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Bewerbung summa cum laude

Auszeichnung, summa cum laude, Promotion [Quelle: freeimages.com, Autor: jamison]

Quelle: freeimages.com, jamison

Vom lockeren Gespräch mit deinem Lieblings-Prof bis hin zur standardisierten Bewerbung: Das Bewerbungsverfahren für eine Promotion kann sehr unterschiedlich ausfallen. Auf jeden Fall unterscheidet sich eine Bewerbung auf eine Doktorandenstelle von der auf eine Stelle in der Wirtschaft.

Du hast dir schon während deines Studiums deinen Wunsch-Prof angelacht, seine Vorlesungen und Seminare besucht, eine Haus- oder Abschlussarbeit unter seiner Schirmherrschaft geschrieben und siehst in ihm deinen wissenschaftlichen Seelenverwandten? Dann kannst du den Bewerbungsprozess erheblich abkürzen und musst nur noch die formalen Fragen mit ihm klären.

Wie für die Promotionsstelle bewerben? Kommt drauf an

Wenn du dieses Glück nicht hast, musst du dich ganz regulär bewerben, um den ersten Schritt Richtung Doktor zu tun. Leider lassen sich sehr schwer verbindliche Empfehlungen formulieren, denn das Bewerbungsverfahren hängt sehr stark von den Wünschen deines Doktorvaters, Instituts, Betriebs, Graduiertenkollegs und/oder Stipendiengebers ab – je nach dem, für welche Art der Promotion du dich entscheidest. Der erste und wichtigste Tipp lautet daher: Frag deinen Promotionsgeber, wie du dich bewerben sollst! Trotzdem lassen sich die verschiedenen Bewerbungsverfahren auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner bringen.

Der Bewerbung Kern: das Exposé

Herzstück deiner Bewerbung ist in jedem Fall das Exposé oder Motivationsschreiben. Zwar gibt es auch hier keine einheitlichen Vorgaben – manchen Doktorvätern reicht eine vorläufige Gliederung, während sich Stipendiengeber darunter einen ausführlichen Essay vorstellen. In jedem Fall tust du gut daran, dein Exposé so zu verfassen, als müsstest du einen Geldgeber von deinem Forschungsvorhaben überzeugen – selbst, wenn du kein Stipendium für die Promotion brauchst. Das hilft dir, den Nutzen deiner Forschungen überzeugender darzulegen und deinem Doktorvater dein Thema schmackhaft zu machen. Und vor allem hilft es dir, deine eigene Arbeit zu planen und zu strukturieren. Hilfreich sind dabei die Empfehlungen, die Stipendiengeber wie die deutsche Forschungsgemeinschaft oder die Hans-Böckler-Stiftung ihren Bewerbern für Forschungsanträge geben. Im Wesentlichen solltest du im Exposé folgende Punkte abarbeiten:

  • Problem: Zuerst formulierst du das grobe Ziel deiner Arbeit. Um welche Unterdisziplin deines Faches handelt es sich? Ist es ein von der Forschung bisher wenig beachtetes Thema oder ein gerade heiß diskutiertes? Oder willst du ein Forschungsfeld neu beackern, über das in der Wissenschaft (scheinbar) Konsens herrscht?
  • Forschungsstand: Wie stark ist das Thema bisher untersucht worden? Was sind die wichtigsten Veröffentlichungen und Positionen zu dem Thema? Hast du selbst schon Vorarbeiten zu dem Thema geleistet (Seminar- oder Abschlussarbeiten, eigene Publikationen)?
  • konkrete Fragestellungen: Jetzt musst du das Problem detaillierter darstellen. Brich es auf einzelne Fragen herunter, stelle Hypothesen auf und formuliere mögliche Ergebnisse.
  • Mehoden: Je nach Fach kann es sich dabei um die Auslegung von Texten handeln, die Auswertung von Statistiken oder Interviews, Tests mit Probanden oder Experimente im Labor. Auf jeden Fall musst du deine Methoden rechtfertigen: Warum liefert dir gerade diese Methode brauchbare Ergebnisse?
  • Materialzugang: Benötigst du Zugang zu bestimmten Akten, Archiven oder Dokumenten? Brauchst du eine bestimmte technische Ausstattung? Welche Kosten entstehen dir dabei?
  • Arbeitsplan: Wie lange willst du für deine Arbeit brauchen? Wie viele Seiten willst du schreiben? Hier solltest du auch Zwischenziele formulieren. Bei einer Förderung durch ein Stipendium ist dieser Punkt selbstverständlich, da du ohnehin in absehbarer Zeit Ergebnisse vorweisen musst. Aber auch um deiner eigenen Zeitplanung willen solltest du dir darüber Rechenschaft ablegen.
  • Literatur: Ein Verzeichnis wichtiger Literatur beschließt dein Exposé. Das sollte mindestens die unter "Forschungsstand" aufgeführte Literatur beinhalten.

Das Exposé als Aushängeschild

Jeder dieser Punkte sollte ein bis zwei Seiten deines Exposés einnehmen. Nimm dir dafür ausreichend Zeit – besser einen Monat statt ein Wochenende. Halte dir dabei vor Augen, dass dein Exposé bereits das Aushängeschild deiner Arbeit ist: Es beweist, dass du das Problem erfasst hast, sinnvoll eingrenzen und verständlich formulieren kannst und alle wissenschaftlich-theoretischen und alltäglich-praktischen Fragen auf dem Schirm hast.

