masterarbeit, und er bietet sich an, auch die Doktorarbeit zu übernehmen. Dann kennen Sie ihn und seinen Schwerpunkt schon genau und wissen, wie er sich als Betreuer verhält. Wenn das nicht der Fall ist, kann er Ihnen vielleicht einen Kollegen nennen. So können Sie sich diesem schon mit einer Empfehlung vorstellen. Wenn sich an Ihrer Uni niemand findet, können Sie auch die Literaturliste Ihrer Masterarbeit konsultieren. Vielleicht ist hier jemand dabei, dessen Arbeit Sie besonders begeistert hat.

Sie teilen dieselben Interessen

Das Entscheidende ist die Fachkenntnis: Nur wenn Ihr Betreuer mit Ihrem Thema selbst sehr vertraut ist, kann er Ihnen die nötige Hilfestellung geben, um Ihr Forschungsgebiet einzugrenzen. Wenn Sie ihn noch nicht kennen, sind Publikationsliste und Vorlesungsverzeichnisse die ersten Indikatoren. Wer eine wissenschaftliche Karriere anstrebt, sollte sich für einen Betreuer entscheiden, der in den einschlägigen Fachzeitschriften veröffentlicht. Eine ähnliche Haltung und Arbeitsweise sind auch dann von Vorteil, wenn Sie als wissenschaftliche Hilfskraft für ihn arbeiten wollen.

Er will es auch

Ist er überhaupt ein Beziehungstyp? Dazu befragen Sie am besten Ihre Vorgänger. Was ist aus den Doktoranden geworden, die der Professor bisher betreut hat? Wie viele haben in den vergangenen Jahren erfolgreich abgeschlossen? Viele Unis veröffentlichen eine Liste mit den Titeln und Autoren der abgeschlossenen Arbeiten. Manchmal gibt es auch ein Netzwerk für ehemalige und aktuelle Doktoranden. Schwierig wird die Recherche, wenn es sich um einen frisch berufenen Professor handelt, zu dem es noch keine Erfahrungswerte gibt. Hier können Sie zumindest davon ausgehen, dass er ein Interesse daran hat, Doktorarbeiten zu betreuen. Zudem liegt seine eigene Promotion noch nicht so lange zurück, und er wird sich an viele Probleme noch erinnern.

Nett reicht nicht

Ob ein Professor ein guter Betreuer wäre, lässt sich gleich bei der ersten Kontaktanbahnung testen. Antwortet er zuverlässig auf E-Mails? Findet seine Sprechstunde tatsächlich regelmäßig statt? Kann er genaue – und hilfreiche – Literaturhinweise geben? Was Sie erwarten, sollten Sie natürlich auch selbst beachten. Gehen Sie gut vorbereitet in die Sprechstunde, notieren Sie sich, was Sie fragen wollen, protokollieren Sie die wichtigsten Punkte des Gesprächs.

Er nimmt sich Zeit für Sie

Immer mehr Universitäten lassen Professoren und ihre Doktoranden eine Betreuungsvereinbarung schließen. Darin wird im besten Fall genau festgehalten, wie oft sich die beiden treffen wollen und was sie voneinander erwarten. Der Professor kann so besser abschätzen, wie viel Arbeit auf ihn zukommt. Und der Doktorand muss sich nicht wie ein Bittsteller fühlen, wenn er nach Terminen fragt. Selbst wenn sich der Professor zu regelmäßigen Treffen verpflichtet hat, gibt es allerdings Faktoren, die eine gute Betreuung erschweren: Dazu gehört zum Beispiel, wenn der Professor zur Uni pendelt und nur tageweise im Büro ist. Wenn er durch Mitgliedschaften außerhalb der Universität stark eingespannt ist oder kurz vor dem Abschluss eines neuen Buches steht. Oder wenn bereits abzusehen ist, dass er einen Ruf an eine andere Universität annehmen könnte oder bald emeritiert. Ein Blick auf seinen Lebenslauf und eine Nachfrage in seinem Büro können das beantworten.

Es muss funken

Und zwar auch bei ihm. Das klingt banal, aber nur wenn Ihr Betreuer wirklich von Ihrem Thema begeistert ist, wird er sich auch die nötige Zeit für Sie nehmen.

Geld spielt eine Rolle

Wenn man verliebt ist, denkt man nicht an Geld. Wenn man begeistert ist, ebenso wenig. Tatsächlich sind drei Jahre aber eine lange Zeit, und irgendwann weicht der Idealismus vielleicht dem Wunsch, morgens nicht mehr das dreckige Geschirr seiner drei Mitbewohner zu sehen. Wenn die Finanzierung noch nicht durch ein Stipendium oder eigene Arbeit sichergestellt ist, sondern auch durch den Prof erfolgen muss, lassen Sie sich verbindliche Zusagen geben – möglichst für die gesamte Zeit der Promotion. Wer eine wissenschaftliche Stelle übernimmt, sollte ebenso verbindlich festlegen, wie viel Zeit ihm für die Arbeit an der Promotion zur Verfügung steht.