Theorie statt Praxis: Lebenslauf und Zeugnisse

Während einen Arbeitgeber deine praktischen Erfahrungen interessieren, will dein künftiger Doktorvater über deine fachlichen Kenntnisse und Schwerpunkte Bescheid wissen. Die solltest du also im Lebenslauf betonen und bei der Auswahl deiner Zeugnisse berücksichtigen.

Betone deine akademischen Leistungen

Gestalte daher den Punkt "Studium" im CV ausführlicher: Welche Themenschwerpunkte hast du dir gesetzt? Lässt sich ein roter Faden erkennen? Gerade das Thema deiner Abschlussarbeit solltest du detaillierter formulieren, als du das für einen Arbeitgeber tun würdest. Wenn der Professor, der deine Abschlussarbeit betreut hat, eine Koryphäe auf seinem Gebiet ist, nenne ihn an dieser Stelle auch. Deine Noten gehören ebenso in den CV.

Praktika anzugeben kann trotz der Betonung auf deine fachlichen Leistungen sinnvoll sein, wenn deine Tätigkeiten im Zusammenhang mit deinem Dissertationsthema stehen. Vergiss nicht, die Auswahl deiner Zeugnisse deinem Doktoranden-CV anzupassen.

Wohin mit meinen Veröffentlichungen?

Eigene Publikationen kannst du im CV unter einem gesonderten Abschnitt anführen. Wenn du schon mehrere Veröffentlichungen vorzuweisen hast, lege deinen Unterlagen eine Extraseite dafür bei.

Weitere Anlagen: Fachgutachten & Co.

Je nach Art der Promotion musst du manchmal ein Empfehlungsschreiben oder ein Fachgutachten eines Professors vorweisen. Es gibt Auskunft über deine Leistungen Im Studium und die Erfolgsaussichten deines Promotionsvorhabens. Gute Ansprechpartner dafür sind Professoren, die dich aus Seminaren kennen oder eine deiner Hausarbeiten betreut haben.

Auch ein Auszug aus einer Seminar- oder Abschlussarbeit wird manchmal verlangt. Die genaue Zusammenstellung der Unterlagen musst du aber mit deinem Betreuer klären.

Auge in Auge mit dem Prof: das Vorstellungsgespräch für die Promotionsstelle

Im Vorstellungsgespräch stellst du dein Forschungsvorhaben noch einmal mündlich vor und klärst fachliche Fragen. Dank deines Exposés sollte dir das nicht weiter schwerfallen. Vor lauter Fachsimpelei solltest du aber auch nicht vergessen, einige wichtige Fragen zu klären: Wer betreut dich während der Arbeit, und wie viel Zeit hat er für dich? Gibt es fixe Termine für den Zwischenstand deiner Arbeit, oder wirst du deinem Ansprechpartner hinterherrennen müssen? Gegebenenfalls kannst du dich dazu vorher auch mit anderen Doktoranden und Ex-Doktoranden austauschen, die unter diesem Betreuer promoviert haben.

Scheinbare Nebensächlichkeiten klären

Außerdem sollte dich interessieren: Stehen dir alle Materialien zur Verfügung, die du im Exposé unter "Methoden" aufgelistet hast? Ist die Stelle eine "echte" 0,5-Stelle, oder bekommst du nur das halbe Gehalt für die volle Arbeitsleistung? Sollst du nebenher an Publikationen und Lehre mitwirken? Wenn ja, in welchem Ausmaß?

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Kommentare (2)

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  1. Melanie Grell

    Hallo Sebastian, vielen Dank für deinen Kommentar und den Hinweis auf die Bewerbungsvarianten bei Naturwissenschaftlern. Hättest du vielleicht Lust, einen kleinen Artikel über die Promotionsbewerbung in den Naturwissenschaften zu schreiben? Diesen könnten wir dann auch hier veröffentlichen. Wenn ja, melde dich doch einfach bei mir. Viele Grüße, Melanie

  2. Sebastian

    Bewerbung der Promotion doch sehr fachabhängig

    Lieber Herr Fleschhut, vielen Dank für den Artikel und die Hilfestellung für Promotionswillige. Ich möchte aber dennoch kommentieren, dass meiner Meinung nach die von Ihnen dargestellte Art der Bewerbung doch erheblich von meinen Erfahrungen in den Ingenieurs- wie Naturwissenschaften abweicht. Ich promoviere selbst in einer Ingenieurswissenschaft und bin diplomierter Physiker und habe etwa bei niemandem aus meinem doch breiten Kollegenkreis von einer Bewerbung mit Exposée gehört. Im Regelfall ist es hier auch so, dass Promotionsprojekte oder Vorhaben bereits geplant und mit der nötigen Finanzierung ausgestattet sind. Damit muss auch die Bewerberin oder der Bewerber lediglich die/den ProfessorIn davon überzeugen, dass sie oder er am geeignesten für diese wissenschaftliche Arbeit ist. Dies geschieht wie von Ihnen auch dargestellt mit Schwerpunkt durch Nachweis von exzellenten theoretischen Kenntnissen. Möglicherweise ist die von Ihnen beschriebene Praxis durchaus in den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften üblich? Ich möchte hier nur für die mir bekannten Fächer sprechen und mögliche Verwirrung bei Bewerbung auf diese verhindern.

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