Niemand ist eine Insel

Für die wissenschaftliche Arbeit braucht man gute Bedingungen wie eine voll ausgestattete Bibliothek mit einer Lizenz für alle wichtigen Zeitschriften und einen Arbeitsplatz. Versuchen Sie, sich die nächsten Jahre vorzustellen: Wollen Sie so lange in der Stadt bleiben? Bietet Sie genug Möglichkeiten für Ihre Lebensplanung?

Eine Beziehung ist ein Geben und Nehmen

Eine gute Beziehung beruht auf Vertrauen. Sie müssen davon ausgehen können, dass Ihr Betreuer Ihre Ergebnisse nicht allein für sich reklamieren wird, er wiederum muss sich darauf verlassen können, dass Sie sorgfältig arbeiten. Ein gut vernetzter Betreuer hilft Ihnen bei Ihrer Karriere. Er nimmt Sie mit auf Konferenzen oder nennt Sie in Publikationen. Dafür müssen Sie vielleicht sein Redemanuskript abtippen oder spätabends noch einen Aufsatz einscannen. Mit einer Betreuungsvereinbarung hat man den Umfang im besten Fall vorher geklärt und hat in der Universität auch jemanden, der die Qualitätssicherung übernimmt und vermittelt. Was mit Daten und Patenten geschieht, sollte man auf jeden Fall schriftlich festhalten.

Keiner ist perfekt

Förderer, Motivationstrainer, Kontrolleur, Zeitmanager – an einen Betreuer werden viele Erwartungen gestellt. Niemand kann alle Rollen gleichmäßig gut ausfüllen. Machen Sie sich am besten vorher klar, welche Ihnen am wichtigsten ist, welche der Betreuer tatsächlich übernehmen möchte und wer Sie sonst noch unterstützen kann. Wenn Sie mehr als einen Ansprechpartner haben, schützt Sie das auch davor, in zu große Abhängigkeit von Ihrem Professor zu geraten. Vielleicht brauchen Sie für einen Teilbereich Ihrer Arbeit ohnehin zusätzliche fachliche Unterstützung. Zum Beispiel, weil Sie viel Statistik auswerten oder Interviews filmen möchten. Als Motivatoren dienen können auch Ihre Mitdoktoranden. Vielleicht hat der Fachbereich außerdem ein Graduiertenkolleg, oder es gibt eine Graduiertenakademie für die gesamte Hochschule. Wenn die eigene Uni zu wenig Angebote macht, kann man zum Beispiel beim Netzwerk Thesis Seminare besuchen und sich mit anderen Studenten austauschen. Oder man schließt sich einer Gruppe für Nachwuchswissenschaftler seines Fachs an.

Kommunikation ist das A und O

Es liegt auch an Ihnen, den Kontakt nicht abreißen zu lassen. Das gilt besonders für externe Doktoranden. Berichten Sie regelmäßig – aber kurz –, wie weit Sie sind und woran Sie arbeiten. So vermeiden Sie, Teile der Arbeit später umschreiben oder neu strukturieren zu müssen.

Eine Fernbeziehung braucht Aufmerksamkeit

Je größer die geografische Entfernung zwischen Ihnen und dem Betreuer, desto wichtiger ist es, dass Sie sich häufig bei ihm melden. Ideal ist ein Rhythmus von sechs Wochen, das können Sie auch fest vereinbaren. Eine räumliche Distanz ist einer der Hauptgründe für den Abbruch einer Dissertation. Zum einen klagen externe Doktoranden besonders häufig über Motivationsprobleme, zum anderen laufen sie leichter Gefahr, mit dem Thema abzuschweifen.

Nichts ist für die Ewigkeit

Von seinem Promotionsbetreuer sollte man sich auf keinen Fall leichtfertig trennen. Besonders nicht kurz vor dem Abschluss der Promotion. Zum einen ist das schlecht für den eigenen Ruf innerhalb der wissenschaftlichen Community. Zum anderen bedeutet es wahrscheinlich, dass Sie Teile der Arbeit nicht mehr verwenden können. Wenn das Verhältnis gestört ist, bemühen Sie sich um Klärung. Dafür gibt es professionelle Angebote: Die HU Berlin hat zum Beispiel eine anonyme Sprechstunde für Doktoranden und Betreuer. Die Universität Kassel bietet ebenfalls Beratung an. Wenn sich die Forschung in eine ganz andere Richtung entwickelt hat und der Betreuer die Arbeit fachlich nicht mehr bewerten kann, müssen Sie sich entscheiden, ob Sie zurückrudern oder ob Sie Ihren Betreuer, ohne ihn zu kränken, bitten können, Sie an einen Kollegen zu vermitteln.

© ZEIT Online (Zur Original-Version des Artikels)

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